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WESTFALEN-BLATT exklusiv: In stiller Mission sind Truppenteile mit Gerät aus General-Weber-Kaserne zum Bundeswehr-Einsatz ausgerückt - Ziel ist Litauen

Höxteraner Soldaten müssen in den Osten

Höxter

Die Bundeswehr verlegt zusätzliche Soldaten nach Litauen. Auch Truppen und Gerät des ABC-Abwehrbataillons 7 in Höxter sind ausgerückt. Aber wohin konkret? Die erste in Höxter sichtbare Marschkolonne aus der General-Weber-Kaserne hat sich am Sonntagmorgen ohne öffentliche Ankündigung nach Norden über die B64/83 in Bewegung gesetzt.

Von Michael Robrecht

Höxter, Albaxer Straße, B64: Olivgrüne Bundeswehr-Laster des ABC-Abwehrbataillons 7 mit Marschkredit machen sich am Sonntag und am Montag auf den Weg nach Osten.

Am Montag rückten nach WESTFALEN-BLATT-Informationen weitere Soldaten mit getarnten Transportcontainern mit militärischem Material auf beladenen Lkw-Gespannen aus Höxter wohl zu einem Sammelplatz in einer Kaserne in Munster in der Lüneburger Heide nach.

Das ABC-Abwehrbataillon 7 und vorgesetzte Dienststellen hüllten sich zum genauen Auftrag, zu Umfang und Ziel des Verbandes in Schweigen. Jedoch liegen Fakten auf dem Tisch. Bestätigt wurde dem WB vom ABC-Abwehrkommando in Bruchsal, dass die Bundeswehr als Verstärkung für den Nato-Gefechtsverband in Litauen sechs Panzerhaubitzen mit Personal entsende und „ABC-Spezialisten“ dabei seien. Bekanntlich gibt es in Deutschland nur zwei ABC-Abwehrbataillone: in Bruchsal und eben in Höxter.

Die Höxteraner ABC-Abwehrtruppe ist immer mit dem Spürpanzer Fuchs im Einsatz. Foto: Bundeswehr

Am späteren Abend veröffentlichte die Bundeswehr auf ihrer Online-Seite erstmals eine Liste mit Garnisonsstädten, die Truppenteile für den Litauen-Einsatz stellen. Höxter war dabei!

Das ABC-Abwehrbataillon 7 in Höxter unterstützt die Bundeswehr und die NATO bei der Abwehr von Wirkungen atomarer, biologischer und chemischer Kampfmittel durch atomare und chemische Aufklärung, biologische Probenahme, Dekontamination, Wasseraufbereitung und Wetterbeobachtung. Das Fachwissen ist auch in Konflikten, wie in der Ukraine-Krise, aktuell wieder gefragt. Foto: Bundeswehr

Die Haubitzen-Waffensysteme würden in Munster auf Schwerlasttransporter verladen und ins Baltikum gebracht, teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit. Deutschland führe in dem Land den Einsatz der Nato-Einheit. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Russland und der Ukraine eine Verstärkung des Gefechtsverbandes angekündigt. Deutschland entsendet dazu nun 350 zusätzliche Soldaten mit rund 100 Fahrzeugen.

Die Bundeswehr verstärkt ihr Engagement an der Nato-Ostflanke in Litauen: Dafür brachen am Montag unter anderem sechs schwere Panzerhaubitzen 2000 von Munster Richtung Baltikum auf. ABC-Abwehrkräfte begleiten die Truppen. Foto: dpa

Den Schwerpunkt bildet die Artillerie des Heeres mit der Panzerhaubitze 2000. Darüber hinaus bestehen die Verstärkungskräfte unter anderem aus Aufklärungs-, ABC-Abwehr-, Feldjäger- und Sanitätskräften, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Mit der Verlegung stärke die Bundeswehr den Beitrag an der Nato-Ostflanke und sende ein Signal der Geschlossenheit des Bündnisses. Soldaten der ABC-Abwehrtruppe sind schon länger an der litauisch-russischen Grenze im Einsatz. Die Höxteraner haben sich seit Wochen auf so einen Tag X vorbereitet.

Appell in der General-Weber-Kaserne in Höxter beim ABC-Abwehrbataillon 7 in Höxter. Foto: Michael Robrecht

Die Bundeswehr in Höxter kündigte für Montag am späten Abend oder Dienstagmorgen eine Presseerklärung zum genauen Einsatzort ihrer Soldaten an. Geht es nach Litauen oder gar nach Polen?

Einsatz schützt NATO-Ostflanke im Baltikum gegen Russland

2017 startete die NATO mit der Verlegung von   Soldaten nach Polen und in die baltischen Staaten. Die Mission Enhanced Forward Presence (EFP) gilt der Sicherung der osteuropäischen Staaten und der Abschreckung von Bedrohungen des Bündnisgebiets. Die Mitgliedstaaten reagieren mit der „verstärkten Vornepräsenz“ auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und die fortgesetzte Destabilisierung der Ukraine. Deutschland hat die Führung der „Battlegroup“ in Litauen übernommen. EFP (übersetzt „Erhöhte Vorwärtspräsenz“) sieht die Aufstellung von Einheiten in Polen und den baltischen Staaten vor. Die vier multinationalen Gefechtsverbände bestehen aus jeweils 1.000 Soldatinnen und Soldaten, die die Streitkräfte der Gastländer verstärken. Ausbildung und Abschreckung bilden den Kernauftrag der Kampfverbände. 350 Deutsche kommen kurzfristig in Litauen dazu.

Erklärung der Bundeswehr am Montagabend

Folgende Nachrichten wurden am Abend auf der Bundeswehr-Online-Seite verbreitet: „Die Bundesregierung hat aufgrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage und einer Bitte der litauischen Regierung entschieden, Soldaten für die von Deutschland geführte Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence) Battlegroup der NATO zusätzlich nach Litauen zu verlegen - rund 350 Soldatinnen und Soldaten insgesamt, davon circa 250 aus dem Heer. Das Fähigkeitsprofil der Soldaten ist breit gesteckt und beinhaltet Artillerie-, Aufklärungs-, ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr-, Pionier-, Feldjäger-, Logistik- und Sanitätskräfte. 1.600 Kilometer sind es von Deutschland bis zum Einsatzraum in Litauen. Notice to move bedeutet das Herstellen der Verlegebereitschaft. Es wurde für die Verstärkungskräfte ab dem 9. Februar verschärft befohlen. Diese Kräfte würden in nächster Zeit routinemäßig zu einer halbjährlichen Zertifizierungsübung für rund zwei Wochen nach Litauen verlegen, heißt es. Aus den Standorten, Lüneburg, Nienburg/Weser, Munster, Augustdorf, Höxter, Viereck, Neubrandenburg, Havelberg und Hagenow bereiten sich in diesen Stunden Soldaten auf ihren Marsch in Richtung Litauen vor. Für sie bedeutet dieser Auftrag lediglich ein verschobener Zeitplan. Ausbildung und Ausrüstung sind für sie optimal auf den Auftrag abgestimmt und sie werden nun lediglich früher abgerufen und länger der anerkannten Mission in Litauen zur Verfügung stehen“.

Marschkolonnen in die Lüenburger Heide am Montag. Foto: Bundeswehr
Aus den Standorten, Lüneburg, Nienburg/Weser, Munster, Augustdorf, Höxter, Viereck, Neubrandenburg, Havelberg und Hagenow bereiten sich in diesen Stunden Soldaten auf ihren Marsch in Richtung Litauen vor. Foto: Bundeswehr
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