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UNICEF und Forum Anja Niedringhaus gestalten Projekt am KWG Höxter mit – Uwe Schröder stellt Initiative vor

Kinder entwaffnen

Höxter (WB). Ein Junge sitzt in einem Karussell. Die Maschinenpistole in seiner Hand irritiert, auch wenn es eine Spielzeugwaffe ist. Denn sie gehört – gefühlt – dort nicht hin. Der Betrachter hält inne. Und schaut beklommen in das so junge Gesicht mit dem Ausdruck eines Erwachsenen.

Sabine Robrecht

Was empfindest du, wenn du dieses Foto von Anja Niedringhaus siehst? Zu dieser Frage hat Uwe Schröder Menschen aus aller Welt befragt. Im KWG rief er die Schülerinnen und Schüler auf, sich auch an der Video-Kampagne zu beteiligen. Foto: Anja Niedringhaus

Diese Aufnahme gehört zum Nachlass der weltberühmten, 2014 in Afghanistan ermordeten Kriegsfotografin Anja Niedringhaus aus Höxter (Abitur am KWG 1986). Uwe Schröder, selbstständiger Bauingenieur aus Leipzig (58), ist mit dem Foto um die Welt gereist und hat 150 Menschen dazu befragt, was sie empfinden, wenn sie dieses Bild sehen. Die Mini-Interviews hat er gefilmt. In Höxter schließt sich jetzt der Kreis, weil Uwe Schröder mit dem Forum Anja Niedringhaus in Kontakt steht. »Wir sind im Gespräch, was wir mit den Videoclips machen«, berichtete er, als er am Freitag im König-Wilhelm-Gymnasium (KWG) vor den Schülerinnen und Schülern des neunten Jahrgangs in Wort und Bild über sein Herzensprojekt »Kinder entwaffnen« berichtete.

In den Kontext dieser Mission passt das Foto von Anja Niedringhaus. Der Weltreisende ermutigte die Schülerinnen und Schüler, bei der Video-Offensive mitzumachen: »Schaut Euch das Bild an, sagt, was Ihr empfindet, filmt Euch bei Euren Statements und schickt mir die Selfie-Videos.« So können junge Menschen aus der Heimatstadt der Fotografin ein Anliegen unterstützen, für das auch sie mit ihrem Lebenswerk engagiert und mutig eingetreten ist.

»Kinder entwaffnen«: Dieses Schlagwort Uwe Schröders lässt sich wortwörtlich als Aufforderung und im übertragenen Sinn als Feststellung verstehen. Kinder vermögen es, Erwachsene zu entwaffnen. Das ist die Feststellung. Und im wahrsten Sinne des Wortes gilt es, Kinder zu entwaffnen. Das fängt bei der frühen Affinität von Kindern zu Waffen in vielen Ländern an und hört beim Missbrauch von 250.000 Kindern auf, die in unterschiedlichen Regionen dieser Welt unter Waffen stehen.

»Aktion Rote Hand«

UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, setzt sich weltweit dafür ein, die Rekrutierung von Minderjährigen zu beenden, Kindersoldaten freizulassen und ihnen dabei zu helfen, ein neues, ziviles Leben anzufangen. Das UNICEF-Team Höxter hat im neunten Jahrgang des KWG Projekttage zu diesem Unrecht an Kindern und zur weltweiten Protestkampagne »Aktion Rote Hand« mitgestaltet. Entstanden sind Plakate mit vielen roten Handabdrücken, die dem Protest gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten Ausdruck verleihen. Andere Schüler haben sich mit der Frage befasst, ob ehemalige Kindersoldaten nach diesen traumatisierenden Erlebnissen überhaupt ein »normales« Erwachsenenleben führen können. Und: »Wenn Kindersoldaten befreit und nach Hause gebracht werden, wollen manche Familien sie nicht mehr wieder aufnehmen. Wir haben uns gefragt, warum das so ist«, erzählt Frederike Mönnekes (9b) aus der Projektarbeit in ihrer Klasse.

Einen anderen Aspekt beleuchtete Uwe Schröder schließlich am Freitag. Er möchte mit seinem Herzensprojekt dafür sensibilisieren, »dass in der Kindheit der Grundstein für unüberlegten Umgang mit Waffen gelegt wird«. Auslöser für seine Ambition war ein Erlebnis 2014 in Sibirien, wo er dienstlich war. Am Rande der Parade zur 9.-Mai-Feier sah er, wie ein Junge ungeniert mit einer Kalaschnikow hantiert. »Das war für mich ein Schlüsselmoment.« Und er nahm das programmatische Motto »Kinder entwaffnen« mit auf eine neunmonatigen »Auszeit«, während der er die Welt bereiste.

In Russland im Zug traf der Leipziger auf junge Kadetten, die seit der fünften Klasse eine vormilitärische Ausbildung mit Schießen und Kampfsport absolvieren. Das Gespräch mit ihnen bestärkte Uwe Schröder in seinem Einsatz gegen frühmilitärische Ausbildungen und die Rekrutierung Minderjähriger in Armeen.

Schröder bereiste Länder wie Russland, Mexiko, Guatemala, Kolumbien, Peru und den afrikanischen Kontinent. »Kolumbien ist ein trauriges Pflaster, wo viele Kinder wieder unter Waffen geraten«, berichtete der Leipziger.

An vielen Stationen seiner Reise tauschte Uwe Schröder (Spielzeug-)Waffen gegen Fußbälle und rief Hilfsprojekte ins Leben, um die er sich weiterhin kontinuierlich kümmert.

Dr. Hans Junklewitz (von links), Bettina Fernandez, Sylvia Pietsch (alle UNICEF), Referent Uwe Schröder, Schulleiterin Heike Edeler, die Lehrer Jana Lesmann, Christian Austermühl, Christoph Heger, Dorothea Tensi, Margret Kornas und die Vorsitzende des Niedringhaus-Forums, Christine Longère. Foto:
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