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Hunderte Menschen stimmen sich beim Singen auf dem Marktplatz auf Weihnachten ein

Höxters größter Chor trotzt dem Regen

Höxter(WB). Der Himmel ist grau, Menschen eilen mit gehetztem Blick von einem Laden zum nächsten und es gießt in Strömen. Weihnachtsstimmung? Fehlanzeige. Doch geht man einige Meter weiter auf Höxters Marktstraße, vernimmt man plötzlich Blasmusik. Dann setzt der Gesang ein: „Alle Jahre wieder“ tönt es aus hunderten Kehlen. Und ein Blick um die Ecke bestätigt: Es sind die „Weihnachtsgrüße“.

Greta Wiedemeier

Auch die Solisten Sylvia Wiesemeyer-Koke und Georg Thauern haben Höxters größten Chor bereichert. Foto: Greta Wiedemeier

Liebgewonnene Tradition

Bereits seit 2008 veranstaltet die Musikschule Höxter gemeinsam mit Schirmherr und Ehrenbürger Klaus Töpfer sowie zahlreichen Firmen das große Rudelsingen auf dem Marktplatz. Als „den größten Chor ganz Ostwestfalens“ bezeichnete Bürgermeister Alexander Fischer die liebgewonnene Tradition. Waren es bei der ersten Auflage nicht einmal hundert Leute, die dem gemeinsamen Singen beiwohnten, ließ ein Blick über die zahlreichen Regencapes und ein wahres Meer aus Schirmen an diesem frühen Heiligabend auf mehrere hundert Teilnehmer schließen.

„Wir sind jedes Jahr hier, das gehört bei uns zum Heiligabend fest dazu“, erzählten Ursula und Bernd Elsner aus Höxter. Gemeinsam mit ihren Kindern, die nicht mehr in der Heimat wohnen, hatten sie sich unter ein schützendes Geschäftsdach verzogen. „Gleich holen wir uns noch Kartoffelpuffer – die gibt es auch jedes Jahr – und besorgen die letzten Geschenke. Dann können die Feiertage beginnen“, berichteten sie.

Bläser auf den Dächern

Die „Weihnachtsgrüße“ haben bei vielen Besuchern Tradition: „Genau das hier ist für mich Heiligabend und macht mich glücklich“, erzählte auch Eckhard „Ecki“ Sievering aus Bruchhausen. Er war lange Jahre selbst im Posaunenchor in Lauenförde aktiv und hatte sich nun mit seinem Instrument in die erste Zuschauerreihe begeben. Ob „Tochter Zion“, „O du fröhliche“ oder erstmals auch das „Gloria“ – gemeinsam mit den vielen Bläsern, die sich auf dem Dach eines Geschäftshauses versammelt hatten, verbreiteten sich die harmonisch-weihnachtlichen Töne bis weit in Höxters Straßen hinein. Und auch die womöglich weniger musikalischen Besucher bekamen professionelle Unterstützung: Die Solisten Sylvia Wiesemeyer-Koke und Georg Thauern gaben von der Bühne aus die perfekte Tonlage vor und präsentierten zudem einige besonders anspruchsvolle Stücke im Alleingang.

Musikschulleiter Martin Leins ließ sich bis auf die Knochen durchnässen und dirigierte Sänger und Bläser – wo ein Taktstock gehalten werden muss, findet schließlich kein Schirm mehr Platz. Das Wetter tat der Weihnachtsstimmung auf dem Marktplatz keinen Abbruch: „Ich glaube ich war noch nie hier, als es nicht geregnet hat“, grinste etwa Justus aus Ottbergen und zuckte die Schultern. Er sei schließlich nicht aus Zucker. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Kilian musiziert er auch häufig daheim unter dem Tannenbaum. „Drei Lieder sind es, die wir dort jedes Jahr mit der Familie singen. Das gehört zu Weihnachten einfach dazu“, stellten die beiden fest.

Hoffnung auf Schnee bleibt

Martin Leins zeigte sich absolut zufrieden mit der Resonanz: „Es waren wieder viele zum ersten Mal dabei“, wusste er nach einem kurzen Rundum-Blick zu berichten. Und die fröhlichen Augen der Besucher würden ihm stets zeigen, dass es richtig und wichtig sei, das Konzert in jedem Jahr fortzuführen. „Trotzdem ist die Hoffnung noch da, dass wir hier im nächsten Jahr auf einen verschneiten Marktplatz blicken können“, schmunzelte er nach der gut einstündigen Aktion.

Und auch der Blick auf das Getümmel in der Höxteraner Innenstadt fiel auf dem Rückweg auf ganz andere Dinge als abgehetzte Last-Minute-Käufer und durchnässte Kleidung: Am Bratwurststand fielen sich alte Bekannte in die Arme, einige Meter entfernt schlürfte ein Kind mit strahlenden Augen an seinem heißen Kakao und an der nächsten Ecke gab ein älterer Herr seiner Ehefrau einen Schmatzer mitten auf den Mund – Weihnachten war eben doch schon in den Herzen der Menschen angekommen.

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