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Bahnfans aus Höxter erinnern an legendäre Fahrt in 1989 – Szene in Brakel nachgestellt

Der deutsch-deutsche Sonderzug rollt an

Höxter/Brakel (WB). Dieser Moment gehört zu den schönsten Erinnerungen im Leben von Günter Schmitz. Der 84-Jährige hat im Dezember 1989 „auf der Lauer“ gelegen, um den ersten deutsch-deutschen Dampf-Sonderzug auf Video an einer Steigung bei Uslar festzuhalten. „Der erste Silvesterzug, der von Düsseldorf bis Nordhausen unterwegs war, hat unsere Herzen berührt. Das ist pure ­Nostalgie“, schwärmt Schmitz.

Harald Iding

„Es war um 14 Uhr, als ich mit meiner Canon-Spiegelreflexkamera an Silvester vor 30 Jahren den ersten deutsch-deutschen Sonderzug, der von Düsseldorf bis Nordhausen fuhr, im Bild festhielt“, sagt Meinhard Siewers aus Höxter. Foto:

Gemeinsam mit seinen Vereinskollegen Meinhard Siewers (68) und Wolfgang Langner (47), die beide in der Großgemeinde Höxter leben und wie Gründungsmitglied Schmitz zum „Holzmindener Eisenbahn Club“ gehören, hat er die geschichtsträchtige Fahrt, die durch Ottbergen führte, zusammen mit dem WESTFALEN-BLATT im Miniformat nachgestellt – auf der Anlage der Modellbundesbahn in Brakel.

Die prächtige Anlage in der Nethestadt (Rieseler Feld 1b) ist gewaltig und zieht Fans aus ganz Deutschland an. 1100 Meter Bahngleise sind dort verlegt und 40 Züge unterwegs. Rund 80 Loks, 1000 Wagen, 83 Signale und 216 Weichen auf 100 Quadratmetern lassen die Herzen der Eisenbahnfans höher schlagen – alles im Maßstab 1:87. Derzeit ist sogar eine 25 Meter lange, neue Paradestrecke mit einem kleinen und großen Viadukt (Altenbeken) im Bau.

„Bahnchef“ Karl Fischer sagte dieser Zeitung: „Wir feiern vor Weihnachten eine echte Premiere. Erstmals darf ein Verein seine eigenen Modelle mitbringen, um diesen großen Augenblick, als der Sonderzug 1989 die Region – speziell Ottbergen – passierte, noch einmal auf unserer Anlage darzustellen. Ich gratuliere dem HEC, dass er sogar alle Waggons und Loks von damals hat und hier aufstellen kann!“ Profi ­­ Fischer lobt: „Das ist mit 5,20 Metern sicher der längste Reisezug, der je auf unserer Anlage gestanden hat!“

Feierlicher Moment

Ein Experte in Sachen Eisenbahnwesen und Modellbau ist der 68-jährige Meinhard Siewers aus Höxter-Albaxen, der die kleinen Kostbarkeiten für den „feierlichen Moment“ mitgebracht hat. „Für uns ist es eine große Freude und wir danken dem Team um Karl ­Fischer, dass wir den Sonderzug nachbilden können – genau an der Stelle, wo ich schon vor 30 Jahren stand und von dem 2000-PS-starken Original fasziniert war.“

Sie haben den Sonderzug von 1989 mit Dampflok (Reihe 41, Triebfahrzeug), 15 Waggons und Diesellok (Reihe 215) für das Foto wieder auf die Gleise bei Ottbergen gebracht – und zwar in der Modelbundesbahn Brakel (von links): Meinhard Siewers, Günter Schmitz und Wolfgang Langner. Foto: Harald Iding

Der dampfende „Silvester-Sonderzug“ hatte die Nummer 6534 und Zugnummer „DZ 25750/ 25751“. Hinter der Dampflok (41 360) folgten fünf blaue Schlafwagen, dann zwei Liegewagen, zwei Speisewagen, ein Salonwagen, zwei Gesellschaftswagen und am Ende noch einmal drei Liegewagen. „Als Schublok war ursprünglich eine Diesellok der Baureihe 221 vorgesehen, was aber leider nicht klappte. Somit musste eine Diesellok der Baureihe 215 den Dienst am Zugende übernehmen, die auch gleichzeitig für die Heizung sorgte.“ Siewers, dessen Vater bei der Bahn beschäftigt war, habe sich schon als Kind für die große „Eisenbahnwelt“ begeistert.

Mauerfall und Widervereinigung

Das Jahr des Mauerfalls und die Wiedervereinigung, die dann folgte, habe sie alle in besondere Weise bewegt. Vor allen Dingen die Bürger der damaligen DDR hätten sich über die plötzliche Reisefreiheit gefreut – und so war der erste deutsch-deutsche Sonderzug mit fast 400 Gästen schnell ausverkauft. Eine Grenzkontrolle gab es bei der Premiere nicht – aber ein fröhliches Anstoßen mit den DDR-Grenzern an den Bahnhöfen.

Fahrtstrecke

Der Start erfolgte 1989 in Düsseldorf. Es ging dann über Essen, Dortmund, Hamm, Soest, Paderborn, Altenbeken, Ottbergen, Bodenfelde, Northeim, Walkenried und Ellrich bis nach Nordhausen.

Der Verein „HEC“

1974 wurde der Holzmindener Eisenbahn Club („HEC“) gegründet und besteht damit schon 45 Jahre. Die Mitgliederzahl lag zwischenzeitig über 20, aktuell besteht der Verein noch aus zehn Mitgliedern – darunter sind zwei Gründungsmitglieder. Der älteste Bahnfan in der Runde ist 84 Jahre und das jüngste Mitglied 47 Jahre alt. Interessierte sind willkommen. Die Mitglieder treffen sich jeweils am Montag um 20 Uhr in den Räumen der Drehscheibe (Stadthalle), Sollingstraße 101. Der Verein hat sich die Pflege des Eisenbahnwesens und der Modellbahn zur Aufgabe gemacht. Er nimmt an Sonderfahrten teil und besucht regelmäßig die Modellbahn-Ausstellungen in Dortmund und Köln. Und er beteiligt sich auch 2020 an der Ausstellung in der Kaserne – mit eigener H0-Anlage (40 Meter lang).

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