1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Hoexter
  6. >
  7. Ein Künstler mit trockenem Humor

  8. >

Neue Ausstellung in Höxter rückt den Menschen Jacob Pins in den Mittelpunkt

Ein Künstler mit trockenem Humor

Höxter  (WB). »Jacob Pins: Künstler – Sammler – Freund« heißt eine neue Ausstellung, die Ende Mai im Pins-Forum eröffnet wird. Sie stellt nicht nur den Künstler, sondern den auch den Menschen Jacob Pins  in den Mittelpunkt. Er hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Marius Thöne

Licht und Schatten der Freiheit – Pins großflächige Werke beeindrucken. Fritz Ostkämper (Vorsitzender der Jacob-Pins-Gesellschaft) hat das Forum mitgestaltet. Foto: Harald Iding

»Wir biegen bei den Vorbereitungen zur Ausstellung langsam auf die Zielgerade ein«, sagt Fritz Ostkämper, Vorsitzender der Jacob-Pins-Gesellschaft. Er beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Leben und Werk des jüdischen Malers und Grafikers. In der Ausstellung sind 150 Fotos zu sehen, von denen die Mehrzahl erstmals öffentlich gezeigt wird. Sie sind auf  25 Banner gedruckt, die aus dem Leben des in Höxter geborenen und vor zwölf Jahren in Jerusalem gestorbenen Künstlers berichten. »Weiterhin werden Skizzenbücher gezeigt und Speisekarten, die er  immer dann besonders kunstvoll gestaltete, wenn er Gäste eingeladen hatte«, berichtet Fritz Ostkämper.

Frühe Schaffensperiode

Besonders freut er sich, dass auch ein Aquarell aus der frühen Schaffensperiode zu sehen sein wird. Es zeigt eine Mühle in Stadtlohn und ist 1934 entstanden. In diesem Sommer hatte Pins eine Radtour ins Münsterland unternommen und Onkel und Tante besucht. Nach Ostkämpers Recherchen sind auf der Reise noch mehr Bilder entstanden, erhalten blieb jedoch nur dieses eine Aquarell, das in Höxter als Druck gezeigt wird. »Das Original befindet sich bei einer Cousine von  Pins in Jerusalem«, berichtet Ostkämper.

Jacob Pins musste 1936 aus dem  nationalsozialistischen Deutschland nach Palästina fliehen. Dort arbeitete er zunächst in einem Kibbuz und machte später Karriere als Künstler. Obwohl seine Eltern 1944 von den Nazis ermordet wurden, kehrte er im August 1959 zu einem ersten kurzen Besuch nach Höxter zurück. Später gab es mehrere Ausstellungen seiner Werke in der Stadt.

»Im Herzen hat er sich als Westfale gefühlt«

1988 kam er zu einer großen Ausstellung über »Juden in Höxter« in die Marienkirche. »Ich habe ihn damals aus Hamm abgeholt, wo er eine Ausstellung hatte«, erinnert sich Bärbel Werzmirzowsky, Geschäftsführerin der Pins-Gesellschaft. »Ich war unsicher, weil ich nicht genau wusste, wie man mit jemandem reden soll, der aus seiner Heimatstadt vertrieben wurde«, blickt sie zurück. Pins sei aber »ganz entspannt und sehr herzlich gewesen«. In Erinnerung ist Werzmirzowsky auch sein trockener Humor geblieben. »Im Herzen hat er sich als Westfale gefühlt«, sagt sie. Er habe bis zum Ende gerne westfälische Gerichte wie Grünkohl gegessen.

Startseite