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Kreis-Chef Leonard Rexhepi im Interview: »Demokratie für junge Menschen interessant machen«

JU: »Junge Leute für Politik begeistern«

Höxter (WB). Der 22-jährige Bad Driburger BWL-Student Leonard Rexhepi führt seit Herbst vergangenen Jahres die Junge Union (JU) im Kreis Höxter. Politische Jugendorganisationen haben nicht mehr so viel Zulauf wie einst, dennoch gibt es im Kreis immerhin 350 JU-Mitglieder. WESTFALEN-BLATT-Redakteur Michael Robrecht sprach mit Leonard Rexhepi über das Angebot des CDU-Nachwuchses.

Der Nachwuchs der Jungen Union möchte die Zukunft politisch mitbestimmen. Der neue JU-Kreisvorstand mit (von links) Luca Kuhlmann, Ann-Kathrin Lammers, Markus Nüsse, Tobias Gadzinski, Leonard Rexhepi, Jonas Wagemann und Peter Böker. Foto: dpa

Was treibt einen jungen Menschen heute in eine politische Jugendorganisation?

Leonard Rexhepi: Mein Ziel ist es, Politik und Demokratie für junge Menschen interessant und lebhaft zu machen. Durch Reaktivierung weiterer Stadtverbände neben Bad Driburg, Beverungen, Warburg und Nieheim/Steinheim möchte sich die Kreis-JU wieder breiter auch in den anderen Städten aufstellen und inhaltlich sowie personell sichtbar werden. Darüber hinaus stehen wichtige Wahlen – wie die Europawahl am 26. Mai oder im Kreis Höxter die Kommunalwahlen 2020 – an, wo wir hoffentlich auch JU-Kandidaten ins Rennen schicken können. Zudem wollen wir natürlich kräftig bei den Wahlkämpfen für die CDU mit anpacken. Da  freue ich mich drauf.

Die parlamentarische Demokratie steckt aktuell in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Junge Leute wenden sich ab, sind freizeitorientiert und unpolitisch. Womit locken Sie Schüler, Azubis und Studierende in eine Partei-Jugendorganisation?

Rexhepi: Die JU war und ist besonders im Kreis Höxter immer die größte Parteijugend gewesen. Wir sind eine attraktive Gruppe. Viele heutige Funktionsträger haben bei uns erste politische Gehversuche gewagt und Freundschaften geschlossen. Ich habe mich schon als Schüler in der Realschule Bad Driburg und später auf der Brede in Brakel für Politik interessiert. So fängt das bei vielen an. Wir haben sogar einen 16-Jährigen im JU-Kreisvorstand – das ist doch klasse. Bei mir war es das Driburger Jugendparlament, wo ich erste Erfahrungen in der politischen Debatte gemacht habe. Bei der JU heißt das Motto »50 Prozent Politik, 50 Prozent Spaß«. Das zieht. Es ist eine sehr positive Erfahrung, sich mit Gleichgesinnten für eine Sache einzusetzen und auch, sich mit Andersdenkenden inhaltlich auseinander zu setzen. All diese Erfahrungen bieten wir jungen Leuten an – die sind wertvoll.

Welches Programm haben Sie für 2019 im Angebot?

Rexhepi: Wir planen eine Prag- und Dresden-Fahrt. Auch geht es zum Landtag nach Düsseldorf. Inhaltlich gibt es Diskussionsveranstaltungen und einen Workshop mit einem »App«-Experten. »Fit fürs Mandat 2020« war eine Vorbereitung für alle, die in politischen Gremien in den Städten oder im Kreis ab 2020 mitarbeiten möchten. Das war für viele sehr lehrreich.

Viele Schüler, auch die Abiturienten, haben nach ihrem Schulabschluss nicht eine Rats- oder Ausschusssitzung besucht oder waren gar im Kreistag. Kann das denn wahr sein?

