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Nach dem Wohnhausbrand in Beverungen lobt betroffene Großfamilie Hilfsbereitschaft

„Hauptsache ist, dass wir alle unverletzt geblieben sind“

Beverungen

„Raus, raus, ganz schnell raus hier.“ Holger Voetz steht der Schock zwei Tage danach immer noch ins Gesicht geschrieben. Der Vater von sieben Kindern reagierte sofort und bewahrte seine Familie vor größerem Unheil. „Gott sei Dank sind wir alle lebend aus den Flammen herausgekommen“, sagt der 42-Jährige zwei Tage nach dem Wohnhausbrand in der Beverunger Innenstadt.

Jürgen Drüke

„Die Hilfsbereitschaft ist groß.“ Vater Holger Voetz und Mutter Mendy Voetz mit drei von sieben Kindern. Die Familie, die seit vier Jahren in der Mühlenstraße in Beverungen wohnte, ist in einer Notunterkunft in der Dalhauser Grundschule untergebracht. Foto: Jürgen Drüke

Am Abend des zweiten Weihnachtstages brannte es in der Mühlenstraße in Beverungen lichterloh. Im Dachstuhl des Hauses mit der Nummer 28 war der Brand ausgebrochen und griff sogar auf angrenzende Wohnhäuser über. Die neunköpfige Familie fand rechtzeitig den Weg nach draußen.

Lauter Knall

„Wir haben im Untergeschoss, hier befand ich mich mit meinem Ehemann und unserer jüngsten Tochter Kimberly, einen lauten Knall gehört. Dann krachte es noch einmal ganz laut. Die anderen Kinder unserer Familie befanden sich in ihren Zimmern in der zweiten Etage. Wir alle registrierten ganz schnell, dass hier etwas Schlimmeres passiert sein musste“, berichtet Mendy Voetz. „Wir sahen einen roten Feuerballon im Dachstuhl und wussten, dass wir in Gefahr waren“, blickt einer der älteren Söhne auf die Geschehnisse zurück. Im Eiltempo liefen die Eltern mit ihren Kindern aus dem Haus und sahen auf der Straße, dass die Flammen vom Dach auf ihre Wohnung übergriffen.

Riesiger Feuerball

Noch in der Nacht wurden der Vater und die Mutter mit ihren sieben Kindern nach Dalhausen in die Einliegerwohnung der Grundschule am Hellweg gebracht. „Die Feuerwehr und das Ordnungsamt haben einen ganz tollen Job gemacht“, spricht Holger Voetz von „schnellem und umsichtigem Handeln“.

Am Tag danach rollte die Welle der Hilfsbereitschaft in Dalhausen an: Kleidung, Lebensmittel, alte Möbel und sogar Kinderspielsachen wurden in den Hellweg gebracht. „So hätten wir das nie und nimmer erwartet“, stellt die 42-jährige Mendy Voetz, die während des Brandes zusammengebrochen war und notärztlich behandelt werden musste, heraus. „Hauptsache ist, dass wir alle unverletzt geblieben sind “, sagt sie weiter.

Spendenaktion

Spendenaktionen seien von Freunden und Bekannten in den sozialen Medien ins Leben gerufen worden. „Wildfremde Menschen stellen Kleidung, Bett- und Hygieneartikel zur Verfügung. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Der Rewe-Supermarkt in Beverungen hat ein riesiges Sortiment an Lebensmitteln bereitgestellt. Wir haben zu essen und zu trinken und ein Dach über dem Kopf. Der Kinderschutzbund hat ebenfalls top geholfen“, hat der Vater Tränen in den Augen.

Nun hofft die Familie darauf, dass sie die Notunterkunft in Dalhausen ganz schnell verlassen und wieder eine eigene Wohnung beziehen kann. Die Sorgen seien groß. Der Vater hat seine Kleidung seit dem Ausbruch des Brandes noch nicht gewechselt. „Ich rieche nach Feuer. Das ist jetzt nicht wichtig. Wir stehen eben alle noch zu sehr unter dem Eindruck des Brandes“, weiß er.

Schock langsam verarbeitet

Die Kinder der Familie Voetz erholen sich langsam vom Abendschock des zweiten Weihnachtstages: „Unser jüngstes Familienmitglied ist zweieinhalb Jahre. Kimberly spielt gerne mit den bereitgestellten Legosteinen und wird dadurch abgelenkt“, lächelt die Mutter dankbar und fügt an: „Ich sehe immer noch den roten Feuerballon über dem Dachstuhl des Hauses. Von da aus verbreitete sich das Feuer ganz schnell aus.“

Das Haus in der Mühlenstraße 28 ist über ein Kaminsystem und mit Elektroöfen beheizt worden. „Die Ermittlungen zur Brandursache nehmen noch etwas Zeit in Anspruch“, führte Jörg Niggemann von der Kreispolizeibehörde Höxter am Montagmittag aus.

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