Mitglieder des neugegründeten Höxteraner Lockdown-Clubs sprechen Menschen in schweren Zeiten Mut zu

In der Fastenzeit wird kontaktet

Höxter (WB)

Ein Anruf, ein Brief oder doch eine Textnachricht? In Höxter gibt es seit drei Wochen einen Lockdown-Club. Die inzwischen 45 Mitglieder kümmern sich um Menschen, die in diesen schweren Zeiten zu oft alleine sind und darunter leiden. „Wir stoßen bei den kontaktierten Personen auf große Dankbarkeit“, stellt Jonas Klur heraus.

Jürgen Drüke

„Wir kontaktieren in der Fastenzeit Menschen, die besonders unter dem Lockdown leiden und einsam sind“, stellt der Höxteraner Vikar Jonas Klur heraus. Die Mitglieder des Lockdown-Clubs machen dabei sehr viel Mut. Foto: Jürgen Drüke

Der Vikar im Pastoralverbund Corvey und Diakon Jonathan Berschauer sowie ein Kreis junger Erwachsener, die sogenannten Glücksbringer, wollen in Zeiten des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen die Menschen im Kreis Höxter wieder zusammenbringen. „In der Fastenzeit ist neben dem Verzicht und dem Gebet auch die gute Tat angesagt“, betont Klur.

Das Modell des Lockdown-Clubs, der sich den Heiligen St. Nikolaus als Vorbild genommen hat, beruht auf dem Domino-Effekt: „Jeder kennt in seinem Umkreis Menschen, die sich allein gelassen fühlen und einfach einmal reden wollen oder Zuspruch und Trost benötigen“, weiß der 33-jährige Priester. Jedes Clubmitglied würde mindestens einmal in der Woche mit einem Menschen oder sogar mehreren Menschen in Verbindung treten. Diese Personen sollten nach Möglichkeit nicht zum engeren Bezugsfeld gehören. Die Mitglieder verpflichten sich einen, drei oder sogar sieben Kontakte wöchentlich herzustellen. Der sogenannte „Typ eins“ stellt einen Kontakt pro Woche her. „Typ drei“ ist gleichbedeutend mit drei und „Typ sieben“ mit sieben wöchentlichen Kontakten. Allerdings gebe es nach oben keine Grenzen. Auch über die Art des Kontakts entscheide das Mitglied selbst: Anruf, Brief oder Textnachricht – alles sei erlaubt.

Bis Ostern

Die Mitglieder des Lockdown-Clubs wollen in der Fastenzeit bis Ostern nach Möglichkeit zahlreiche Personen erreichen. „Viele Menschen leiden seelisch unter dem Lockdown. Ältere haben damit zu kämpfen, dass sie in Zeiten der Pandemie selbst ihre Enkeln nur selten sehen.“ Dann wiederum gebe es aktive Mitbürger, die sich nun eingeschränkt und ausgebremst sehen würden. Um diese Gruppen will sich der Lockdown-Club Heiliger St. Nikolaus kümmern.

Mit diesem Foto wirbt der Lockdown-Club. kontakte seien gerade in schlechten Zeiten sehr wichtig. Foto: Jürgen Drüke

„Wir kommen gut an“, wartet Klur mit dem ersten Fazit auf. „Nach dem Auftakt-Wochenende hatten wir bereits 17 Mitglieder. Inzwischen sind es bereits 45.“ Klur sieht den Lockdown-Club sogar über die Pandemie hinaus: „Denn das Virus ist gekommen, um zu bleiben. Wir müssen mit Covid-19 leben lernen.“

Es seien sogar Menschen kontaktiert worden, die hunderte oder sogar tausende Kilometer weit weg leben würden. Die Personen seien so dankbar, das würde ungemein motivieren. Jonas Klur hat eine in Bolivien tätige deutsche Lehrerin angerufen. „Sie hat mir berichtet, wie sehr Corona dem Land in Südamerika zusetzt. Dort ist Unterricht auf Distanz noch eine wesentlich größere Herausforderung.“

Licht und Wärme

Menschen seien glücklich, wenn an sie gedacht würde. „Bis Ostern wollen wir ein wenig mehr Licht und Wärme in diese düstere und kalte Zeit bringen“, wollen Jonas Klur und seine Mitstreiter noch sehr viele Kontakte herstellen. Auf der Webseite „lockdown-club.de gibt es weitere Informationen. „Wir haben einen Rückrufwunsch-Anrufbeantworter“, stellt der 33-jährige Vikar heraus. Mitmachen könne jeder. „Konfession, Alter und Wohnort spielen keine Rolle“, sagt Jonas Klur und setzt auf viele Kontakte.

Ein Kommentar von Jürgen Drüke

In der Corona-Pandemie sind wir alle tagtäglich mit zahlreichen Einschränkungen konfrontiert. Das gefährliche Virus Covid-19 muss schließlich wieder beherrschbar werden. Verzicht als verordnete Begrenzung hat im zweiten Lockdown innerhalb eines Jahres eine eigene Bedeutung bekommen.

Und jetzt beginnt ab diesem Aschermittwoch bis Karsamstag ein ganz besonderer Abschnitt – die Fastenzeit. Der freiwillige und bewusste Verzicht auf Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten ist bei Christen bis Ostern angesagt. Doch Pandemie und Fastenzeit – wie geht das zusammen? Sind die 40 Fastentage, ausgenommen sind bis Ostern die sechs Sonntage, in diesen schweren Zeiten nicht des Verzichts zu viel?

Der Lockdown-Club Höxter zeigt, was gehen kann und stellt Kontakte zu Menschen her, die unter dem Lockdown besonders leiden. Die Clubmitglieder setzen damit Zeichen und zeigen, dass Fasten viel mehr als nur Verzicht bedeutet. Kontakten in der Fastenzeit kommt in der Pandemie gut an.

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