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Problemfall Sekundarschule Höxter: Sinkende Schülerzahlen sorgen für Existenz- und Schließungsangst

Höxters Politiker sind alarmiert: UWG fordert "Runden Tisch"

Höxter

Höxters Sekundarschule wackelt. Für das neue Schuljahr sind nur noch 38 Mädchen und Jungen von ihren Eltern für die 5. Klasse angemeldet worden. Eigentlich müssten es 60 sein. Dass nach der seit Jahren andauernden Talfahrt dieser Tiefpunkt die rote Alarmleuchte blinken lässt, das hat sich nicht nur bei einer lebhaften Debatte im jüngsten Bildungsausschuss gezeigt. Jetzt ist das Problem Thema im Rat.

Von Michael Robrecht

Baustelle Schulzentrum Höxter: Das Bild steht symbolisch für die Umbrüche, die demnächst dort noch kommen könnten. Im Hintergrund ist der Schulhof der Sekundarschule zu sehen. Foto: Michael Robrecht

In  den Parteien wird Höxters neues Schulproblem seit Wochen diskutiert. In der letzten Sitzung des Stadtrates Höxter vor den Sommerferien, am Donnerstag, 23. Juni, um 18 Uhr in der Stadthalle wird über die Zukunft der Schullandschaft in Höxter öffentlich gesprochen. Die UWG-Ratsfraktion hat einen Antrag vorgelegt. Darin wird ein „Runder Tisch Schule“ für die Kreisstadt gefordert.

UWG bringt Antrag im Rat ein

Der Rat soll Folgendes beschließen:  Unter Vorsitz des Bürgermeisters soll ein „Runder Tisch“ mit je zwei Vertretern pro Fraktion sowie vier Vertretern der Sekundarschule (Schulleitung, Lehrerkollegium und Elternschaft) eingerichtet werden. „Der Runde Tisch soll als symbolische Sitzordnung eingesetzt werden, bei der keine Hierarchie, sondern die Gleichberechtigung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer
herausgestellt wird. Er wird eingesetzt zur Klärung abweichender Ideen und Vorschläge, um einen von allen Seiten anerkannten Kompromiss und Plan zur Stärkung der Sekundarschule in Höxter zu finden“, erklärte Georg Heiseke (Vorsitzender der UWG- Ratsfraktion Höxter).

Die Schüler der sekundarschule Höxter. Die Schule wurde 2014 gegründet. Foto: Sekundarschule Höxter

Eigentlich sollten Zahlen steigen

Die Sekundarschule sei in Höxter aufgrund eines einstimmigen Beschlusses aller Ratsfraktionen eingerichtet worden, erinnert die UWG. Angesichts steigender Schülerzahlen sollte eigentlich auch die Zahl der Anmeldungen an der Sekundarschule weiter steigen.

Die Sekundarschule liegt im Schulzentrum Am Bielenberg in Höxter zwischen KWG und Realschule. Foto: Harald Iding

Die Diskussion kann aus Sicht der UWG beim „Runden Tisch“ als teilweise nichtöffentliche Fachdiskussion geführt werden, "um dann in einem schriftlichen Bericht mit Handlungsvorschlag an den Schulausschuss in den demokratischen Willensbildungsprozess eingeführt zu werden“, erläuterte Georg Heiseke.

Sekundarschulleiter spricht von "Hauptschule"

In der Bildungsausschusssitzung hatte Sekundarschulleiter Uwe Scharrer ziemlich unverblümt und zur Überraschung einiger Kommunalpolitiker sehr offen dargelegt, was es bei der Sekundarschule schon länger für Probleme gibt: wenig gutes Image, sinkende Akzeptanz in Elternschaft und bei den Grundschülern,  problematische  und lernschwache Schülerinnen und Schüler,  hohe Arbeitsbelastung, Erkrankungen und Fluktuation bei Lehrerinnen und Lehrern sowie zunehmende Versetzungswünsche. Dann die Einschätzung des Schulleiters, dass die Sekundarschule wegen der lokalen Schulstruktur in Höxter für viele „eine Hauptschule“ sei und  deshalb als Sekundarschule in der Kreisstadt nicht funktionieren könne. Scharrer wollte mit den offenen Worten die Lage klar benennen und Diskussionen auslösen.

