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Landesgartenschau 2023 in Höxter: Startschuss für vorbereitende Arbeiten – Abriss des Sägewerks Corvey beginnt

Höxter ist zwei Jahre eine Baustelle

Höxter

In den nächsten beiden Jahren wird Höxter an vielen Stellen von Bauarbeiten für die Landesgartenschau 2023 geprägt sein. Wall, Marktstraße, Weserpromenade, Corvey und viele Nebenbereiche werden umgestaltet und verschönert. Startschuss ist jetzt.

Michael Robrecht

Das alte herzogliche Sägewerk von Corvey ist seit Jahren eine Ruine und wird zur Einrichtung des Archäologieparks Corvey in Kürze abgerissen. Die Hallen und der Spänebunker sind inzwischen oft gezeigte Motive bei den „Lost Places“ im Internet. Foto: Sabine Robrecht

In Kürze beginnt der Abriss des Corveyer Sägewerkes.

Holzwerk ist marode

Auf dem Gelände im Weserbogen, das die Stadt vom Herzog erworben hat, soll der Archäologiepark über der 1265 untergegangenen mittelalterlichen Stadt Corvey mit Tourismuszentrum und geschichtlichem Erlebnispark entstehen. Die seit Jahren maroden Sägewerksgebäude und die Hallen samt Spänebunker werden komplett verschwinden. Die Bagger sollen ab nächste Woche anrollen. Über Jahrzehnte ist hier Holz aus heimischen Wäldern verarbeitet worden – ein Stück Wirtschafts-Geschichte endet endgültig.

Neue Landschaftsscholle

Auch werden jetzt nach der Schneeschmelze die Rodungen des Gebüsches unterhalb des früheren Corveyer Bahnhofsgebäudes an der Promenade vorgenommen. Im Bereich zwischen der HVV-Schutzhütte bis zum Schifffahrtsamt am Hafen sollen Büsche und Bäume verschwinden. „Wir haben uns mit der Landschaftsbehörde abgestimmt, so dass jetzt erste Arbeiten am Weserufer beginnen können“, sagt Landesgartenschau-Geschäftsführerin Claudia Koch. „In dem Bereich zwischen Schutzhütte und Corveyer Hafen, der im Laufe der Planung den Arbeitstitel ‚Landschaftsscholle‘ bekommen hat, wird sich einiges verändern. Die Spundwand soll überschüttet und der Bereich zwischen der Bahnlinie und dem Weserradweg für viele erstmalig fast vollständig begehbar sein“, so Koch.

So soll der Archäologie-Park Corvey aussehen. Foto: LGS Höxter

„Da es in dem Bereich zwischen Weser und Bahnlinie einen Höhenunterschied von bis zu vier Metern gibt, den wir barrierefrei ausgleichen möchten, werden wir in einem ersten Schritt Strauch- und Baumfällungen durchführen“, erläutert Koch die erste sichtbare große Baumaßnahme. Der Großteil der Gehölze bleibe erhalten. 250 Neupflanzungen seien geplant, 30 davon sollen bereits in der Pflanzperiode erfolgen.

Zur Landesgartenschau wird der Bereich der „Landschaftsscholle“ erstmals zugänglich. Der bestehende Fußweg entlang der Weser kann durch einen zweiten höher gelegenen Weg unterhalb der Bahntrasse ergänzt werden, sodass neue Landschaftsblicke nach Corvey, zum Solling und nach Höxter möglich werden. Hinzu kommen neue Spielmöglichkeiten für Kinder, eine Rastwiese mit Picknickbänken, Ausstellungsflächen sowie eine Landschaftstreppe als Sitzmöglichkeit.

70 Meter Horizontbank

Die weiteren Baumaßnahmen zur Umgestaltung der Weserpromenade sollen ab Sommer laufen. Baugrunduntersuchungen mit Bohrungen auf der Promenade sind zuletzt nahe der Weserbrücke, die bis 2023 auch noch saniert werden soll, vorgenommen worden. Zudem wurden die im Frühling so schön blühenden Promenadenbäume für die Neugestaltung gefällt. Die Untersuchung diente dazu, für einen möglichst reibungslosen Bauablauf zwischen Brücke und östlicher Bahnunterführung zu sorgen. Claudia Koch: „Bis zur Landesgartenschau 2023 werden am Weserufer Sitzstufen entstehen, die ans Wasser heranführen. Zudem ist eine 70 Meter lange Horizontbank geplant, die Blicke in den Solling bietet. Hinzu kommen Spielangebote für Kinder und Jugendliche, ein neuer Bodenbelag sowie diverse Neupflanzungen. Baubeginn ist auch 2021.“

LGS rüstet medial auf

Die Landesgartenschau GmbH hat jetzt mehrere wichtige neue Stellen für die LGS ausgeschrieben. Ab sofort ist die Position eines Pressesprechers zu besetzen. Zu den Aufgaben gehört die Steuerung der Unternehmenskommunikation, die komplette überregionale Medienbetreuung von Print bis Social Media, das Initiieren neuer Formate und die Gartenschau-PR. Hier wird eine erfahrene Kraft gesucht. Ferner ausgeschrieben ist eine extra Marketingleitung (Statistik, Vertrieb, Werbung, Sponsoring) sowie die Stelle für einen Archäologe (archäologische Baubegleitung).

