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Friedhofsgebühren beschlossen – Berens: „Es bleibt ein Kraftakt“

Breite Zustimmung im Rat

Höxterµµ(WB). Die Fraktionen im Rat der Stadt Höxter beschließen mit großer Mehrheit bei Nein-Stimmen der UWG und einigen Enthaltungen die neuen Friedhofsgebühren. Die Kosten für die Benutzung der Friedhofskapelle für eine Trauerfeier sind um fünf Euro auf 355 Euro erhöht worden. Insbesondere die Groko (CDU und SPD) begrüßt die neue Ordnung.

Jürgen Drüke

Die Benutzung der Friedhofskapellen für eine Trauerfeier beläuft sich in der Stadt Höxter bei den neuen Friedhofsgebühren auf 355 Euro. So auch in Brenkhausen. Foto: Jürgen Drüke

„Vor dem Hintergrund der schwierigen Sitzungen im Vorfeld sind gute Kompromisse gefunden worden“, stellte Stefan Berens ­während der Ratssitzung am Donnerstagabend im Historischen Rathaus heraus. Der CDU-Fraktionsvorsitzende betonte indes: „Nichtsdestotrotz ist es in den kommenden Jahren weiterhin ein Kraftakt, die Gebühren anzupassen. „Wir hoffen, dass mit dem heutigen Beschlusse der Rechtsfrieden wieder hergestellt ist.“

Hintergrund dieser Aussage ist ein Rechtsstreitverfahren, dem sich die Stadt vor dem Verwaltungsgericht stellen musste. Dezernent Stefan Fellmann wies darauf hin, dass das Verwaltungsgericht mit Urteil vom 5. Dezember drei Widersprüche und Klagen gegen Gebührenbescheide der Stadt abgewiesen habe.

Vergleiche sinnlos

Ratsherr Hans-Josef Held führte für die Sozialdemokraten aus, dass Vergleiche mit anderen Kommunen bei den Kosten der Bestattungen und Gebühren keinen Sinn machen würden: „Boffzen ist eine Gemeinde mit etwa 3000 Einwohnern und einer Friedhofskapelle. Die Gebühren sind dort im Vergleich zu denen im Stadtgebiet Höxter niedriger. Ottbergen, Bruchhausen und Godelheim bringen es zusammen ebenfalls auf 3000 Einwohner. Es gibt in den drei Orten allerdings drei Friedhöfe und drei Friedhofskapellen mit drei Leichenhallen, die unterhalten und finanziert werden müssen.“ Ein Vergleich könne nur eine Schieflage aufweisen.

Nur Kleinigkeiten

Michael Schuster (UWG) ging noch einmal auf die Ursache des Rechtsstreits zurück: „Der Ausgangspunkt liegt darin, dass ein Bürger für die Benutzung der Friedhofskapelle auch die Leichenhalle mitbezahlen sollte, obwohl diese nicht genutzt worden war.“ Aus Sicht von Schuster würden beim Beschlussvorschlag der Verwaltung zur Gebührensatzung lediglich Kleinigkeiten gelöst, ohne das „große Ganze“ zu sehen.

Berno Schlanstedt (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte dafür, die Bürokratie abzubauen: „Der Kardinalfehler ist, dass aufgedröselt wird. Die Kosten für Beerdigungen in den verschiedensten Formen, ob beispielsweise Urne oder Sarg, sollten den gleichen Preis haben.“ Ein einfaches System würde vieles erleichtern. Generell seien ein Umdenken und neue Wege erforderlich.

Vorlese-Wettbewerb

Hermann Loges von der Wählergemeinschaft Bürger für Höxter (BfH) stellte in Richtung Dezernent Stefan Fellmann fest: „Sie haben hier in Sachen Gebührenbescheide einen Vorlese-Wettbewerb veranstaltet. Bei mir ist nichts angekommen. Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass wir bei den Gebühren im Rahmen liegen.“

Die neuen Gebühren

Benutzung der Friedhofskapelle für die Trauerfeier – je Trauerfall: 355 Euro.

Benutzung des Vorplatzes der Kapelle zur Trauerfeier ohne Benutzung der Friedhofskapelle – je Trauerfall: 175 Euro.

Benutzung einer Einzelkammer der Leichenhalle einschließlich Kühlzellen (soweit vorhanden) – je Trauerfall: 125 Euro.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Hoffentlich kehrt nun endlich Ruhe ein. Die Friedhofsgebühren der Stadt Höxter sind mit breiter Zustimmung im Rat beschlossen worden. Das Verwaltungsgericht Minden hat fast zeitgleich für Klarheit gesorgt. Die Stadt Höxter hat demnach nicht so viel falsch gemacht. Das mitunter unwürdig anmutenden Trauerspiel um die Friedhofsgebühren sollte damit endlich ein Ende gefunden haben. Vorwürfe und Rechtsstreits im Zusammenhang mit Tod, Trauer und Verlust – das passt nun gar nicht zusammen.

Eine Beerdigung kostet seit jeher Geld. Die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen schmerzt. Trauernde denken in der Stunde des Abschieds verständlicherweise nicht ans Geld. Trotzdem, werden die Rechnungen sehr schnell auf sie zukommen.

Eine Beerdigung und die Folgekosten (Grabnutzungsgebühren, Grabpflege) sind meistens hoch. Da können auch schon einmal 10.000 Euro zusammenkommen.

Bei der Diskussion um die Friedhofsgebühren sind in Höxter trotzdem neue Ideen entstanden. Warum nicht jede Beerdigungsform bei den Kosten gleich hoch ansetzen? Dazu müssten Gesetze geändert werden. Auf Höxter bezogen, könnte die hohe Anzahl an Friedhöfen und Kapellen auf den Prüfstand kommen. Zumal Beerdigungsformen (Waldfriedhof, Trauerfeiern in Altenheimen) immer vielfältiger werden.

Ein Umdenken ist angesagt. Friedhöfe könnten verkleinert und Kapellen abgerissen werden. Neue Wege sind, das hat Höxter bei allen negativen Begleiterscheinungen gezeigt, notwendig. Das leidige Thema Gebühren sollte im Sinne der Toten und Trauernden trotzdem würdevoll behandelt werden.

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