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Uwe Scharrer leitet seit November die Sekundarschule in Höxter und stellt in Zeiten des Distanzunterrichts das „Wir-Gefühl“ heraus

„Der Neue“ agiert im Krisenmodus

Höxter (WB)

Start im Lockdown: Uwe Scharrer ist seit Anfang November neuer Schulleiter der Sekundarschule in Höxter. „Ich bin mit Daniel Hartmann und Michael Stickeln vereidigt worden. Uns vereint zudem, dass wir ungewollt Krisenmanager sind“, sieht „der Neue“ Gemeinsamkeiten zum neuen Bürgermeister von Höxter und dem neuen Landrat des Kreises.

Jürgen Drüke

Für Uwe Scharrer beginnt der Tag sehr früh und endet spät. Die Organisation, der Distanzunterricht und nun die Erstellung der Infozeugnisse gestalten in Zeiten der Pandemie den Tagesablauf. Der Schulleiter lobt die hohe Einsatzbereitschaft aller. Foto: Jürgen Drüke

„In Zeiten der Corona-Pandemie sind ­alle Menschen als Krisenmanager gefordert. Es gibt so viele Helden. Wir schaffen es nur gemeinsam“, setzt der gebürtige Hannoveraner auf das „Wir-Gefühl“. Die Begriffe „Vertrauen“ und „Gemeinschaft“ sind Schlagwörter seiner Botschaft. „Die Schulen sind vom Lockdown besonders betroffen. Zum Distanzunterricht gibt es angesichts der Zahlen und der Ansteckungsgefahr keine Alternative“, ist Scharrer trotz allem davon überzeugt, dass die jungen Menschen auf Sicht gesehen keine Bildungsdefizite davontragen werden.

Der verschärfte Lockdown ist bis 14. Februar verlängert worden. Scharrer wird die mehr als 520 Schülerinnen und Schüler sowie die meisten Lehrer der Schule „Am Bielenberg“ bis zum 15. Februar nicht zu Gesicht bekommen. Das Konzept des Lernens mit der Schulplattform IServ sei gut. Die Umsetzung werde durch technische Probleme erschwert. „Hier am Schulcampus, betroffen sind das Gymnasium, die Realschule und eben die Sekundarschule, wird der Breitbandausbau nach den Osterferien abgeschlossen sein“, jammert Scharrer nicht und blickt nach vorne. Die Videokonferenzen seien für den Distanzunterricht wichtig. „Schüler benötigen Erklärungen“, so der evangelische Diplom-Theologe.

Der Distanzunterricht im zweiten Lockdown verlangt Lehrern, Schülern und Eltern alles ab. Foto: Jürgen Drüke

Scharrer und sein Kollegium haben gerade die Halbjahres-Zeugniskonferenz auf Distanz durchgeführt. „Die Zeugnisse werden wir als Infozeugnisse ohne Unterschrift als pdf-Datei zustellen. Das ist eine große Herausforderung. Originalzeugnisse gibt es mit Beginn des Präsenzunterrichts“, sagt der Pädagoge, der zuletzt in Hannoversch Münden tätig war.

„Die Umstellung vom hessischen Schuldienst auf den nordrhein-westfälischen hat mich gereizt, wenngleich ich sie mir unter solch erschwerten Bedingungen sicherlich nicht gewünscht habe“, sagt der Mann, der in Hessen unter anderem in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet hat. „Wir haben hier junge Lehrer. Es macht Spaß in und mit diesem innovativen Team zu arbeiten“, lobt der 56-Jährige.

„Ich bin der Neue.“ So stellte sich Scharrer in einem kurzen Video auf der Homepage der Schule vor. In einem Elternbrief greift „der Neue“ das Motto der Schule „Gemeinsam besser lernen“ auf: „Gemeinsames und besseres Lernen ist für mich ein zentrales Versprechen unserer Schule.“ Höxter könne sich glücklich schätzen, mit dem Gymnasium, der Realschule, dem Berufskolleg und eben der Sekundarschule vier weiterführende Schulen zu haben.

„Die Schulen ergänzen sich und arbeiten zusammen. Die ­Sekundarschule bereitet auf das Berufsleben und das Abi vor.“ Eigentlich habe er sich auf den Marktplatz in Höxter stellen und für seine Schule werben wollen. „Die Zeiten erlauben es leider nicht“, bedauert Uwe Scharrer.

Der neue Schulleiter war Gymnasiallehrer für Chemie und evangelische Religion und ist Diplom-Theologe. „Ich habe einen inneren Kompass für Werte entwickelt. Eben für das, was im Leben zählt“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Scharrer liest gerne, backt Brot, fotografiert und liebt Hunde. An die Sekundarschule sei er mit einer gehörigen Portion Demut gekommen. „Eine Schulform im 21. Jahrhundert benötigt gute Konzepte und noch bessere Arbeiterinnen und Arbeiter, um die Zukunft zu gestalten. Die Schulgemeinde ist nur gemeinsam stark“, klingt der Theologe durch. Der wichtigste Erfolgsfaktor für das Lernen seien die Menschen. Bildungsgerechtigkeit sei eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Konsens. Die Schule müsse als Institution funktionieren und organisieren.

„Der digitale Unterricht wird über die Pandemie ­hinaus ein wichtiges Instrument sein. Zum Präsenzunterricht gibt es trotzdem keine Alternative“, setzt der Schulleiter darauf, dass am 15. Februar wieder der Unterricht in den Schulen startet.

„Der Inzidenzwert muss heruntergehen.“ Es seien die Vorfreude und der Einsatz aller, die das Licht am Ende des Tunnels sichtbar machen würden.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

In schwierigen Zeiten ist der Einsatz für uns alle unermesslich groß. Viele Menschen leisten jetzt Schrittmacherdienste und scheuen selbst die steinigsten Wege nicht. Größte Herausforderungen werden angenommen. In allen Berufen, in der Pflege, in den Kirchen und nicht zuletzt in der Schule.

Lehrer überschreiten Grenzen für die Kinder und Jugendlichen. Was nun in Zeiten des verlängerten Lockdowns in den Schulen geleistet wird, das ist enorm und verdient höchsten Respekt. Digitale Probleme und regelmäßige Ausfälle von Schulplattformen werden dabei fast nebenher bewältigt.

Uwe Scharrer, der in der Hochphase der Pandemie seinen Dienst als Schulleiter in Höxter angetreten hat, steht stellvertretend für die Pädagoginnen und Pädagogen in den heimischen Schulen. Organisation, Distanzunterricht, Info-Zeugnisausgaben oder die Kontaktpflege. Lehrer verdienen sich Bestnoten und werden für ihre Schüler ein Leben lang Vorbilder bleiben.

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