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Boffzen sucht Lagerraum für Exponate – Freundeskreis plant Glasstelen-Weg

Fahnen am Glasmuseum eingeholt

Boffzen (WB/thö). Nach 30 Jahren hat das Glasmuseum in Boffzen für immer seine Türen geschlossen. Die Fahnen vor dem Gebäude wurden jetzt eingeholt. In der ehemaligen Fabrikantenvilla sollen Wohnungen entstehen.

Ein Kapitel Boffzener Glasgeschichte geht nach 30 Jahren zu Ende: Manfred Bues, Bodo Exner und Vize-Gemeindedirektor Tino Wenkel holen die Fahne vor dem Glasmuseum an der Fabrikantenvilla Becker ein. In dem Haus sollen Wohnungen entstehen. Foto:

Derzeit befinden sich noch etwa 500 Ausstellungsstücke im Glasmuseum. »Wir müssen jetzt klären, wem was gehört«, sagte Manfred Bues, der sich zuletzt um die Ausstellung gekümmert hat. Mit Hilfe des Inventarbuches werde festgestellt, welches Stücke eine Leihgabe, eine Schenkkung oder Eigentum der Gemeinde sind. Vorgesehen ist, dass die Eigentümer ihre Leihgaben zurückbekommen. Alle anderen Exponate sollen eingelagert werden. Derzeit ist die Gemeinde noch auf der Suche nach einem passenden Lagerraum.

Trauriges Ende

»Das Ende des Glasmuseums stimmt uns traurig«, sagte Boffzens Bürgermeister Christian Perl nach dem letzten Öffnungstag am vergangenen Sonntag. Aufgrund der finanziellen Situation der Gemeinde sei ein Weiterbetrieb aber nicht möglich gewesen. Boffzen befinde sich in der Haushaltssicherung und habe sich für die Schließung des Museums als letzte freiwillige Leistung entschieden, um 20.000 Euro Betriebskosten pro Jahr zu sparen.

Die Gemeinde hatte den Betrieb vor zwei Jahren übernommen. In dieser Saison kamen 1000 Besucher. Zu den Höhepunkten im Rahmenprogramm zählte eine Bodyart-Ausstellung von Jörg Düsterwald. Bis 2017 hatte sich der Freundeskreis Glasmuseum um den früheren Holzmindener Landrat Walter Waske um das Kleinod im Weserbergland gekümmert.

Internetseite und Glasstelen-Rundweg

Dieser Freundeskreis will trotz der Schließung des Museums an die lange Glasgeschichte Boffzens erinnern. Geplant ist eine Internetseite als auch ein Glasstelen-Rundweg. »Die Glasstellen markieren und erläutern die realen Orte, die Website wird deutlich erweiterte Informationen geben und mit Bildern sowie digitalisierten Archivalien zu vertiefenden Entdeckungsreisen einladen. Dazu gilt es, zahlreiche Quellen – unter anderem die reichen Bestände des Freundeskreises – aufzubereiten, und sie so einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Arbeit und Leben der Arbeiter, Angestellten und Unternehmer, die wirtschaftliche Lage der Hütten, die zahlreichen Glasprodukte – all dies wird anschaulich und nachvollziehbar werden«, heißt es in einer Beschreibung des Projektes.

Die neun Stelen erlauben auf dem Rundgang einen vertieften Einblick in die vielschichtige Geschichte der Glasproduktion in Boffzen: Der Einstieg erfolgt am Weserradweg, um nicht zuletzt Besuchern die Bedeutung der Glasindustrie für Boffzen näher vorzustellen. Drei Glasstelen befassen sich mit den Unternehmervillen, die allesamt um die Jahrhundertwende erbaut wurden. Drei weitere Glasstelen beschäftigen sich mit der Unternehmensgeschichte der Glashütten Noelle und von Campe sowie der Georgshütte, reflektieren zudem die Produktentwicklungen, berichten aber auch über die Berufsbilder der Beschäftigten. Betriebliche Sozialeinrichtungen (Arbeiterhäuser), der betriebliche Konsum und das Invalidenhaus werden unter anderem Themen von zwei weiteren Glasstelen sein. Der Glasstelen-Rundweg soll am Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020 der Öffentlichkeit übergeben werden.

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