Bezirksregierung stellt Existenzfrage

Auch die Bezirksregierung in Detmold hat den „Fall Sekundarschule Höxter“ im Blick. Gespräche mit dem Schulträger Stadt Höxter laufen schon länger, wird vom RP bestätigt.  Hierbei wird es klar um die Frage der Fortführung des Schulangebotes Sekundarschule gehen.

Die Mindestgröße zur Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Schulbetriebs und damit eines guten pädagogischen Angebotes für die Kinder und Jugendlichen beträgt laut Schulgesetz bei Sekundarschulen in der Regel 60 Schüler pro Jahrgang! Davon ist Höxter inzwischen weit entfernt. Stunde der Wahrheit könnte das Schuljahr 2023/24 werden: Im Frühjahr 2023 werden die neuen Anmeldezahlen dann sehr entscheidend.
Von 100 Schülern pro Jahrgang war in den Anfangsjahren immer die Rede. Im Sommer 2014 war die Sekundarschule eröffnet worden.

CDU-Fraktion will Schulfrieden erhalten

Die CDU-Fraktion hatte nach der letzten Schulausschusssitzung mit Sorgen um den Schulfrieden und mit Blick auf wieder aufflammende Debatten früherer Jahre diese vielsagende Stellungnahme abgegeben:  Die CDU Höxter steht gleichermaßen hinter allen weiterführenden Schulen am Standort Höxter. Wir respektieren den Elternwillen uneingeschränkt. Wir machen mit geeinten Kräften aus Stadtverwaltung, Schulen, Bevölkerung und Politik die hohe Attraktivität der Höxteraner Schullandschaft deutlich. Wir tolerieren keinerlei Profilierung einer Schulform zulasten einer anderen. Die CDU Höxter steht konsequent zur Beibehaltung des Schulfriedens.“

Der Hintergrund

Die Anmeldezahlen für die weiterführenden städtischen Schulen in Höxter liegen seit Mitte April 2022 vor.   Die Sekundarschule meldet in der Liste für den neuen fünften Jahrgang ab August   nur  38 Anmeldungen. Das König-Wilhelm-Gymnasium  liegt bei 81 Fünfklässlern und die Realschule Höxter bei 58. In diesem Jahr verlassen insgesamt 202 Schülerinnen und Schüler die 4. Klasse einer der fünf Grundschulen im Stadtgebiet Höxter. Diese Zahl bleibt auffällig (ca. 17 Prozent weniger) hinter den 243 Viertklässlern des vergangenen Jahres zurück.

Im Schuljahr 2023/24 ist wieder mit einer Zahl von 246 Schülerinnen und Schülern zu rechnen, die die 4. Klasse einer Grundschule im Stadtgebiet Höxter verlasen werden. Von den 202 Schülerinnen und Schülern besuchen nach derzeitigem Stand ab dem Schuljahr 2022/2023 155 Schülerinnen und Schüler (77 Prozent) eine weiterführende Schule in Höxter, 42 Schülerinnen und Schüler (21Prozent) wechseln zu einer Schule außerhalb des Stadtgebietes. Im vergangenen Jahr wechselten lediglich 13,5 Prozent (2020 noch 25,5 Prozent) der Viertklässler aus den Höxteraner Grundschulen an eine weiterführende Schule außerhalb des Stadtgebietes. 36 Schüler (Ukraineflüchtlinge) kommen noch in allen Schulformen dazu.

Zu den 155 Schülerinnen und Schülern, die eine Höxteraner Grundschule verlassen und eine weiterführende Schule in Höxter besuchen, kommen noch 21 Viertklässler (2021: 29) aus anderen Grundschulen, so dass vorläufig insgesamt 176 Schülerinnen und Schüler (2021 waren es 234 Schülerinnen und Schüler) im kommenden Schuljahr eine Klasse 5 der weiterführenden Schulen in Höxter besuchen werden.

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