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25 Jahre: Mindeststrafe für Polizistenmörder aus Bredenborn abgelaufen – Haftprüfung

Dietmar J. bleibt im Gefängnis

Höxter/Bredenborn (WB). Die lebenslange Freiheitsstrafe mit Sicherungsverwahrung für den zweifachen Polizistenmörder Dietmar J. läuft in diesem Jahr ab. Laut Gesetz musste jetzt überprüft werden, ob die Strafe für den Verbrecher möglicherweise auf Bewährung ausgesetzt und J. auf freien Fuß gesetzt wird.

Michael Robrecht

Oktober 1991: In diesem Haus in Bredenborn hat ein Polizei-Sondereinsatzkommando die drei Brüder festgenommen. Foto: dpa

Der bloße Gedanke, dass Dietmar J. aus Bredenborn (heute 55), der mit Hilfe seiner beiden jüngeren Brüder am 12. Oktober 1991 auf einem Solling-Waldparkplatz bei Boffzen die Polizeibeamten Andreas Wilkending aus Holzminden (damals 34 Jahre) und Jörg Lorkowski (damals 30) aus Lüchtringen erschossen und die Leichen auf dem Truppenübungsplatz Senne vergraben hatte, freikommt, lässt vielen Menschen erschauern. Der Mord galt als einer spektakulärsten Anschläge auf Polizisten, hatte eine der größten Fahndungsaktionen und Schlagzeilen zur Folge.

»Keine vorzeitige Freilassung«

Christina Pannek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim, berichtet auf Anfrage, dass von der Strafvollstreckungskammer Göttingen entschieden worden sei, dass es keine vorzeitige Freilassung des berüchtigten Täters geben werde. Die Staatsanwaltschaft gab folgende Erklärung ab: »Anfang Januar hat die Strafvollstreckungskammer Göttingen das Vorliegen der Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung geprüft. Das Gericht hat durch Beschluss eine vorzeitige Entlassung abgelehnt, weil die Voraussetzungen nicht vorliegen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.«

Weiter erklärte die Staatsanwaltschaft zu der regulär vorzunehmenden Prüfung nach Strafgesetzbuch: »Die Frage der Sicherungsverwahrung stellt sich erst für den Fall, dass das Gericht zu der Entscheidung kommen sollte, dass die lebenslange Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Es käme zu einer Entlassung des Verurteilten, wenn das Gericht die Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung als gegeben ansehen würde und die Voraussetzungen für die Abordnung des Vollzugs der Sicherungsverwahrung nicht vorliegen. Bei der Prüfung einer vorzeitigen Entlassung wird auch das Verhalten im Vollzug berücksichtigt.« Bei schlechter Prognose kann J. noch viele Jahre in seiner Zelle – erst in Celle und jetzt wohl in Rosdorf bei Göttingen verbringen. Jetzt ist ein kriminalprognostisches Gutachten über den Straftäter erstellt worden. Das diene der Strafvollstreckungskammer Göttingen, die nun zuständig ist, als Entscheidungsgrundlage.

»Todesliste« und »Polizistenhass«

Während die Brüder von Dietmar J. (Meldung vom Waldparkplatz: »Äh, gut’n Tach, Meier mein Name«) auf freiem Fuß sind, gelten für den älteren strenge Kriterien. Viele Menschen im Weserbergland haben die brutale Tat nicht vergessen. Es war auch von einer mysteriösen »Todesliste« mit Namen aus Justizbehörden und anderen Personen, die das Leben von J. kreuzten, und von »Polizistenhass« zu hören.

Todesschütze Dietmar J. legte in einem langen Prozess (Urteil Februar 1995) ein Geständnis ab. Er erhielt eine lebenslange Haftstrafe (besondere Schwere der Schuld), sein Bruder M. wegen Beihilfe zehn Jahre. Der jüngste Bruder wurde vom Vorwurf der Beihilfe zum Doppelmord freigesprochen, aber wegen anderer Delikte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. An der Straße von Boffzen nach Neuhaus erinnert ein Gedenkstein an die Morde.

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