Rexhepi: Leider ist das so. Wir als JU wollen dieses Defizit beheben und motivieren junge Leute, sich die Arbeit in den Gremien anzusehen. Eigentlich sollte wirklich jeder Schulabsolvent im Sinne unserer Demokratie einmal als Schüler ein politisches Gremium besucht haben. Dies sollte thematisiert werden.

Welches politische Thema ist Ihnen wichtig?

Rexhepi: Ich bin ein großer Sympathisant des Zieles »Nachhaltigkeit«. Der in Höxter wohnende frühere Bundesumweltminister Prof. Klaus Töpfer hat Nachhaltigkeit schon vor Jahrzehnten in Deutschland hoffähig gemacht. Das imponiert mir. Ich möchte mich auch dafür einsetzen, dass Umweltthemen nicht immer nur – wie von den Grünen – mit unzähligen Verboten belegt werden. Das schafft keine breite Akzeptanz und ist schade um die oft wichtige Sache.

Interessiert die Leute heute Politik überhaupt noch?

Rexhepi: Ja, natürlich. Aber die Themen werden weniger, die ziehen. Schön an einer JU-Mitgliedschaft ist es, die Möglichkeit zu haben, konstruktiv an vielen Feldern von Sachpolitik zu arbeiten, zu lernen und etwas zu verändern. Das bietet eine wirkliche Alternative zum populistischen Gerede Anderer oder dem abgehobenen und verkopften Diskutieren besonders im linken politischen Spektrum. Wir folgen nicht irgendeiner Ideologie. Wir sagen den Leuten nicht, wie sie zu leben haben. Wir möchten Politik für die Menschen machen, besonders für die jungen Leute hier im ländlichen Raum. Wir sind in den Sozialen Medien unterwegs, und wir wollen uns stärker medial zu lokalen Themen äußern. Da könnte auch die Mutterpartei CDU kreisweit ein paar mehr Duftmarken setzen.

Warum ist es so schwer, junge Leute in die Gremien zu bekommen?

Rexhepi: Das war schon in früheren Jahrzehnten so. Zu Schulzeiten sind viele noch dabei, dann verlassen sie den Kreis Höxter, um ihre Ausbildung oder Studium außerhalb des Kreises Höxter zu absolvieren. Dann sind potenzielle Kandidaten schnell weg. Und bei den Rückkehrern stehen Karriereaufbau und Familiengründung erst einmal im Mittelpunkt. Darum sind wir froh, wenn der eine oder andere sich meldet, der Zeit für die Politik opfern will. Besonders Frauen sind willkommen.

Merz, Spahn oder AKK? Wer hat Ihnen mehr imponiert?

Rexhepi: Mir geht es so wie vielen im Kreis Höxter. Eigentlich war ich inhaltlich eher bei Friedrich Merz als neuem CDU-Bundesvorsitzenden und habe das im WESTFALEN-BLATT sogar öffentlich gesagt. Annegret Kramp-Karrenbauer hat in den vergangenen Wochen aber als Persönlichkeit und inhaltlich gepunktet. Von ihrer Wahl geht etwas Positives für die CDU aus. Jens Spahn ist ein Mann der Zukunft. Von dem hören wir noch. Merz hat leider enttäuscht – auch durch sein merkwürdiges Verhalten nach der Wahlniederlage auf dem Hamburger Parteitag.

Junge Union

110.000 junge Menschen finden in der JU ihre politische Heimat. Die Junge Union ist damit die größte politische Jugendorganisation Europas. Als Teil der Unionsfamilie bekennt sich die Junge Union zu den christlich-demokratischen Grundwerten, Überzeugungen und Zielen. Wie die Mutterpartei CDU. Die JU versteht sich als Antriebsfeder und kraftvollen Motor einer ständigen personellen und inhaltlichen Erneuerung in den Unionsparteien. Das Wertefundament ist christlich-demokratisch und liberal, weil die freiheitliche Demokratie, das Zusammenspiel von Eigenständigkeit und Verantwortung zusammengehören.

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