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Bundespräsident spricht beim Festakt zum 1200-jährigen Bestehen in Höxter über unsichere Zeiten

Steinmeier: „Ich bin und bleibe Corvey verbunden“

Höxter

Wo sollte ein Bundespräsident am heutigen Tag sein, wenn nicht hier?“ Frank-Walter Steinmeier war am Sonntag in Höxter. Der Anlass: Im September 822 gründeten Mönche das Kloster Corvey an der Weser. „Hier spiegeln sich 1200 Jahre deutscher und europäischer Geschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen“, sagte das Staatsoberhaupt beim Festakt im Kaisersaal des Schlosses Corvey und eröffnete damit das Jubiläumsjahr.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier spricht am Sonntag in Corvey. Foto: Harald Iding

Steinmeier betonte, dass er ganz in der Nähe im lippischen Brakelsiek aufgewachsen sei. „Ich bin und bleibe diesem Ort verbunden. Die Grafschaft Schwalenberg stand im 17. und 18. Jahrhundert sogar unter der Oberlehnsherrschaft Corveys. Es ist dieses einzigartige Denkmal der Kirchen- und Kulturgeschichte, das mich von Jugend an fasziniert hat und das, darüber können wir glücklich sein, heute noch viele Besucher in seinen Bann zieht.“

In seiner Funktion als SPD-Außenminister der großen Koalition war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass Corvey vor acht Jahren zum Weltkulturerbe der Unesco wurde. „Ich erinnere mich noch gut, wie ich den Antrag begleiten durfte. Aber noch besser erinnere ich mich an den 26. Mai 2015, als wir hier am selben Ort das Ergebnis ihrer 15-jährigen Arbeit mit der Enthüllung der Plakette an der Mauer der ehemaligen Abteikirche feiern durften.“

Schlossherr Viktor Herzog von Ratibor begrüßte die 280 geladenen Gäste mit den Worten: „Ich möchte meinem geliebten Corvey alles Gute zu seinem Jubiläum wünschen.“ Auch seine Aufgabe sei, es als Erbe aller Menschen zu pflegen und zu erhalten und den Ort mit Kultur und Leben zu bereichern.

Die sonntäglichen Gottesdienste in Corveys Abteikirche seien gut besucht und Hochzeiten sehr gefragt, sagte Pfarrdechant Hans-Bernd Krismanek. Die kleinste Gemeinde im Erzbistum Paderborn sei der Ort, „wo sich Himmel und Erde berühren“. Oder wie es NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach ausdrückte: „Wo das Geistliche das Weltliche berührt.“

Regierungspräsidentin Anna Katharina Bölling mit den Abgeordneten Christian Haase (Bundestag) und Matthias Goeken (Landtag). Foto: Harald Iding

In unsicheren Zeiten wie diesen hätten solche Orte voller Geschichte eine große Bedeutung. „Unsicherheit hat es zu jeder Zeit gegeben. Unsere Aufgabe ist es, aus Unsicherheit Sicherheit zu machen“, so die Ministerin.

Auch Steinmeier sprach von „Veränderungen und Verunsicherungen“. Gerade jetzt, „in dieser Zeit des Krieges, der Krisen, brauchen wir solche Orte, an denen wir uns als Verschiedene begegnen und verständigen können.“ Die Pandemie habe Menschen noch stärker vereinzelt, sagte der Bundespräsident. Als Ursachen für die Verunsicherung nannte er: „Den russischen Angriffskrieg ge­gen die Ukraine, die steigenden Preise und Energiekosten, nicht zuletzt die Erfahrung des Klimawandels auch in unserem Land und die Gewissheit, dass wir vor einem fundamentalen Umbau unserer Gesellschaft stehen.“

Fachkundige Erläuterungen für den Bundespräsidenten beim Rundgang durch das historische Bauwerk. Foto: Harald Iding

All das löse Fragen, Sorgen und Ängste aus, es führe zu hitzigen Debatten und schlage nicht selten um in Zorn, Hass oder Gewalt. Viele Leute fragten sich: Was bleibt, wenn so vieles unsicher ist? Was gibt uns Halt, worauf können wir bauen? Steinmeier: „Corvey kann nicht auf alles eine Antwort geben. Aber Orte wie Corvey helfen vielen verschiedenen Menschen auf der Suche nach Antworten.“

Theologe Elmar Salmann nahm den präsidialen Worten in seinem Schlusswort etwas von der Bedeutungsschwere, als er schelmisch bemerkte: „Das Christentum ist nicht im Teutoburger Wald erfunden worden.“

Das vor 1200 Jahren geweihte Kloster direkt an der Weser erhielt zunächst den Namen „Corbeia nova“, daraus entstand dann „Corvey“. Es entwickelte sich zu einem bedeutenden karolingischen Kloster, die Abtei brachte zahlreiche Bischöfe hervor. Das fand später auch in der umgestalteten Doppelturmfassade Ausdruck. Das Karolingische Westwerk und die ehemalige Klostersiedlung wurden 2014 in die Weltkulturerbe-Liste der Unesco aufgenommen.

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