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Horst Kreuzer (93) aus Höxter unterhält Nachbarschaft in Corona-Wochen mit Balkonkonzerten – mit Video

Flotte „Quaran-Töne“ mit dem Akkordeon

Höxter (WB). Musik überwindet Grenzen. Horst Kreuzer erfreut die Anwohner an der Grünen Mühle mit seinem Akkordeon – und das seit Beginn der Corona-Pandemie im März. „Die einen singen, die anderen sind im Internet, und ich spiele bekannte Lieder auf meinem Balkon“, berichtet der rüstige 93-Jährige.

Michael Robrecht

„Wo die Weser einen großen Bogen macht, da ist meine Heimat, da bin ich zuhaus”: Wenn Horst Kreuzer auf seinem Akkordeon dieses beliebte Heimatlied spielt, erfreut er viele Menschen bei seinen Balkonkonzerten an der Grünen Mühle. Foto: Michael Robrecht

Viele Höxteraner kennen den rührigen Ehrenobermeister der Karosserie- und Fahrzeugbauinnung. Seit Jahren ist er mit seinem Instrument gern gesehener Gast bei den Seniorentreffen der Aktion Silberfisch sowie im Beckhaus-Seniorenheim und im St.-Nikolai-Seniorenhaus. Und da er seit acht Wochen nicht mehr auf „Tournee“ durch die Einrichtungen gehen kann, spielt er live auf dem Balkon.

Anfangs haben sich die Soldaten der nahen General-Weber-Kaserne, die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft gegenüber und die Nachbarn unterhalb der Weserberglandklinik gewundert woher die Schifferklavier-Klänge stammten. Absoluter Hit Nr.1 ist das beliebte Weserlied „Wo die Weser einen großen Bogen macht“, das Horst Kreuzer als Mitglied von Höxters Schützengilde besonders leidenschaftlich spielt.

Die „Quaran-Töne“ in der Corona-Krise haben schon so manchen Zuhörer erfreut. Und um mehr geht es dem Senior auch gar nicht. Er wolle von seinem Balkon aus den Menschen Mut in verwirrender Zeit machen. Beim Besuch des WESTFALEN-BLATTES zeigt Kreuzer auf einen Stapel mit Liederheftchen.

Stücke zum Spielen auf meinem Akkordeon habe er genug, sagt er: “Im Frühtau zu Berge”, “Freut euch des Lebens” oder Seefahrer-Lieder hat er im Repertoire. Wie andere Fenster-Hobbymusiker oder auch die vielen Kapellen im Kreis Höxter bekommt auch Kreuzer Applaus nach seinen Konzerten. Als bei den ersten Liveauftritten die letzten Klänge verhallten, hat jemand in der Nachbarschaft “Zugabe” gerufen.  “Das war ein Fehler”, wie Horst Kreuzer erklärt, denn wer bei ihm “Zugabe” rufe, der bekomme sie auch.

Horst Kreuzer will weiter gegen Corona ansingen. Das Wetter werde wärmer und man könne länger draußen sitzen. Irgendwie sorge Musik für Zusammenhalt bei Menschen in engen Wohnungen, in Quarantäne oder bei Erkrankten, weiß er, dass seine Stücke ankommen. Besonders wohltuend empfanden die Nachbarn den musikzierenden Höxteraner in jenen Tagen, wo alle zuhause festsaßen. Darüber freut sich Horst Kreuzer.

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