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Ungewöhnliche Wiederbelebungsaktion: Thomas Mann von beherzten Rettern ins Leben zurück geholt

Herzstillstand vor dem Fußballtor

Marienmünster (WB). Thomas Mann atmet nicht mehr, sein Herzschlag hat ausgesetzt, der Puls ist weg: Mit einem Defibrillator und perfekter Erster Hilfe holen ihn beherzte Sportfreunde zurück ins Leben. Der Vördener ist dem Tod nach einem Herzstillstand knapp von der Schippe gesprungen.

Michael Robrecht

»Danke! Ihr habt mir das Leben gerettet.« Thomas Mann (2. von links) umarmt seine Lebensretter Carsten Föller ((3. von links) und Herbert Löhr (links). Lothar Michels (rechts) steht mit Gruppe an jener Stelle vor dem Tor, wo Mann zusammengebrochen ist. Foto: Michael Robrecht

Seit dem 18. November ist das Schicksal des 60-Jährigen in und um Vörden Stadtgespräch. Einen solch dramatischen und am Ende glücklich ausgegangenen Fall haben viele noch nicht gehört. »Jetzt weiß ich, wofür es wichtig ist, erste Hilfemaßnahmen wirklich zu beherrschen und wie lebensrettend ein Defibrillator in der Nähe sein kann«, sagt Thomas Mann.

»Ohne Euch wäre ich tot«

Am Freitag hat er die beiden Männer, die sein Leben gerettet haben, erstmals nach seiner Entlassung aus Höxters St.-Ansgar-Krankenhaus wiedergetroffen: Herbert Löhr (50) aus Hohehaus und Schwimmmeister Carsten Föller (34) aus Papenhöfen waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben den Vördener ins Leben zurückgeholt. »Danke! Ohne Euch wäre ich tot«, umarmt der Medizin-Produktberater, der auch eine MS-kranke Lebensgefährtin zu betreuen hat, mit Tränen in den Augen seine Lebensretter.

Am Abend des 18. November war Lothar Michels (74) mit seiner Altherren-Gymnastikgruppe wie jede Woche in der Sporthalle in Vörden aktiv: Laufen, Spiele, Fußball. Gegen 20.45 Uhr brach Thomas Mann mitten im Fußballspiel fünf Meter vor dem Tor in Sekundenschnelle zusammen. »Er lag regungslos auf dem Bauch, blutete am Mund, war völlig ohne jede Regung«, schildert Lothar Michels die dramatischen Minuten. Herbert Löhr, der 20 Jahre Erfahrung auf der Intensivstation im St. Ansgar hat, begann sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Ein anderer der zehn Hobbysportler rief den Notarzt, ein weiterer läuft ins nahe Schwimmbad und brachte Schwimmmeister Carsten Föller in kurzen Hosen mit dem erst seit 2013 im Bad-Foyer hängenden Defibrillator mit.

Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen

»Thomas Mann war ganz blau, es gab kein Lebenszeichen mehr, wir bekamen ihn nicht mehr ans laufen«, berichtet Föller. »Er setzt den ›Defi‹ an. Durch den massiven Elektro-Schock tut sich etwas. Die Mund-zu-Mund-Beatmung geht weiter bis nach 20 Minuten und einem weiteren ›Defi‹-Einsatz der Notarzt in der Turnhalle ankommen«, so der Retter. Mann wird nach Höxter in die Kardiologie gebracht: Er hat keinen Sauerstoffmangel erlitten und klagt am Tag nach dem Herzstillstand nur noch über Brustschmerzen. »Als ich ihn besucht habe, saß er quietschfidel auf Intensiv im Bett«, erzählt Herbert Löhr.

»Ich war so gut wie tot. Es ist ein Wunder. Der Herrgott wollte mich noch nicht«, erzählt Thomas Mann, der nächste Woche zur Reha ins Herzzentrum Bad Oeynhausen fährt und dem im St. Ansgar ein Herzschrittmacher eingesetzt worden ist. Mann hat seinen Fall öffentlich gemacht, weil er und die Lebensretter alle Menschen im Kreis Höxter aufrufen wollen, ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen oder neu zu erlernen. Und dass jeder Cent für einen Defibrillator gut angelegtes Geld sei, dass habe sein Schicksal gezeigt. Retter und Geretteter wollen nach der Reha ein Bier auf die Genesung trinken. Thomas Mann, der lange in Amelunxen gewohnt hat, feiert dieses Jahr Weihnachten mit besonderer Dankbarkeit

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