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Aktion „Teilhabe im Ramadan“ erstmals auch beim Höxter-Tisch in der Albaxer Straße vorgestellt – Strenge Fastenregeln

Fastenessen für bedürftige Muslime

Höxter

Ein letzter Bissen, ein allerletzter Schluck vorm Morgengrauen – und dann den ganzen Tag nichts mehr: Das ist für vier Wochen Alltag für gläubige Muslime. Im Fastenmonat Ramadan in diesen Tagen darf tagsüber nichts gegessen und getrunken werden. Nachts aber dafür umso mehr. Im Rahmen der Aktion „Teilhabe im Ramadan“ versorgt der Höxter-Tisch in der Albaxer Straße bedürftige Muslime mit Essen und Getränken. Der Verein Wi-Kult (Verein für Wissen und Kultur in Paderborn) hilft in Höxter erstmals bei der Verteilung von 50 gespendeten Essensboxen mit orientalischen Spezialitäten.

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Foto: Höxter Tisch

„Es handelt sich um eine Bulgur-Mischung, ein Reisgericht aus muslimischen Ländern“, berichtet Fatih Ates. Das Essen sei ohne Fleisch zubereitet und abgestimmt auf die verschiedenen Menschen, die nach den Regeln fasten. Der Höxter-Tisch habe sich überlegt, die Fastenbrechen-Aktion im Ramadan zu unterstützen, um das interreligiöse Anliegen mit Leben zu erfüllen, sagt Sylke Schlüter-Pottmeier vom Höxter-Tisch.

Wie kam es zu dem Kontakt der Paderborner nach Höxter? „Ein Geflüchteter, der bei uns Kunde ist, hatte uns vor einigen Wochen gefragt, ob der Verein Wi-Kult anlässlich des Ramadan Essen zu uns bringen darf, das wir an unsere Kunden verteilen. Wi-Kult ist ein Verein, der sich für den interreligiösen und kulturellen Dialog einsetzt. Der Verein hat die drei Standorte Paderborn, Brakel und Soest“, sagt Schlüter-Pottmeier.

Fatih Ates kommt aus Brakel. Dort wurden 50 Essen von 30 Mitgliedern des Vereins für Höxter gekocht und verpackt. Die ganze Aktion hat gut fünf Stunden in Anspruch genommen. Das Essen bestand aus der Bulgur-Mischung sowie aus Brot und einer Süßspeise. Zu der Arbeitszeit kommt noch die Vorplanung und die Auslieferung am Dienstag. „Fatih Ates erklärte, dass gewöhnlich das Gericht für die traditionellen Fastenbrechenabende während des aktuellen Ramadans mit viel Aufwand zubereitet würde. Die kulturellen und interreligiösen Veranstaltungen werden sonst für bis zu 300 Personen geplant“, schilderte Sylke Schlüter-Pottmeier. Aufgrund der momentanen Corona-Lockdown-Situation sei dies in der alten Form nicht möglich. Daher habe sich der Verein überlegt, wenigstens Bedürftige zu unterstützen. Die Gerichte sind dann am Dienstag entgegen genommen und kostenlos unter den üblichen strengen Corona-Schutzauflagen auch im Höxter-Tisch-Gebäude verteilt worden.

Fatih Ates erklärte mit Blick auf den Zuspruch für das Projekt, dass der Verein bei einer zweiten Aktion sogar 150 Essen zur Verfügung stellen könne. Ates berichtete, dass die Aktion schon bei einigen Tafeln gelaufen sei – so in Paderborn und in Brakel.

 Was ist der Ramadan?

Der Ramadan (arabisch „heißer Monat“) ist der Fastenmonat der Muslime und neunter Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt. Das große Fest des Fastenbrechens im unmittelbaren Anschluss an den Fastenmonat zu Beginn des Folgemonats Schawwāl ist nach dem Opferfest der zweithöchste islamische Feiertag. In einer Reihe islamischer Staaten ist das Nichteinhalten der Fastenpflicht von staatlicher Seite streng verboten. In Saudi-Arabien werden sogar Nichtmuslime bestraft, die im Ramadan während des Tages in der Öffentlichkeit essen, trinken oder rauchen. Andere islamische Länder handhaben das liberaler. In Deutschland richten sich Hunderttausende Muslime nach den Ramadan-Regeln. In dieser Zeit, seit dem 13. April, essen und trinken sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts – und das 29 Tage lang. Gearbeitet wird von vielen trotzdem. Das Fasten hat den Charakter einer Bußübung. Die Seele soll geläutert, die Beziehung zu Gott und den Menschen gefestigt werden.

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