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Cadmium-Werte sinken wieder – Stadt Höxter tritt OWL-Kooperation bei

Klärschlamm wird am Ende verbrannt

Höxter (WB). Knapp 1400 Tonnen Schlamm fallen jährlich in den Kläranlagen in Höxter und Ottbergen an. Künftig will die Stadt Höxter ihren Klärschlamm gemeinsam mit anderen Kommunen über die Klärschlammkooperation OWL entsorgen. Der Betriebsausschuss hat dafür am Dienstagabend grünes Licht gegeben.

Marius Thöne

Der Abwasserbetrieb »Kläranlage Höxter« in der Eugen-Diesel-Straße gehört zur Stadtentwässerung Höxter (SEH). Seit 1969 wird dort das anfallende häusliche und gewerbliche Abwasser über die mechanisch-biologische Anlage gereinigt. Mehrere Dörfer und die Kernstadt Höxter sind angeschlossen. Foto:

Das letzte Wort hat der Stadtrat, der voraussichtlich zum Jahresende einen endgültigen Beschluss fassen soll.

Bislang wird in Höxter der Klärschlamm etwa je zur Hälfte auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht und in den Müllverbrennungsanlagen Hameln und Bielefeld verbrannt. Dabei fallen in der landwirtschaftlichen Verwertung etwa 50 Euro Entsorgungskosten pro Tonne an, im Falle der Verbrennung sind es rund 100.

»Klärschlamm den Bauern anzudienen soll für kleine Kläranlagen wie unsere auch nach einer neuen Verordnung weiter möglich bleiben, allerdings wird es in der Praxis immer schwieriger, das hinzukriegen«, sagt Uwe Dierkes, Geschäftsführer der Höxteraner Stadtentwässerung. Hintergrund seien gestiegene Anforderungen aus der neuen Düngeverordnung, die die Ausbringungszeiten einschränke. Darüber hinaus würden viele Landwirte ihre eigene Gülle ausbringen und keinen Klärschlamm mehr aufnehmen.

Gemeinsame Monoverbrennungsanlage

Um dieses Entsorgungsproblem zu lösen, will sich die Stadt Höxter an der Klärschlammkooperation gemeinsam mit 78 weiteren Kommunen aus Ostwestfalen-Lippe und Südniedersachsen beteiligen. Ziel ist der gemeinsame Bau einer so genannten Monoverbrennungsanlage ausschließlich für Klärschlamm. In ihr könnten jährlich rund 40.500 Tonnen verwertet werden.

Die Klärschlammkooperation geht davon aus, dass die Entsorgungskosten bei rund 65 Euro pro Tonne liegen würden. In Betrieb gehen soll die Anlage nach Dierkes’ Auskunft aber erst ab dem Jahr 2024. Ab 2030 könnte dann auch der Phosphor aus der Asche zurück gewonnen werden und beispielsweise wieder als Düngemittel eingesetzt werden.

Bis dahin will die Stadt Höxter den Weg aus landwirtschaftlicher und thermischer Entsorgung weiter gehen. Seit 2017 sei in Höxter allerdings keine Abgabe an Landwirte möglich gewesen, weil die Cadmium-Werte in der Anlage erhöht gewesen seien, berichtet Dierkes.

Neue Düngemittelverordnung

In einer neuen Düngemittelverordnung war der Grenzwert des Schwermetalls von 10 Milligramm pro Kubikmeter Trockenmasse auf 1,5 Milligramm gesenkt worden. »Die haben wir zunächst auch einhalten können, haben den Grenzwert aber dann gerissen«, berichtet Dierkes.

Die Folge: Der gesamte Klärschlamm musste seitdem in Hameln oder Bielefeld verbrannt werden. Die Ursache ist unklar. »Normalerweise kommen erhöhte Cadmium-Werte durch Abwässer aus Druckereien oder metallverarbeitenden Betrieb zustande«, berichtet er. Messungen bei Einleitern hätten aber keine Hinweise auf erhöhte Werte des Schwermetalls, das als gesundheitsschädlich gilt, ergeben.

Mittlerweile kann Dierkes auch Entwarnung geben. Die Cadmium-Konzentration liegt nach neuen Analysen wieder unter dem Grenzwert. Eine landwirtschaftliche Entsorgung sei also möglich, allerdings derzeit nicht machbar, weil Klärschlamm erst zu Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr wieder ausgebracht werden dürfe. Die 250 Kubikmeter fassende Schlammlagerhalle an der Kläranlage Höxter war jetzt wieder voll, so dass der Schlamm am Mittwochmorgen mit Lastwagen in die Müllverbrennungsanlagen abtransportiert worden ist.

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