Brückensanierung in Höxter: Brückfeld abgeschnitten – neue Debatte um Lastzüge in der City und die Südbrücke

Breite Unterstützung für Weser-Fähre

Höxter

Die Diskussion über die Einrichtung einer Weser-Fähre während der Sanierung der Brücke in Höxter nimmt Fahrt auf. Die Stadt greift die Anregungen aus Bürgerschaft, Betrieben, Sportvereinen und aus der Berichterstattung des WESTFALEN-BLATTES auf und will sich darum bemühen, dass die Folgen der Sperrzeiten spürbar abgemildert werden.

Michael Robrecht

Für weitere 20 Jahre soll die Weserbrücke Höxter noch ab dieses Jahr ertüchtigt werden: Der 30 Meter hohe Weserbrücken-Pylon ist der Favorit der Besucher einer Infoveranstaltung. Der Pylon kommt jetzt in der spitzen Form. Die Brücke wird lange gesperrt. Foto: Michael Robrecht

Wie berichtet, soll die Brücke für den Fahrzeugverkehr wohl ab Anfang 2022 für mindestens neun Monate und für den Fußgänger- und Fahrradverkehr für gut sechs Monate abgeriegelt werden. „Wir prüfen, ob eine Personenfähre in der Bauphase eingerichtet werden kann, damit Sportler, Freibadbesucher, Campingplatzgäste, Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder Gartenbesitzer über die Weser transportiert werden können“, sagte Bürgermeister Daniel Hartmann dem WB. Er habe nach Veröffentlichung der Sperrzeiten durch Straßen NRW sehr viele Anrufe mit Ideen für eine Flussquerung bekommen. Auch mit der Samtgemeinde Boffzen gebe es jetzt Gespräche. Ebenso werde die Stadt mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt zur Fähre und mit Straßen NRW zur Sperrung und Flussquerung reden.

Die Fähre Wahmbeck/Oberweser unweit von Bad Karlshafen: Hier und auch in Herstelle, Wehrden oder Polle gibt es Fähren. Foto: dpa

In die Überlegungen einbezogen werden sollen auch ein Busshuttle oder ein hölzerner Brückentunnel durch die Baustelle. Auch mit den Betrieben im Brückfeld, von denen einige wie die Tankstelle erhebliche Umsatzeinbußen durch die Brückensperrung befürchten, werde gesprochen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Goeken unterstützte neben einer Buslösung vom Floßplatz nach Höxter auch die Boots- oder Fährvariante. Man müsse überlegen, ob man nicht eine Weserquerung einrichte – vielleicht privat betrieben – die bei der Landesgartenschau weiter als attraktives Angebot genutzt werden könne.

Lastzüge in der City

Weiterer Aufreger in Höxter in der Brückendebatte ist neben der Kappung der Verbindungen ins Brückfeld und nach Boffzen fast über das ganze Jahr 2022 die befürchtete Rückkehr der Schwerlastzüge nach Fertigstellung der millionenschweren Ertüchtigung der L755-Weserbrücke. Der HVV hatte schon 2015 über 1000 Unterschriften gegen eine freie Fahrt für 40-Tonner in der Innenstadt gesammelt. MdL Goeken sagte dazu, dass er die Sorgen der Anlieger und der Bürgerschaft verstehe, man aber bei der Sanierung einer Brücke einer Landesstraße für mehrere Millionen Euro nicht danach den Schwerlastverkehr unterbinden könne. Das funktioniere nicht. Der Abgeordnete sieht die Befreiung der historischen Innenstadt von den Brummis als ein langfristiges Ziel.

MdL Matthias Goeken

Und damit kommt man in Höxter schnell zu den 2018 wieder aufgenommenen Plänen für eine Südbrücke für die L755, die irgendwo zwischen Bollerbachmündung und Freibad/Campingplatz irgendwann einmal die Weser Richtung Boffzen queren soll. Die letzte rot-grüne NRW-Regierung hatte das jahrzehntealte Projekt vor gut zehn Jahren beerdigt; die CDU-FDP-Koalition in Düsseldorf holte das Vorhaben 2018 wieder aus der Schublade, bewertete es positiv und will die Landesstraße 755 nun vorrangig neu planen lassen. Die alten Entwürfe werden als Ideensammlung genutzt, Straßen NRW muss das Projekt als Ganzes von vorn neu aufrollen. »Wir fangen bei Null an«, machte Höxters Baudezernentin Claudia Koch einmal klar. »Die L755 ist eine konsequente Ergänzung, wenn die B64 fertiggestellt ist«, sagte Matthias Goeken. Er wies aber auch darauf hin, dass vorrangig die B64/83 zu Ende geplant werde, bevor Straßen NRW Kapazitäten frei habe, die Südbrücke und die L755 neu zu trassieren. Vielleicht sei auch ein Brückenneubau bei Höxter zukünftig gar keine Option mehr, sondern es kämen andere interessante Vorschläge auf den Tisch. Er dachte da an eine Tunnellösung wie in Lügde oder eine intelligente Verkehrsführung für Lkw über bestehende Brücken.

Ein Kommentar von Michael Robrecht

In den verkehrsbelasteten B64-Orten ist vielen Bürgern mit Blick auf den Umfragen-Höhenflug der Grünen nicht mehr wohl. Wird bei wachsendem Einfluss der Ökopartei das B64/83-Straßenbauprojekt jemals verwirklicht? Und hat eine Südbrücke bei Höxter eine Chance? Gerüchte, der B64-Lückenschluss scheitere schon früh wegen des neuralgischen Punktes „Taubenborn“ oder fehlenden Grunderwerbs, entbehren – Stand 7. Mai 2021 – jeder Grundlage. Es wird eine Planfeststellung geben, wenn auch erst verzögert im Frühjahr 2022! Und was danach politisch passiert, das sehen wir dann. Es sind so viele Millionen Euro in die Planungen und die Schlingnatter-Umsiedlung geflossen und es ist über Jahrzehnte den Menschen von allen Seiten versprochen worden, dass die neue Straße zwischen Höxter und Ottbergen gebaut wird, dass eigentlich kein verantwortungsvoller Politiker hinter diese Zusagen zurück kann.

Mit Blick auf das, was bald ergrünen könnte, sollten sich B64-BI, Rat und die Bürger in Godelheim und Ottbergen sowie die Höxteraner für die Entlastung der Innenstadt von Brummis wieder stärker sichtbar positionieren. Es darf niemand in Berlin oder Düsseldorf auf die Idee kommen, der Druck für den B64-Neubau sei raus. Und: Vor den Grünen darf man keine Angst haben, sondern man muss für seine Ziele weiter zäh kämpfen.

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