Tourismus und Info

Die monatlichen Infomärkte in den Orten pausieren wegen der Corona-Pandemie zurzeit. Der Kreis Höxter beteiligt sich finanziell, wie die Tourismusorganisationen, am großen Haus des Tourismus mitten im Projekt „Archäologiepark Corvey“.

Auch ein LGS-Song wird weiter gesucht. Weiter Informationen dazu finden sich im Internet: www.landesgartenschau-hoexter.de.

Parkplatz in Corvey hat 650 Stellplätze

In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss Höxter am Donnerstagabend ist über die zeitweise Anlage eines Großparkplatzes gegenüber von Teehaus und Einfahrt zum Schloss Corvey auf einem Feld debattiert worden. 650 Autos sollen dort parken können. Die vorhandene Parkfläche bleibt zusätzlich erhalten. Der Flächennutzungsplan Höxter muss für die LGS-Zeit geändert werden. Das Verfahren läuft. Es gab nur einen Einwender: Die Fläche sei Einzugsgebiet der Trinkwasserversorgung der gesamten Stadt Höxter für 29.000 Menschen und daher Trinkwasserschutzgebiet. Der Brunnen liege wenige Meter von dem geplanten Parkplatz entfernt. Dem widersprach die Verwaltung. Der Brunnen liege 700 Meter entfernt an der Kapellenbreite. Auch werde nicht die ganze Stadt von dort versorgt. Der Parkplatz werde so ausgeführt, dass eine Gefährdung des Grundwassers durch parkende Fahrzeuge vermieden werden könne. Große Bereiche in der Nähe der Klosteranlage unterliegen Restriktionen – Bodendenkmale, das Weser-Überschwemmungsgebiet und den Schutzanspruch des Welterbes. Daher gilt die ausgesuchte Fläche als gut geeignet. Die Politik stimmte dem Vorhaben einmütig zu. Aktuell geplant wird auch, den Floßplatz als LGS-Parkplatz zu erweitern. Auch der Parkplatz an der B64 (Lkw-Parkfläche) soll ausgebaut werden. Ein Busparkplatz ist am alten Güterbahnhof vorgesehen.

Informationen auf zwei Internetseiten

Viele Höxteraner haben bedauert, dass die LGS-Entwürfe des Siegerbüros Reschke aus Berlin wegen des Corona-Lockdowns nur kurz 2020 öffentlich gezeigt werden konnten. Auf Internetseiten sind aber alle Planungen und Aktivitäten gut nachlesbar und werden optisch dargestellt: Unter www.landesgartenschau-hoexter.de werden viele Details erläutert. Und: Unter www.foerderverein-lgs.org präsentiert sich der Verein der Förderer der LGS 2023.

Kommentar

Das Tauwetter bedeutet symbolisch so etwas wie den Startschuss für erste sichtbare Baumaßnahmen für die Landesgartenschau 2023. Es ist der Aufbruch in den Höxteraner Standort-Frühling, der das Millionenprojekt ja auch werden soll. Gut so. „Das muss jetzt aber langsam losgehen mit den Bauarbeiten, wenn Höxter im Frühjahr 2023 die LGS pünktlich eröffnen will“, ist Volkes Stimme häufig ungeduldig zu vernehmen. Und tatsächlich kann mit einigen Arbeiten schon begonnen werden: Rodungen, Promenade, Wall, Sägewerkabriss, mediale Begleitaktionen wie LGS-Song oder Fotowettbewerb. Es wird!

Planerisch sind noch Hausaufgaben zu erledigen. Parkplätze, Wallanlagen, Infrastruktur für das LGS-Programm, Verkehrsregelungen, Zuwegungen wie am Schützenhaus, Personal. Der Rahmen steht, jedoch ist bei der Begeisterung der Bevölkerung noch Luft nach oben. Schwere Aufgabe in der lähmenden Corona-Zeit.

Mit Sorge schauen viele auf 2023: Welche Dauer-Einschränkungen gibt es durch die Pandemie möglicherweise noch? Was bedeutet das für die Finanzierung und die Besucherprognosen? Eine Corona-Gartenschau wie 2020 in Kamp-Lintfort wünscht sich niemand. Was geht wirklich? Zurzeit bleibt uns nur das Prinzip Hoffnung. Michael Robrecht

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