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Problem  Parkflächen: Im Ortsausschuss wird die frühzeitige Einbeziehung der Wiehenbrink-Anwohner vor der Probephase vermisst

Höxters erste Fahrradstraße ist in Sichtweite

Höxter

Da braut sich etwas zusammen. Es gibt Unruhe. Die Anwohner des Wiehenbrinks möchten frühzeitiger als bisher vorgesehen detailliert über die Einrichtung und die Auswirkungen einer neuartigen „Fahrradstraße“ in ihrem Quartier von der Stadtverwaltung informiert werden.

Von Michael Robrecht

Der Wiehenbrink soll Höxters erste "Fahrradstraße" werden. Denkbar ist, dass  dann nur noch Anlieger mit Autos in die Straßen dürfen. Das beidseitige Parken wäre dann auch Geschichte. Foto: Michael Robrecht

Bisher ist eine offizielle Bürgerinformation erst nach der einjährigen Probephase geplant. Das akzeptieren viele Hausbesitzer und Mieter so nicht. „Da werden binnen zwölf Monate Fakten geschaffen und dann läuft plötzlich alles so weiter, wie das zu Beginn der Pilotzeit ohne Diskussion mit den Anwohnern eingerichtet worden ist“, befürchtete Franz Wegge in der Sitzung des Ortsausschusses Höxter Stadtkern.

Radfahrer und E-Scooter fahren dort vorrangig

Wie berichtet, soll der Wiehenbrink zwischen Brenkhäuser und Albaxer Straße  Höxters erste die „Fahrradstraße“ in Höxter werden. Diese Idee geht ein in ein Konzept, das die Verwaltung dem Ortsausschuss Höxter-Stadtkern bis zur Sommerpause vorstellen will, so die Ankündigung.  Franz Wegge sprach im Ausschuss aus, was am Wiehenbrink immer wieder zuhören ist: „Wir Bürger müssen frühzeitiger in die Planungen eingebunden werden. So eine Fahrradstraße hat doch für die nicht einfach Parksituation, die Zahl der Stellplätze vor den Häusern  und auch für rechtliche Fragen vor den Grundstücken konkrete Auswirkungen“, sagte er im Ausschuss. Nicht wenige hätten den Eindruck, dass da früh Fakten geschaffen würden und dass die Bürgermeinung jetzt im Vorfeld bewusst klein gehalten werden solle. Er erinnerte auch daran, dass es zum Wiehenbrink schon seit Jahren Vorschläge zur Verkehrsführung gebe. Daran erinnerte am Rande der Sitzung auch Anwohner Erich Lawynda.

Solche Schilder weisen auf eine speziell ausgewiesene Fahrradstraße hin. So wie hier in Braunschweig gibt es solche für Autos zum Durchfahren erschwerte Straßen noch nicht. Foto: Stadt Baunschweig

Bürgerinfo erst nach einjähriger Probephase

Ortsausschussvorsitzender Ralf Dohmann (BfH) beeilte sich, den Eindruck zu zerstreuen, die Bürger sollten nicht mitgenommen werden. Erst müsse das aussagekräftige Planungskonzept zur „Fahrradstraße“ von der Verwaltung vorgelegt werden, erst dann könne man eine Infoveranstaltung organisieren.

Robert Bettermann (Bauamt) schilderte den Politikern, was am Wiehenbrink in Planung sei. Radfahrern soll dort durch eine „Fahrradstraße“ ein völlig neues Angebot gemacht werden. Die Ausweisung einer Rad-Fahrspur werde zurzeit geprüft. Ein Jahr solle die Probephase dauern. Im 2. Halbjahr 2022 könnte nach Anhörung von Straßen NRW und der Polizei bereits etwas am Wiehenbrink verändert werden.

