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Die Stadtbücherei Höxter ist trotz Schließung im Lockdown ein Anlaufpunkt – der Zehnminutentakt kommt an

Die Bücher gibt es jetzt in Tüten

Höxter

Die junge Frau klopft höflich an die Eingangstür im ersten Stock und öffnet die Tür. „Guten Tag. Ich möchte meine bestellten Bücher abholen“, sagt sie. „Greifen sie zu. Die Bücher befinden sich in der Plastiktüte auf dem Tisch“, antwortet Nina Sander freundlich. Die Mitarbeiterin der Stadtbücherei hat an diesem Dienstagnachmittag reichlich zu tun. Bücher werden in Höxter im Zehn-Minuten-Takt abgeholt, obwohl die Bücherei geschlossen ist.

Jürgen Drüke

Nina Sander (links) und Claudia Büker fühlen sich in der renovierten Kinder-Bibliothek wohl. Der Run auf die Kinderbücher sei in Zeiten der Pandemie groß. „Eltern und Großeltern lesen verstärkt mit ihren Kindern und Enkeln“, hat Nina Sander ausgemacht. Foto: Jürgen Drüke

Die Frau an der Tür wiederum freut sich über die bereitgestellte Literatur. Der kontaktlose Bücherübergabe im Gebäude der Volkshochschule werde in Zeiten des Lockdowns ­dankend angenommen. „Die Menschen melden sich telefonisch oder online an. Wir disponieren die Ausgabe der Bücher im zeitlichen Abstand von zehn Minuten“, beschreibt Fachangestellte Claudia Büker, die seit mehr als 20 Jahren in der Stadtbücherei in Höxter arbeitet, die veränderten Regeln und den aufgrund der Corona-Pandemie entworfenen Abholmodus. Die Corona-Schutzverordnung stehe dabei über allem.

Claudia Büker und Nina Sander sind an diesem Nachmittag auf Abstand im Dienst. „Junge und ältere Menschen holen Bücher ab. Manchmal wollen sie auch über das gerade gelesene Buch, das sie in unsere Rückgabebox vor der Eingangstür werfen, reden“, berichtet die 37-jährige Christiane Bode, die die Stadtbücherei leitet und sich an diesem Tag im Homeoffice befindet. „Wir sind ein gutes Team und freuen uns, dass Bücher, CDs und DVDs so hoch im Kurs stehen“, stellt Bode heraus.

Claudia Büker präsentiert die Rückgabebox. Foto: Jürgen Drüke

Dabei ist die Stadtbücherei im verschärften Lockdown bis mindestens 14. Februar geschlossen. „Wir haben irgendwie trotzdem geöffnet“, stellt die Bad Driburgerin Bode das Höxteraner System ­heraus und freut sich darüber, dass nun auch die Stadtbücherei Steinheim ein ähnliches Angebot macht. In Höxter sind neben Christiane Bode, Nina Sander und Claudia Büker zudem noch Elke Malitz und Nicole Raabe tätig. „Wir wünschen uns alle den Tag herbei, an dem hier wieder der ganz normale Betrieb läuft“, spricht Büker von einer „großen Sehnsucht“. „Das Stöbern und Blättern und eben das ganz normale Gespräch seien nun einmal das A und O.

Die „Onleihe“ werde in diesem harten Zeiten ebenfalls gut angenommen. „Wenn Abstände und Kontaktbeschränkungen eingehalten werden müssen, ist der digitale Weg sehr sinnvoll“, so Nina Sander.

Nina Sander hat die Bücher in Tüten verpackt. Foto: Jürgen Drüke

Erst im November 2020 ist die Neugestaltung der Kinderbibliothek abgeschlossen worden. „Das sollte eigentlich im Frühjahr 2020 der Fall sein. Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erinnert sich die Leiterin. Niedrigere Regale, mehr Sitzgelegenheiten, fröhliche Farben – das zeichnet den Bereich für die Kids aus. Geplante Veranstaltungen und Projekte mit den Kindern und auch den Erwachsenen seien aufgrund der Pandemie nicht möglich. Trotzdem hat es in den vergangenen Wochen weitere Neuanmeldungen gegeben. Wenngleich die Zahlen 2020 gegenüber 2019 zwangsläufig rückläufig sind. So waren es in normalen Zeiten 2019 noch 23.845 Besuche. 2020 sind es 13.647 gewesen – die beiden Lockdowns zeigen Wirkung.

Christiane Bode von der Stadtbücherei Höxter. Foto: Stadt Höxter

Christiane Bode hat sich aktuell in den Thriller „Golden Cage. Die Rache einer Frau ist schön und brutal“ von Camilla Läckberg vertieft. Es sei eine gute Ablenkung in schwierigen Zeiten.

Die Stadtbücherei in Höxter bleibt mindestens bis zum 14. Februar geschlossen. So steht es an der Eingangstür. Die Leihfristen der Medien würden automatisch verlängert. „Wir sind online und telefonisch zu erreichen. Und bald kann hier auch wieder gestöbert werden“, sehnen sich nicht nur Christiane Bode und ihr Team danach.

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