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Nach einem Jahrzehnt: Elina Wittrock verabschiedet sich von ihren Kunden

Fleischerei in neuen Händen

Höxter (WB). Nach zehn Jahren endet in Brenkhausen eine Ära: Die Höxteraner Fleischermeisterin Elina Wittrock verabschiedet sich am letzten Tag des alten Jahres von ihren Kunden. Doch diese müssen sich keine Sorgen machen: Der Geschäftsfrau ist es gelungen, mit Oliver Loges einen Nachfolger zu finden, der den Betrieb in Brenkhausen fortführen wird.

Fleischermeisterin Elina Wittrock verabschiedet sich nach zehn Jahren von ihren Kunden. Zum 1. Januar übergibt sie ihre Fleischerei samt Produktion an Oliver Loges, der künftig in Brenkhausen produzieren wird. Foto:

„Die Entscheidung ist mir mit Blick auf die vielen tollen Kundenbeziehungen und meine zuverlässige Belegschaft nicht leicht gefallen. Mir ist zudem wichtig, dass es auch weiterhin eine Fleischerei in Brenkhausen gibt. Aber für mich bietet sich jetzt die Chance, beruflich noch einmal neu durchzustarten“, erklärt die 36-Jährige ihren Entschluss.

Mit 21 Jahren jüngste Fleischermeisterin in NRW

Elina Wittrock war mit 21 Jahren die damals jüngste Fleischermeisterin in NRW, als sie im Jahr 2004 im Handwerksbildungszentrum in Münster ihren Meisterbrief entgegennahm. Zuvor hatte sie in der Brenkhäuser Fleischerei Karl Mönkemeyer die Ausbildung zur Fleischerin absolviert. Von Beginn an habe sie mit großer Leidenschaft ihr Handwerk in einer Männerdomäne ausgeübt, zeigte sich damals ihr Ausbilder Karl Mönkemeyer stolz auf seine erfolgreiche Auszubildende. Sie heimste Auszeichnungen auf Kammer- und Landesebene ein.

Nach der bestandenen Meisterprüfung übernahm sie zunächst die Hausschlachterei ihres Vaters in Fürstenau und baute ihren eigenen Laden auf. Der Partyservice wurde zu einem wichtigen Standbein. Als fünf Jahre später in ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb Mönkemeyer in Brenkhausen die Nachfolgefrage anstand, nutzte sie die Gelegenheit und übernahm den Betrieb samt Ladenlokal und Fleischproduktion. Noch ganz genau kann sie sich an den Tag der Eröffnung im Jahr 2010 erinnern: „Der Laden war immer brechend voll. Das war gefühlt erst gestern. Die zehn Jahre sind im Flug vergangen, wir hatten immer sehr gut zu tun“, zieht Elina Wittrock Bilanz. Nach der Übernahme passte sie die Produktion den heutigen Anforderungen an und damit auch den veränderten Kundenwünschen. Weil der klassische Sonntagsbraten seltener geworden ist, steckte sie viel Engagement in die Veredelung küchenfertiger Produkte für die „junge, dynamische Hausfrau“. Die Zufriedenheit der Kunden sei stets eine Teamleistung ihrer gesamten Belegschaft gewesen, betont die Handwerksmeisterin.

Elina Wittrock

Als Repräsentantin ihrer Zunft vertritt Elina Wittrock die Überzeugung, dass das Fleischerhandwerk gerade wegen der Konkurrenz durch die Discounter eine Zukunft habe. „Man muss sich mit Qualität und Frische von der Masse absetzen“, lautet ihr Credo.

Ihr Nachfolger Oliver Loges ist den Menschen in der Region seit vielen Jahren unter dem Markennamen „Bauer Loges“ bekannt. In Stahle verkauften seine Eltern zunächst „Wurst ab Hof“. Vor fünf Jahren übernahm er in Marienmünster die Fleischerei, die bis dahin die Wurst für ihn produziert hatte. „Wir haben aber nach einem

Produktionsstandort gesucht, der näher an Höxter liegt. Wir nutzen nun die Möglichkeit, in Brenkhausen einen etablierten und sehr gut funktionierenden Betrieb zu übernehmen“, erläutert der 36-Jährige, der in den vergangenen Jahren stark expandiert hat.

Neueröffnung für den 16. Januar geplant

Neben Ackerbau und Schweinehaltung führt Oliver Loges in Holzminden den genossenschaftlichen Schlachthof als Geschäftsführer und hat in diesem Jahr den benachbarten Großhandel- und Zerlegebetrieb Eilers übernommen. „Mit unseren Wurstdosen beliefern wir Supermärkte wie Marktkauf, Edeka, Metro, Combi und Kaufland in einem Umkreis von 100 Kilometern“, berichtet er. Außerdem betreibt er eine Fleischerei-Filiale in Holzminden, in der er Frischfleisch und Wurstprodukte anbietet. Aktuell beschäftigt Oliver Loges fast 50 Mitarbeiter. Die Belegschaft in Brenkhausen möchte er übernehmen.

Bevor er am Donnerstag, 16. Januar, neu eröffnet, sind Umbauten geplant. „Wegen der Produktionsverlagerung von Marienmünster nach Brenkhausen benötigen wir eine EU-Zulassung“, erläutert er den Hintergrund. „Das, was der Kunde kennt, soll in Brenkhausen weiter geführt werden. Es wird aber auch Anpassungen an unser Sortiment geben“, kündigt der Unternehmer an. Er freut sich darauf, den Kunden künftig alles aus einer Hand anbieten zu können: vom Schwein bis zum Frischfleisch-Produkt. Dabei setzt er auf volle Transparenz: Stallführungen seien ebenso möglich, wie auf dem Schlachthof. „Familie Loges freut sich, wenn die Kunden zur Wiedereröffnung kommen – es ist eine von wenigen übrig gebliebenen Metzgereien im Kreis Höxter“, betont er.

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