Höxter ist eine Fahrradstadt. Viele Bürger sind mit dem Rad unterwegs, aber auch viele Touristen. Foto: Michael Robrecht

Verwaltung will Konzept im Sommer vorlegen

Radler und E-Scooter sind in einer Fahrradstraße bevorrechtigt. Tempo 30 – oder bei Bedarf auch weniger – soll für alle Autofahrer und Biker gelten. Dieses für Höxter neue Instrument der Straßenverkehrsordnung muss durch Piktogramme (auch Schilder) kenntlich gemacht werden. Fahrräder könnten in beide Richtungen fahren. In der Diskussion war bisher auch eine reine Anliegerstraße, um den Durchgangsverkehr – auch von Lkw  zwischen Albaxer Straße und Brenkhäuser Straße - zukünftig komplett auszuschließen. Autos und Motorräder in einer "Fahrradstraße" sollen die Ausnahme sein.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Antrag der Grünen, den Wiehenbrink für Fahrradfahrende in beide Richtungen zu öffnen, damit vor allem Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in die Schule ohne Umweg durch die Friedensstraße zur Querungshilfe auf der Brenkhäuser Straße gelangen. Die Freigabe des Autoverkehrs nur für Anlieger und die Anordnung der Parkflächen auf einer Straßenseite wird geprüft. Damit wäre das versetzte Parken dann Geschichte.

Volker Bertram (Grüne) sagte, dass man nicht auf das gesamte „Mobilitätskonzept 2035“ für Höxter warten wolle. Am Wiehenbrink könne vorab etwas passieren. Mit Nachdruck stellte er auch Folgendes fest:  Es gebe dort bei einer Fahrradstraße  kein Anwohnerparken in der bekannten Form mehr. „Wir wollen eine Fahrradstraße und keine Parkstraße. Autos haben dort keine Priorität.“ Und es könne nicht sein, dass dort sogar noch mehr Parkfläche angeboten werde. Für die Sicherung des Radverkehrs müsse etwas getan werden. Die Bürgerbeteiligung komme, wenn es eine konkrete Planung gebe. Über das, was jetzt vorliege, könne noch nicht auf einer Versammlung belastbar geredet werden.

Dr. Birgit Avenhaus (Grüneerklärte, man müsse jetzt sehen, was dort am Wiehenbrink funktioniere. Die Probephase sei eine gute Einrichtung. Die Anwohner würden dann sehen, was dort funktioniere. Danach werde geredet.

Jörg Werner (UWG) konnte sich nicht damit anfreunden, dass mit den Anwohnern bisher nicht gesprochen worden sei. Die Parksituation müsse völlig neu bewertet werden, auch weil vor etlichen Häusern wenig Platz für Stellplätze vorhanden sei.  Ohne vorab mit den Hauseigentümern zu sprechen, würden die Pläne dort nur schwer akzeptiert.

Ralf Dohmann (BfH) will im Ortsausschuss nicht nur über den Wiehenbrink, sondern auch über die Einmündungen und die Verkehrssituationen auf Brenkhäuser Straße und Albaxer Straße sprechen. Die Querungen seien dort wichtige Themen. Martin Kreuzer (FDP) wies darauf hin, dass das Gesamtkonzept für die Brenkhäuser Straße zurzeit „sinnfrei“ sei. Die Radwegführung passe nicht. Was sei mit den parkenden Lkw auf Höhe der Kaserne? Die Brenkhäuser Straße werden nach der Gartenschau sowieso komplett überplant.

Andreas Knebel (CDU) forderte von der Verwaltung vorab die Formulierung konkreter Kriterien ein, was man in Sachen Verkehr denn untersuchen wolle.

Bei den Versuchsampeln an der B64/Albaxer Straße soll die Lichtzeichenanlage Küsterweg fest installiert werden. Die Ampelquerung zum Südhang vor Expert wird zurzeit geprüft. Das Verfahren läuft laut Stadt, angeordnet sei diese Ampel aber noch nicht. Die Bordsteine müssen für zudem Gehbehinderte an beiden Stellen noch abgesenkt werden.

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