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Gesprächskreis hält seit 20 Jahren Geschichte(n) fest

Hier geht es um mehr als Dorftratsch

Höxter-Lüchtringen (WB). Die Geschichte des etwa 1160 Jahre alten Ortes soll und darf nicht in Vergessenheit geraten – dieses Ziel hat sich der Lüchtringer Gesprächskreis gesetzt. In diesem Jahr feiert er seinen 20. Geburtstag.

Isabell Waschkies

Das Kreuz – errichtet von Gabriel Krekeler, genannt »Truhen« – steht neben der Friedenseiche in der Ortsmitte von Lüchtringen. Für viele Menschen spielen Kreuz und Baum eine zentrale Rolle – auch für (von links) Erhard Fromme, Helga Heinemann und Christel Weber. Alle vier Wochen trifft sich der Gesprächskreis im alten Fährhaus an der Weser in Lüchtringen. Foto: Isabell Waschkies

»Früher haben sich die Menschen über die Neuigkeiten aus dem Dorf vor ihren Häusern, auf Bänken sitzend oder in der Kirche ausgetauscht«, erinnert sich die 84-jährige Christel Weber. Heute sei alles anders. Trotzdem: Einer ihrer größten Wünsche ist, die Geschichte Lüchtringens für die Nachtwelt festzuhalten.

Alle vier Wochen trifft sich der Gesprächskreis im Fährhaus an der Weser. An diesen Abenden kommen die Mitglieder von Hölzchen auf Stöckchen. »Häufig sprechen wir gezielt über Themen. Dann wiederum lassen wir die Unterhaltungen einfach laufen. Gesprächsstoff haben wir schließlich genug«, sagt Weber lachend. Beim ersten Treffen 1999 war das Fährhaus voll besetzt, so die 84-Jährige. Damals unterhielt man sich teilweise sogar noch auf Lüchtringer Platt. »Viele der ersten Teilnehmer hatten allerdings völlig falsche Vorstellungen und blieben den nächsten Treffen fern«, erinnert sich Weber. »Uns ging es von Anfang an nicht um den Dorftratsch, sondern um die Geschichte und Geschichten unseres Ortes.«

Spukgeschichten

Schon als Kind habe er die Erzählungen aus seinem Ort »nur so aufgesaugt«, erinnert sich auch Erhard Fromme (72). »Gerade die Älteren wussten immer viele interessante Geschichten zu erzählen«, berichtet er. Vor allem in Erinnerung geblieben seien die Diskussionen darüber, an welchem Datum »gewisse Dinge wirklich geschehen« seien, berichtet Christel Weber mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Auch seien sich damals gerne Spukgeschichten, beispielsweise über die Friedenseiche und das dortige Kreuz, erzählt worden. Christel Weber: »Hinter das Kreuz neben der Friedenseiche mag ich noch heute nicht schauen«.

Die Lüchtringer und ihre Friedenseiche – der Baum ist und bleibt der zentrale Mittelpunkt des Ortes. Gepflanzt wurde die Friedenseiche 1871 von Kriegsheimkehrern aus dem Deutsch-Französischen Krieg neben dem Kreuz, das von Gabriel Krekeler, genannt, »Truhen« errichtet wurde. 1878 ging der Baum ein und es wurde ein neuer gepflanzt, der 2000 aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste. Im April 2001 wurde beim Maisingen eine zwölf Jahre alte Stieleiche am alten Platz in der Ortsmitte als neue Friedenseiche gepflanzt, die ebenfalls einging. Die heutige Eiche ist erst 16 Jahre alt.

Klönen an der Eiche

»In der langen Arbeitslosenzeit vor dem Zweiten Weltkrieg versammelten sich viele junge Männer an der Eiche, um das Neueste aus dem Dorf zu erfahren«, berichtet Fromme. Noch bis heute träfen sich die Lüchtringer zum Klönen an der Eiche, die somit auch immer noch eine soziale Funktion erfülle. »Ehrenamtliche kümmern sich um das saubere Erscheinungsbild rund um den Baum und das Kreuz«, freut sich Christel Weber. Ob das Maibaumaufstellen oder der Auftakt des Schützenfestes – die Eiche steht dabei immer im Mittelpunkt.

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