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Erinnerung an NS-Opfer am 75. Jahrestag der KZ-Auschwitz-Befreiung in Höxter und Beverungen

Jugend gestaltet Gedenkfeiern

Höxter/Beverungen (WB). Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz jährt sich am 27. Januar zum 75. Mal. In den nächsten Tagen wird weltweit in vielen Formen an die Verfolgung und den Massenmord an den Juden erinnert, auch im Kreis Höxter. In Beverungen soll am Montag, 27. Januar, um 18 Uhr während einer Gedenkfeier auf dem Marktplatz der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden. Die Sekundarschule Dreiländereck hat die Federführung übernommen. Schüler haben sich im Unterricht intensiv vorbereitet.

Michael Robrecht

Jedes Jahr gestalten KWG-Schüler die Feier am 27. Januar im Saal des Pins-Forums. Foto: Michael Robrecht

Im Forum Jacob Pins in der Westerbachstraße in Höxter findet eine weitere große Gedenkfeier „75 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau“ am Montag um 18 Uhr statt. „Alle Bürger sind zu einem gemeinsamen Gedenken von Stadt, VHS und Jacob-Pins-Gesellschaft eingeladen“, sagte Fritz Ostkämper, JPG-Vorsitzender.

Am 27. Januar vor 75 Jahren befreiten sowjetische Soldaten der Roten Armee die letzten noch lebenden Gefangenen des Konzen-trationslagers Auschwitz. Der frühere Bundespräsident Roman Herzog regte 1996 den 27. Januar als Gedenktag dafür an. 2007, damals in der eiskalten Baustelle des Heisterman-von-Ziehlbergschen Adelshofes in Höxter, fand erstmals eine zentrale Gedenkveranstaltung für Höxter statt. Schüler der Realschule und des Schulorchesters des König-Wilhelm-Gymnasiums gedachten vor 13 Jahren in einer bewegenden Gedenkstunde der Opfer in Auschwitz und der übrigen Nazi-Vernichtungslager. Es wurde eine Tradition. „Das Forum ist heute zentraler Erinnerungsort für die 86 Juden aus Höxter und den dazugehörenden Dörfern, die Opfer des Rassenwahns der Nazis wurden“, sagte Fritz Ostkämper. Der Vorsitzende der Jacob-Pins-Gesellschaft und Bürgermeister Alexander Fischer werden am Montag Ansprachen halten. Wie jedes Jahr habe ein Geschichtskurs der 12. Jahrgangsstufe des König-Wilhelm-Gymnasiums das Programm vorbereitet, um an das Geschehen zu erinnern, kündigte Ostkämper an. Der Schwerpunkt 2020 liege bei den Juden und besonders bei den Sinti und Roma, die aus Höxter direkt nach Auschwitz deportiert worden seien. Einige der Jugendlichen haben in den Herbstferien mit einer jahrgangsübergreifenden KWG-Schülergruppe Auschwitz (Polen) besucht und waren tief beeindruckt sowie erschüttert von den NS-Verbrechen.

Zeittafel in Höxter

Im Pins-Forum wird an alle Höxteraner Juden erinnert. In 30-jähriger Arbeit hat Fritz Ostkämper über alle Familien Material sammeln können und Kontakt zu Nachfahren aufgenommen. Auch aus Höxter sind acht Menschen jüdischer Herkunft im KZ Auschwitz umgekommen.

1938/39: Nach der Pogromnacht am 9. November 1938 bleiben alle jüdischen Läden in Höxter endgültig geschlossen und die Juden geben auch die letzten von ihnen betriebenen Geschäfte auf. Die Arisierung gilt auch für die Häuser. Die Juden werden nach und nach in wenigen Häusern („Judenhäusern“) zusammengepfercht.

13. Dezember 1941: Zusammen mit Juden aus den Dörfern und aus ganz Ostwestfalen wird die erste Gruppe von 20 Höxteraner Juden in das Ghetto Riga deportiert, wo viele in Nebenlagern arbeiten müssen. Siegfried Simson wird bereits Anfang 1942 wegen Brothandels erschossen. Andere kommen in den folgenden zwei Jahren um. Die meisten übrigen werden im Juli 1944 bei Heranrücken der Front erschossen. Neben einzelnen anderen wird die Familie Uhlmann nach Stutthof verbracht, weil Gustav Uhlmann Mitglied der Lagerpolizei ist. Seine Frau und sein Sohn sterben in Stutthof. Gustav Uhlmann aus Höxter, Carla Pins und Helmut Löwenstein aus Fürstenau sind die einzigen Überlebenden der mehr als 85 deportierten Juden aus dem Gebiet der heutigen Stadt Höxter.

31. März 1942: Die zweite Gruppe von fünf Höxteraner Juden wird in das Warschauer Ghetto deportiert. Sie sind seitdem verschollen.

11. Juli 1942: Als dritte Gruppe werden vier Jüdinnen aus der Stadt und weitere Juden aus den Dörfern nach Auschwitz deportiert und ermordet, die für den folgenden Transport nach Theresienstadt noch zu jung waren.

31. Juli 1942: Nach der vierten Deportation der noch verbliebenen meist älteren 17 Juden nach Theresienstadt gibt es in Höxter keine Juden mehr. Ein Teil kommt bereits nach kurzer Zeit um. Die übrigen werden zur Vernichtung nach Treblinka und Auschwitz in die KZ verbracht. Keiner überlebt. Für die Juden aus den Dörfern gilt dasselbe.

Auf der Pins-Internetseite ( www.jacob-pins.de) finden Interessierte in der Rubrik „Jüdische Bürger in Höxter“ die kompletten Lebengeschichten der 86 jüdischen Höxteraner.

Mahnmal und Konzert

Weitere Aktivitäten im Kreis Höxter vor dem Hintergrund des 27. Januar ist das neue Mahnmal an der Kirche in Fürstenau, das nach dem Besuch des letzten lebenden Holocaust-Überlebenden aus Höxter im Jahr 2018, Harry Lowenstein, in Kürze aufgestellt wird. In Marienmünster ist am 9. Mai ein Gedenk-Konzert für die Opfer der Kriege mit 90 Sängern des niederländischen Chores „Amicitia“ geplant. Diese Woche

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