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Ehrenbürgerschaft posthum nicht möglich - weltweit Medienpreise nach erschossener Fotografin benannt

Heimatstadt will Anja Niedringhaus würdigen

Höxter (WB). Die in Afghanistan erschossene weltbekannte Fotografin Anja Niedringhaus kann aus rechtlichen Gründen keine Ehrenbürgerin von Höxter werden. Das hat eine juristische Prüfung der Stadtverwaltung ergeben.

Michael Robrecht

Heide-Ute Niedringhaus-Schulz und Siegfried Schulz am Eingang zu ihrem Haus in Höxter: Rechts und links von der Tür hängen Portraits, die ihre Tochter zeigen. Sie wurde vor fast vier Monaten in Afghanistan ermordet. Foto: Michael Robrecht

Schon kurz nach dem Attentat auf die 48-jährige Höxteranerin am 4. April und nach der Trauerfeier in Corvey hat es mehrfach Vorschläge von Freunden, Kollegen und Bürgern gegeben, das Wirken und die Persönlichkeit der Pulitzer-Preisträgerin posthum zum Beispiel durch eine Ehrenbürgerschaft in Höxter besonders heraus zu stellen. In einem mehrseitigen Brief an Bürgermeister Alexander Fischer hatte Jutta Steinhoff, leitende Mitarbeiterin der Deutschen Presseagentur, Studienkollegin und Freundin von Niedringhaus, die Verleihung der Ehrenbürgerwürde vorgeschlagen.

Fachbereichsleiter Josef Hasenbein sagte auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES, dass die Verwaltung den mehrseitigen Brief von Steinhoff jetzt beantwortet habe: »Wir haben bedauert, dass eine Ehrenbürgerschaft aus rechtlichen Gründen unmöglich ist, weil laut Gemeindeordnung in NRW die beliehenen Personen noch leben müssen. Posthum geht das nicht.« Ehrenbürger in Höxter ist seit 2011 nur Ex-Bundesminister Prof. Dr. Klaus Töpfer. Auch der jüdische Maler Jacob Pins war bis zu seinem Tod 2005 Ehrenbürger.

Weltweite Würdigungen

 Da der Jutta-Steinhoff-Brief auch der Mutter der Verstorbenen, Heide-Ute Niedringhaus-Schulz, vorlag, ist die rechtliche Bewertung auch der Familie mitgeteilt worden. Familie Niedringhaus ist beeindruckt von den vielen Ehrungen, die Anjas Lebenswerk weiter weltweit erfährt. Heide-Ute Niedringhaus-Schulz reist im September nach Frankreich zu einem wichtigen Medienfestival, wo ihre Tochter gewürdigt wird, berichtete sie gestern. Auch werde im Herbst bei Paris eine Stehle für sie aufgestellt, und in Italien sei ein neuer Preis zu ihren Ehren gestiftet worden.

 Es ist im Gespräch, dass Überlegungen für eine besondere Ehrung der Verstorbenen in Höxter konkreter thematisiert werden sollen. Familie Niedringhaus steht einer Würdigung, in welcher Form auch immer, grundsätzlich positiv gegenüber, legt aber wert darauf, in eine mögliche Umsetzung aktiv mit einbezogen zu werden. Heide-Ute Niedringhaus-Schulz hatte zum Tod ihrer Tochter sehr viele Kondolenzbriefe, E-Mails und Anrufe erhalten (Bericht 25. Juli). Von den Präsidenten Gauck und Karzai bis zu hochrangigen Politikern, Diplomaten, Politikern und Militärs sowie Kollegen der AP-Cheffotografin (»Eine starke Frau«) hatten alle die besondere Qualität der fotografischen Arbeit der Kriegs- und Sportfotografin herausgehoben. Die US-Milliardärsfamilie Buffett will einen Anja-Niedringhaus-Preis für mutige Fotografinnen mit einer Million Dollar Kapital stiften.

Motive des Mörders

Der Mörder von Anja Niedringhaus, der afghanische Polizeioffizier Naqibullah (23), ist am 24. Juli zum Tode verurteilt worden. Die Bundesregierung will im Fall der ermordeten deutschen Fotografin aber verhindern, dass die lokale Justiz gegen den mutmaßlichen Täter die Todesstrafe durchsetzt, sondern diese in eine mögliche Todes- oder in eine lange Gefängnisstrafe umgewandelt wird, berichtet das Magazin »Der Spiegel«. Der 23-jährige Polizist hatte am 4. April die preisgekrönte Reporterin der Agentur Associated Press erschossen und ihre Kollegin Kathy Gannon, die das Grab von Anja Niedringhaus in Höxter mit weiteren Kollegen am 12. Oktober an ihrem Geburtstag besuchen will, schwer verletzt. Ein Kabuler Bezirksgericht verhandelte jetzt in nichtöffentlicher Sitzung zwei Stunden über den Fall Naqibullah und verurteilte den jungen Attentäter sofort zum Tode.

Die Motive des Polizisten Naqibullah sind unklar. Nach der Tat hatte der Mann von einem Racheakt an westlichen Frauen gesprochen. Ein Bombardement der Isaf-Truppen soll im Januar in seinem Heimatdorf viele zivile Opfer gefordert haben. Auch eine psychische Störung soll er nicht ausgeschlossen haben. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil in Monaten führt der Generalbundesanwalt in Karlsruhe wegen des Niedringhausmordes weiter ein Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten. Die Todesstrafe muss noch durch eine übergeordnete Instanz bestätigt und vom afghanischen Präsidenten genehmigt werden.

Die verstorbene 48-Jährige Höxteranerin hatte sich einen Namen mit bewegenden Bildern aus den Kriegsgebieten dieser Welt, aber auch durch eindrucksvolle Sportfotos gemacht. »Sie war einfach gut, und welchen Stellenwert sie weltweit hatte, das haben wir alle jetzt erst wirklich wahrgenommen«, sagt ihre Mutter Heide-Ute Niedringhaus-Schulz.

Fotos am Haus der Eltern

Anjas Zimmer im Haus der Familie hat ihre Mutter unangetastet gelassen. Dort erinnert ein großes Foto an die ermordete Tochter. An der Haustür werden Besucher von zwei Anja-Portraits begrüßt, und gleich um die Ecke steht noch immer das Auto der Fotografin. »Das HX-Kennzeichen hat sie immer mit Stolz durch halb Europa gefahren«, erzählt Heide Niedringhaus-Schulz.

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