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Corona-Auswirkungen: Dieter Senger (74) aus Fürstenau und die Zunft der Vogelzüchter

Der Herr der Wachteln ist besorgt

Fürstenau

Wenn Corona nicht wäre, hätte Dieter Senger im Januar im Flieger nach Valencia gesessen. Der begeisterte Vogelzüchter aus Fürstenau wollte mit Wachteln bei der Weltmeisterschaft seiner Zunft einen Titel mit nach Hause bringen.

Marius Thöne

Dieter Senger mit einer Wachtel, die er in einem Häuschen in seinem Garten hält. Gut 100 Vögel leben dort. Neben Wachteln auch Wellensittiche. Foto: Marius Thöne

Doch die Pandemie machte ihm einem Strich durch die Rechnung. Der 74-Jährige macht sich deswegen Sorgen um die Vogelzucht im Allgemeinen. Die Pandemie habe den Vereinen ganz schön zugesetzt, viele kämpften ums Überleben. „Wenn einmal Schluss ist, ist Schluss. Dann passiert nichts mehr“, bringt es der 74-Jährige auf den Punkt. Auch bei seinem Verein, den Vogelfreunden Bevern, sei das Gemeinschaftsleben zum Erliegen gekommen. Seit 30 Jahren arbeitet Senger dort mit. Etwa 25 Vogelzüchter gehören dem Bevener Zusammenschluss an. Die monatlich stattfindende Vogelbörse war ein wichtiges Standbein für den kleinen Club – bis Corona kam. Senger hofft, dass es nach der Pandemie weitergeht, dass sie auch wieder junge Menschen für die Vogelzucht interessieren. „Bislang ist es oft so, dass Kinder oder Enkel von Mitgliedern mitmachen, wenn sie jung sind. Wenn sie aber älter werden, verlieren sie oft die Lust an dem Hobby“, hat Senger erfahren, wie schwer ist für Vereine heute ist, Jugendliche dauerhaft an sich zu binden. Dabei würde er sein Wissen gerne weitergeben. „Im Augenblick sieht das aber nicht so gut aus.“

Dieter Senger hat schon immer einen Faible für Tiere gehabt. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat in den 1970er Jahren Papageien und Seepferdchen gezüchtet. „In meinem Keller standen 8000-Liter-Tanks mit Seewasser“, erzählt der Fürstenauer. Seit einigen Jahrzehnten hat er sich der Vogelzucht verschrieben. Gut 100 Vögel leben in einem Häuschen mit Voliere in seinem Garten – vor allem Wellensittiche und Wachteln. Ein zeitfüllendes Hobby. „Ich bin viel hinten im Garten, meine Frau toleriert das“, bringt es der frühere Außendienstler, der zum Ende seines Berufslebens Einbauküchen verkaufte, auf den Punkt.

74-Jähriger holt einen WM-Titel

Mit einer schwer zu züchtenden Zwergwachtelmutation (sie sind hell und silber, normale Wachteln sind dunkel) holte der 74-Jährige vor zwei Jahren einen WM-Titel in den Niederlanden und war im vergangenen Jahr auch in Portugal erfolgreich. In diesem Jahr hätte er acht Wachteln in speziellen Käfigen nach Valencia geschickt. Stolz ist der Fürstenauer, dass es ihm vor drei Jahren gelungen ist, Schwarze Wachteln nachzuzüchten. Auch die seltenen Strauß- und Feldwachteln züchtet er. Wenn sich Organisationen wie der BUND beteiligen würden, könnte sich Senger auch vorstellten, Feldwachteln auszuwildern. Ihr natürlicher Lebensraum sind Getreidefelder, Wiesen und Brachflächen. Sie sind die einzigen Zugvögel unter den Hühnerarten und verbringen die kalte Jahreszeit in ihren Winterquartieren in Nordafrika. „Als Brutvogel kommt die Wachtel in Nordrhein-Westfalen in allen Naturräumen vor, allerdings mit großen Verbreitungslücken. Lebensraum ist die offene Agrarlandschaft, meist Getreidefelder. Weit verbreitet ist die Wachtel vor allem in den Bördelandschaften in Westfalen und im Landesteil Nordrhein. Der Bestand variiert von 400 bis 2000 Revieren. Genauer lässt sich der Bestand nicht eingrenzen, weil er von Jahr zu Jahr stark fluktuiert“, hat der Naturschutzbund NABU zusammengefasst.

Bei Hobbyzüchtern wie Dieter Senger werden die Wachteleier nach dem Legen 17 Tage bei 37,8 Grad in drei Automaten ausgebrütet. Im Gegensatz zu Wellensittichen, die von ihren Eltern aufgezogen werden, sind Wachteln nach der Geburt selbstständig.

Versorgt werden Sengers Tiere übrigens mit einem speziellen Blütenpollenfutter, das die Technische Hochschule in Lemgo in einem eigens entwickelten Verfahren hergestellt hat.

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