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Anja-Niedringhaus-Forum Höxter: Freitag Projekt wird erstmals öffentlich präsentiert

Foto-Meisterwerke ins Tilly-Haus

Höxter (WB/rob). Die Idee, ein Anja-Niedringhaus-Forum in Gedenken an die aus Höxter stammende weltbekannte Fotografin zu gründen, ist in der Kreisstadt auf großes Interesse gestoßen. Die Pläne werden am Freitag, 12. Mai, erstmals öffentlich präsentiert.

Das Tilly-Haus, Teil des Heisterman von Ziehlbergschen Adelshofes. Foto: Michael Robrecht

Der Informationsabend beginnt um 19.30 Uhr im Forum Jacob Pins in Höxters Westerbachstraße. Es sind alle willkommen, die sich für das Lebenswerk von Anja Niedringhaus, für Fotografie und Medienschaffen interessieren, die im Forum mitarbeiten oder das Projekt grundsätzlich unterstützen wollen. Ziele und Anliegen sollen erläutert, Mitglieder und Fürsprecher für die Vereinsaktivitäten gewonnen werden.

Der im Februar 2017 gegründete Verein »Forum Anja Niedringhaus« hat viele Nachfragen erhalten und möchte jetzt die breitere Öffentlichkeit über das Projekt im Tilly-Haus informieren: »Wir wünschen uns, dass viele Neugierige kommen und sich für das Vorhaben begeistern«, erklärt die Vorsitzende, Christine Longère. Sie wird zu Beginn der Veranstaltung die Vereinsziele und die ersten Umgestaltungsbaupläne für das Tilly-Haus vorstellen.

Das 1610 errichtete Fachwerkhaus an der Westerbachstraße 33 gehört zu den Schmuckstücken von Höxter. Für das leerstehende und dringend restaurierungsbedürftige Tilly-Haus wird seit Jahren eine angemessene Nutzung gesucht. Dieses repräsentative Gebäude des Adelshofs liegt, baulich verbunden, in direkter Nachbarschaft zu dem Gebäude, das seit 2008 das Forum Jacob Pins beherbergt. Die Architektin Cornelia Lange aus Höxter, die das Pins-Forum baulich gestaltete und den Adelshof umbaute, wird über die Geschichte des Tilly-Hauses, den aktuellen Zustand des historischen Gebäudes, die Schritte der Sanierung und die bauliche Planung des Vorhabens informieren.

Über die künstlerische Bedeutung des fotografischen Werks der Ausnahmefotografin Anja Niedringhaus wird die Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation, Anne-Marie Beckmann, sprechen. Die Kuratorin der Art Collection Deutsche Börse, eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Fotografie, wird anhand von ausgewählten Fotografien den besonderen Blick und die einzigartige Bildsprache von Anja Niedringhaus darlegen.

Künstlerische Bedeutung

Anja Niedringhaus (12. Oktober 1965 in Höxter; † 4. April 2014 in Banda Khel/Afghanistan) wuchs mit zwei Schwestern in Höxter auf, machte dort 1986 am KWG ihr Abitur. Sie studierte an der Universität Göttingen Germanistik, Philosophie und Journalismus und schrieb und fotografierte für unterschiedliche Printmedien.

Ihre Fotos vom Fall der Mauer in Berlin verschafften ihr 1990 eine Anstellung bei der European Pressphoto Agency (EPA). Ab 2002 arbeitete sie für die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP), auch als Sportfotografin und Kriegsberichterstatterin in Afghanistan oder an Fronten verschiedener Kriege.

2003/2004 gehörte sie zu den wenigen Kriegsreportern, die »embedded« (innerhalb der US-Armee) bei der für die Amerikaner sehr verlustreichen Schlacht um Falludscha im Irak an vorderster Front anwesend sein durften. Niedringhaus erhielt für Fotoberichterstattung aus dem Irak – als erste deutsche Frau – den Pulitzerpreis 2005. Ausstellungen mit ihren Fotos laufen seit Jahren in Deutschland (»At War«). Auch im Jacob-Pins-Forum wurden die Bilder bereits gezeigt. Eine Dauerausstellung in ihrer Heimatstadt wünschen sich viele Höxteraner.

Tilly-Haus und Adelshof

Adel und Klöster verfügten viele Jahrhunderte über Stadtresidenzen. Besonders in Höxter gibt es sehr viele dieser schlossähnlichen Anwesen innerhalb der Stadtmauern: So auch der Adelshof Heisterman von Ziehlberg in der Westerbachstraße. Er bestand einmal aus vier zum Teil zusammenhängenden Häusern mit Saal: dem von der Abtei Corvey für Militär- und Verwaltungsaufgaben verliehenen Lehnshof Nr. 35 und 37 und dem als bürgerliches Eigentum erworbenen Eigenhof Nr. 31 und 33 zur Westerbachstraße. Zu den zwei Gebäuden des Lehnshofes (Nr. 35 und 37) kommt 1610 Nr. 33 (Tilly-Haus) mit dem 1585 als Anbau errichteten Haus Nr. 31. Eigentümer: die Familie Heisterman von Ziehlberg. Auch die Adelsfamilie von Mansberg (Meinbrexen) kam über Heirat zeitweise in den Besitz des Hofes. 1920 ging das Tilly-Haus an die Stadt Höxter über, die dort bis in die 1990er Jahre Wohnungen vermietete. Das Gasthaus »Fässchen« im Hof wurde erst nach dem 1. Weltkrieg gebaut. 2008 sind die 400 Jahre alten Gebäude 35 und 37 zum Jacob-Pins-Forum und zu Eigentumswohnungen umgebaut worden. Das große Tilly-Haus samt Ladenlokal steht seit mehr als 15 Jahren leer. Der kaiserliche General Tilly hatte im 30-jährigen Krieg im seinerzeit wohl prächtigsten Fachwerkhaus der Stadt längere Zeit Quartier bezogen.

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