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Betroffene erfahren erst von Quarantänemaßnahmen, als diese fast abgelaufen sind – Verantwortliche gesucht

„Gut, dass wir nicht infiziert waren“

Höxter

„Wie ist das möglich? Aus unserer Sicht geht das gar nicht.“ Das Ehepaar Busch aus Bosseborn erhält am Heiligabend einen Brief der Stadt Höxter. In diesem wird eine häusliche Quarantänemaßnahme gegen Hedwig Busch angeordnet. Diese hätte allerdings laut Schreiben bereits am 14. Dezember beginnen müssen. Das Ehepaar Busch ist kein Einzelfall.

Jürgen Drüke

Hermann Busch präsentiert das Schreiben der Stadt Höxter an seine Frau Hedwig. Der Brief ist in Bosseborn eingetroffen, als die Quarantänemaßnahme fast abgelaufen war. Auch telefonisch habe es keine Information gegeben. Foto: Jürgen Drüke

„Letztlich ist alles gut ausgegangen. Meine Frau hat sich Gott sei Dank nicht mit Covid-19 angesteckt. Ich habe auch keine Symptome“, ist Hermann Busch kurz vor dem Jahreswechsel vor allem auch darüber erleichtert, „dass wir das Virus nicht unwissentlich weitergegeben haben“. Die Quarantänemaßnahme für Hedwig Busch ist am 28. Dezember beendet gewesen. „Das Schreiben der Stadt wiederum ist vom 23. Dezember datiert. Wir konnten eine so schlampige Vorgehensweise nicht glauben“, schüttelt Hermann Busch mit dem Kopf und fügt an: „Wer auch immer hier versagt hat, muss bestraft werden.“ Telefonisch sei seine Ehefrau weder von der positiv getesteten Person, die sie womöglich angesteckt haben könnte, noch vom Kreis informiert worden. „Das ist der in der Corona-Schutzverordnung vorgeschriebene Weg“, sagt der 77-jährige Hermann Busch.

Marianne Winkelhahn aus Ovenhausen erhielt ebenfalls einen vom 23. Dezember datierten Brief der Stadt Höxter. Allerdings ist das Schreiben bei ihr erst am Dienstag, 29. Dezember, eingetroffen. „Ihnen gegenüber wird eine Absonderung vom 15. Dezember bis einschließlich 29. Dezember in häuslicher Quarantäne angeordnet.“ So heißt unter anderem in dem sechsseitigem Brief. Die Ovenhäuserin, die an Multipler Sklerose leidet, fragt sich: „Wer hat hier versagt? Ist es ein kollektives Versagen?“ Die Stadt Höxter habe am Ende der Informationskette gestanden. „Winkelhahn beteuert, dass sie weder von der positiv getesteten Person, noch vom Kreis Höxter mündlich informiert worden sei. „Als ich das Schreiben erhalten habe, war mein letzter Tag der Quarantäne.“

Wer hat nicht informiert?

Burkhard Schwannecke. Pressesprecher des Kreises, erklärte am Mittwochnachmittag auf WB-Anfrage den angeordneten Ablauf: „Sobald dem Kreis Höxter ein positives Testergebnis vorliegt, nehmen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mit der Person telefonischen Kontakt auf. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die positiv getestete Person umgehend ihre jeweiligen Kontaktpersonen informieren soll, damit diese sich ebenfalls in Quarantäne begeben können.“ Das sei in der Corona-Schutzverordnung so geregelt. Die positiv getestete Person müsse darüber hinaus ein Formular mit den Kontaktpersonen ausfüllen und dem Kreis zukommen lassen. „Wir nehmen dann umgehend Kontakt mit den Personen auf.“ Ob und wo in den beiden Fällen Fehler gemacht worden seien, konnte der Kreis nicht nachhalten.

100 Bescheide unterschrieben

Stefan Fellmann von der Stadt Höxter bedauerte die beiden Fälle: „Die zwei Wochen vor Weihnachten sind angesichts stark steigender Inzidenzwerte und vieler Corona-Fälle in den Schulen anstrengend für alle gewesen.“ Er selbst habe am 23. Dezember mehr als 100 Bescheide unterschrieben. Zudem seien die Städte auf die sogenannten Containment-Scouts des Kreises angewiesen. „Die Scouts sind für die Rückverfolgung der Kontaktpersonen von Infizierten zuständig und geben die mündliche Anordnung zur Quarantäne“, erklärte der Verwaltungsjurist.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

Das Virus Covid-19 nutzt jede Nachlässigkeit gnadenlos aus und wartet nur auf Fehler. Die Empörung und das Unverständnis beim Ehepaar Busch aus Bosseborn und Marianne Winkelhahn aus Ovenhausen ist deshalb nur allzu verständlich. Gott sei Dank hatten beide Fälle keinen positiven Test zur Folge. Beide Personen, die in Quarantäne gemusst hätten und viel zu spät informiert worden sind, haben großes Glück gehabt. Was wäre eigentlich gewesen, wenn...? Nicht auszudenken, wenn eine Kette von Ansteckungen, schwerwiegenden Krankheitsverläufe und womöglich noch Todesfälle aufgetreten wären.

Die Stadt Höxter ist dabei das letzte Glied in der Kette. Die Schreiben der Städte an Personen, die sich in Quarantäne begeben müssen, besiegeln eine Reihe von Maßnahmen, die vorher laut Verordnung längst erfolgt sein müssen. Die Abläufe sind in der Corona-Schutzverordnung eindeutig geregelt. Die infizierte Person selbst ruft, sofern sie es kann, ihre Kontaktpersonen der vergangenen Tage an und erstellt für den Kreis eine Liste. Der Kreis teilt der Person die Quarantänemaßnahme mit.

Die beiden Fälle in Bosseborn und Ovenhausen alarmieren. Wer hat versagt und ist seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen? Der Kreis Höxter sollte trotz vieler Corona-Infektionen unbedingt eine Nachverfolgung der beiden Fälle vornehmen. Covid-19 verzeiht nur ganz selten Fehler.

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