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»Spendiert«-Gläser stehen bald in allen Westbomke-Filialen in Höxter und Umgebung

Kaffee und Brot für Bedürftige

Höxter/Boffzen (WB). Einem fremden Menschen eine Tasse Kaffee, einen Kuchen oder auch ein Brot ausgeben zu können, der es sich nicht leisten kann – das kann bald jeder Kunde in den Filialen der Bäckerei Westbomke. Diese Idee aus Italien hat Melanie Süßmilch in die Region geholt.

Harald Iding

Initiatorin Melanie Süßmilch (links) freut sich, dass die Firma Westbomke in allen 18 Filialen nach Ostern eine besondere Aktion starten wird. Man kann dann als Kunde einem anderen unbekannten Gast, der es sich nicht leisten kann, einen Bon für einen Kaffee, ein Brot oder Kuchen ausgeben. Sylvana Westbomke findet die Idee klasse. Foto: Harald Iding

»Bei meinem letzten Urlaub in dem EU-Land habe ich von dem ›Caffè sospeso‹ gehört – einem ›aufgeschobenen Kaffee‹. Ich wollte wissen, was sich dahinter verbirgt. Es geht darum, dass man außer dem eigenen Kaffee noch einen weiteren bezahlt. Dafür wird ein Bon erstellt, den später Bedürftige, die in die Bar oder das Café kommen, einlösen können«, betonte Heilpädagogin Melanie Süßmilch im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

Süßmilch ist auch Vorsitzende des Fachausschusses für Jugend, Sport, Soziales und Integration in ihrem Wohnort Boffzen. Ihr sei es ein Herzenswunsch, dass man durch solche kleinen Gesten im Alltag anderen Mitmenschen, die eine Unterstützung für sich gerne in Anspruch nehmen würden, ein Lächeln in ihre Gesichter zaubern und den Tag versüßen kann.

Auf der Theke steht »Spendiert«-Glas bereit

Und so könnte es ab Dienstag, 3. April, ablaufen: Als Kunde betritt man eine der 18 Filialen der Landbäckerei, die von Boffzen, Brakel, Beverungen, Höxter bis Bad Karlshafen in drei Bundesländern vertreten ist. Man sagt den Mitarbeitern an der Kasse einfach, dass man zu seiner Bestellung noch etwas »Zusätzliches« kaufen will, um es direkt zu bezahlen und als Bon in das spezielle »Spendiert«-Glas auf der Theke zu ­stecken. Sylvana Westbomke zeigt sich im Vorfeld begeistert: »Wir fördern gerne dieses soziale Projekt in der Region, das von einem Verein in Leipzig in ganz Deutschland, vor allem in Großstädten, publik gemacht und unterstützt wird. Es gibt keine Verträge, alles ist ein freiwilliges Engagement. Wir werden sehen, wie diese Möglichkeit, völlig unbürokratisch anderen zu helfen, angenommen wird. Falls am Ende eines Monats noch Bons im Glas nicht eingelöst sein sollten, werden wir das gespendete Geld natürlich an die heimischen Tafeln weiterreichen!«

Menschen in Italien helfen gerne

Melanie Süßmilch ist fest überzeugt: »Es ist so einfach, andere mit einer tollen Geste des Mitgefühls glücklich zu machen. Das habe ich auch in Italien gesehen, wo sich die Einheimischen einfach freuen, Fremden spontan eine Freude zu bereiten.« Der Ursprung dieses »Spendier«-Prinzips sei zum Ende des Ersten Weltkrieges zu finden, der die Gesellschaft in arm und reich spaltete. In Italien begannen die Leute, für andere den Kaffee zu zahlen, die sich das nicht leisten konnten. Der »aufgeschobene Kaffee« fand damit seine Geburtsstunde.

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