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Weberhaus in Nieheim soll Bildungseinrichtung für Ärzte aus der ganzen Welt werden

Bischof Damian plant um

Höxter/Nieheim (WB). Ärzte und Pflegekräfte aus der ganzen Welt sollen bereits in wenigen Wochen im Weberhaus Nieheim, der ehemaligen Bildungseinrichtung des Kolping-Berufsbildungswerks, auf ihr Wirken und Schaffen sowie das Leben in Deutschland vorbereitet werden.

Jürgen Drüke

Besuch im koptischen Kloster in Brenkhausen: Nieheims Bürgermeisterkandidat Johannes Schlütz (von links), Bischof Anba Damian, Viktor Burzinski und Andreas Ortmann, beide von der katholischen Männer-Gemeinschaft Rhumspringe bei Göttingen. Foto:

Diese Nachricht verkündete Bischof Anba Damian während eines Informationsbesuchs von Johannes Schlütz im koptischen Kloster in Brenkhausen. Johannes Schlütz (50) aus Holzhausen kandidiert für das Bürgermeisteramt in Nieheim. Der mögliche Nachfolger von Bürgermeister Rainer Vidal war vom neuen Plan und dem Stand der Dinge angetan.

Die Kopten, die das Weberhaus im August 2018 vom Kolping-Berufsbildungswerk übernommen haben, hatten zunächst auf eine Bildungseinrichtung für ausländische Handwerker gesetzt. Das Weberhaus sei allerdings als Bildungseinrichtung für Ärzte sinnvoller.

„Wir sind auf einem guten Weg. Nicht nur Ärzte und Pflegekräfte aus meinem Heimatland Ägypten, sondern aus vielen Ländern sollen in der Weberstadt auf ihre weitere Aus- und Fortbildung in deutschen Krankenhäusern, Pflegeheimen und Praxen vorbereitet werden. Sie werden in der Bildungseinrichtung in Nieheim ihre bereits vorhandenen Deutschkenntnisse verfeinern. Und sie werden das deutsche Gesundheitssystem mit all seinen Facetten kennenlernen“, hob der ehemalige Facharzt und Oberarzt Anba Damian, der sich 1991 für ein Leben als Mönch in der koptischen Kirche entschieden hat, hervor.

„Bedingungen für Ärzte sind in Deutschland besser“

Bauliche Maßnahmen sollen nun in Angriff genommen werden. „Die ehemalige Bildungseinrichtung in Nieheim bietet ideale Möglichkeiten“, stellte der Bischof heraus und setzt auf die Unterstützung der heimischen Firmen sowie der katholischen und evangelischen Kirche.

Johannes Schlütz, der als Abteilungsleiter bei der Finanzagentur des Bundes zwischen seinem Heimatort Holzhausen und Frankfurt pendelt und nach der Kommunalwahl im Herbst Nieheimer Bürgermeister sein will, betonte angesichts dieser erfreulichen Nachrichten: „Eine Bildungseinrichtung für junge Ärzte aus vielen Ländern ist für Nieheim grandios. Das Image der Stadt wird damit enorm aufgewertet.“

„In Deutschland sind die Lebensqualität sowie die Bedingungen in der Medizin und Pflege im Vergleich zu den meisten Ländern der Welt sehr hoch. Fachärzte verdienen hier zudem sehr gut. Deshalb ist Deutschland nicht nur für ägyptische Mediziner attraktiv“, sieht Anba Damian sehr gute Perspektiven für die Bildungseinrichtung des Weberhauses.

Gäste aus Adelebsen

Neben Johannes Schlütz waren gleichzeitig auch zwei Gäste aus Adelebsen zu Besuch im Kloster: Viktor Burzinski (81) und Andreas Ortmann (56) kennen Anba Damian bereits seit 15 Jahren: „Regelmäßig besuchen wir das Kloster. Hier ist so viel entstanden. Das koptische Kloster mit der kleinen Kapelle ist ein Anziehungspunkt für Menschen aus Deutschland, der ganzen Welt und auch für uns. Hier erhalten wir Inspiration, kommen zur Ruhe und beten. Dieser Ort ist für uns eine Kraftquelle“, sagte Viktor Burzinski.

„Beim Diözesantag in Rotenburg an der Wümme haben wir Bischof Damian, er war dort Gastredner, einst kennengelernt. Sein Einsatz für den Glauben und die Kirche ist beeindruckend. Anba Damian ist ein Motor“, hob Andreas Ortmann hervor. Im Kloster Brenkhausen würden sie die innere Ruhe finden.

Das koptisch-orthodoxe Kloster sei für sie zudem wie ein Ort der Erlösung. Ortmann und Burzinski gehören der katholischen Männer-Gemeinschaft Rhumspringe an, einer kleinen Gemeinde im Eichsfeld in der Nähe von Adelebsen. Burzinski ist Vorsitzender der Gemeinschaft und berichtete: „Einmal im Jahr halten wir hier in Brenkhausen Einkehrtage ab.“ Ortmann und Burzinski bringen zudem seit Jahren Kindernahrung und Süßigkeiten ins Kloster. „Das koptische Kloster Brenkhausen ist für die gesamte Region ein Segen“, sagen sie.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

1993 war das Kloster in Brenkhausen verfallen und eine Bauruine. 27 Jahre später ist das koptisch-orthodoxe Kloster ein Anziehungspunkt für Menschen und Gläubige aus der ganzen Welt.

Was Einheimische nicht mehr angepackt hätten, das war für Bischof Anba Damian und die Kopten Herausforderung und Herzensanliegen zugleich. Damian hat das Kloster vor mehr als einem Vierteljahrhundert für den symbolischen Preis von einer Mark erworben. Längst hat das Kloster über Millionen von Euros hinaus einen unschätzbaren Wert.

Vom koptischen Kloster in Brenkhausen gehen Projekte aus. So unterhält die koptisch-orthodoxe Kirche seit 1993 auf dem weitläufigen Areal der ehemaligen Desenberg-Kaserne in Borgentreich eine ökumenische Stätte der Begegnung. Das Kasernengelände wird auf vielfältige Weise genutzt und ist inzwischen eine Unterkunft für Flüchtlinge. Das Weberhaus steht in Nieheim seit Jahren leer. Es soll nun eine Bildungseinrichtung für Ärzte aus vielen Ländern werden. Damian setzt unerschrocken Visionen um. Der Bischof und die Kopten sind ein Segen für den Kreis Höxter und die Menschen.

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