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Frühchen Christina macht Fortschritte und wünscht sich vom Christkind Feuerwehrsachen

Kleine Kämpferin freut sich aufs Fest

Höxter-Lüchtringen (WB). Christina möchte Feuerwehrfrau werden. Jedenfalls wünscht sich die fröhliche Vierjährige vom Christkind nichts sehnlicher als „Feuerwehrsachen“, wie sie freudestrahlend erzählt: Uniform, Helm, Atemschutzmaske. Und letztere, wenn es geht, in Grün. Denn Grün ist Christinas Lieblingsfarbe.

Sabine Robrecht

Vanessa Müller mit ihren beiden Kindern auf dem Weihnachtsmarkt in Höxter. „Bei uns schmückt das Christkind den Weihnachtsbaum“, verrät Christina voller Vorfreude. Mit ihrem Bruder Alex und der ganzen Familie genießt sie die Festtage. Foto: Sabine Robrecht

Wenn die Vorfreude auf das Fest dem kleinen Mädchen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, geht den Eltern Vanessa (26) und Adrian Müller (28) ganz besonders das Herz auf. Denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass Töchterchen Christina an diesem 24. Dezember so vergnügt im letzten Büchlein ihres Adventskalenders blättert. Ihr Leben hing an einem seidenen Faden, als sie im Mai 2015 im Klinikum Detmold zur Welt kam. Christina war 15 (!) Wochen zu früh. Sie wog 420 Gramm. Es folgten Monate des Hoffens und Bangens und später der intensiven Pflege. Denn Christina kam mit Magensonde aus dem Krankenhaus. Sie benötigte Sauerstoff zur Atemunterstützung und war an einen Monitor zur Überwachung der Pulsfrequenz und der Sauerstoffsättigung im Blut angeschlossen.

Christina liebt Spiele

Vanessa und Adrian Müller betreuten ihr Kind liebevoll und freuten sich über jeden auch noch so kleinen Fortschritt. Jetzt, an Weihnachten, erinnert sich Christinas Mama lebhaft daran, dass die kleine Maus kurz vor dem Fest 2015 den Sauerstoff nicht mehr benötigte. „Das war ihr Weihnachtsgeschenk an uns“, erzählt Vanessa Müller. Es kommt ihr vor, als wäre es gestern gewesen. Schnell kehrt die junge Mutter mit ihren Gedanken aber wieder in die Gegenwart zurück. Christina erzählt nämlich gerade von ihrem Lieblings-Gesellschaftsspiel und gibt derweil dem kleinen Bruder Alexander einen bunten Playmobil-Lkw in die Hand. Mit dem spielt er vergnügt auf Mamas Schoß, während die große Schwester das Spiel, von dem sie erzählt hat, aus dem Schrank holt.

Wunder von Lüchtringen

Als Christina Müller am 15. Mai 2015 im Perinatalzentrum des Klinikums Lippe in Detmold per Notkaiserschnitt auf die Welt geholt wurde, wog sie 420 Gramm. Ob sie überleben würde,, war nicht absehbar. Christina kämpfte aber. Und ihre Eltern standen ihr bei. Die Ärzte staunten über ihre Fortschritte. Eine Operation am kleinen Herzen verlief komplikationslos. Christina wuchs rasant. Nach zehn Wochen durfte sie vom Inkubator ins Wärmebettchen. Nach 17 Wochen kam das Baby mit 2480 Gramm Gewicht nach Hause. Und an ihrem ersten Weihnachten hatte sie ihr Gewicht verzehnfacht.

Klein Alex komplettiert das Familienglück der Müllers. Bevor er im August 2018 das Licht der Welt erblickte, machte die große Schwester einen weiteren entscheidenden Fortschritt: Sie brauchte die Magensonde nicht mehr. Es war kurz nach Christinas drittem Geburtstag. Die Familie machte Urlaub in Norwegen. Christina spuckte, wie oft, die Sonde aus. Zu der Zeit hatten die Eltern immer wieder mit ihr Essen und Trinken geübt. „Sie musste lernen, was Hunger und Durst ist. Und dass der Hunger weggeht, wenn man etwas isst.“

Diese selbstverständlich erscheinenden Empfindungen hatte sie wegen der Magensonde nicht. Vanessa Müller hatte die Sonde immer mal wieder weggelassen, damit Christina das Hungergefühl entwickelt und wahrzunehmen lernt. Das klappte aber lange nicht. Die Eltern blieben geduldig, aber am Ball. Und dann kam der Urlaub. Christinas Onkel und seine Partnerin waren mit ihrem kleinen Sohn mitgefahren. Die kleine Maus aß mit ihrem Cousin zusammen. „Das war so spannend, dass ein Tag nach dem anderen ohne Sonde verging.“ Christina meldete Hunger und aß. Von ihrer hochkalorischen Trinknahrung nahm sie mehr zu sich als mit Sonde. Das war ein Durchbruch. Ohne die Magensonde begann ein anderes Leben – und das auch noch passend vor Alex’ Geburt. „Als er im August zur Welt kam, waren wir wie eine ganz normale Familie“, sagt Vanessa Müller.

Wenn sie aus den ersten Jahren mit Christina erzählt – zum Beispiel davon, dass sie oft nachts mit ihr ins Krankenhaus musste, um die Magensonde neu legen zu lassen (am Ende konnte die junge Mutter das selbst), dann klingt immer Dankbarkeit mit: Dankbarkeit für jeden kleinen Fortschritt. Christinas Eltern haben immer an ihre Tochter geglaubt. Diese Zuversicht hat die kleine Kämpferin bestärkt und tut es auch weiterhin. Inzwischen zeigt Alex seinen Eltern, „wie es auch bei seiner Schwester hätte sein können. Man merkt jetzt, was man damals durchgemacht hat“. Aber auch mit dieser Erkenntnis hadert die 26-Jährige nicht. Im Gegenteil. Denn: „Wir hätten nicht im Traum daran gedacht, dass Christina sich so gut entwickeln würde. Der Kinderarzt strahlt immer, wenn er sie sieht, und sagt ‚Du machst mich stolz.‘“

Seit August geht Christina in den Kindergarten

Seit August geht Christina in Lüchtringen in den katholischen Kindergarten. Dort steht auch einmal pro Woche die Sehfrühförderung auf dem Programm. Die Vierjährige hat mit Brille 50 Prozent Sehkraft. Anfangs waren es noch weniger. Deshalb freut sich die Mutter über diesen Wert. Physiotherapie und Logopädie bekommt Christina auch. Mit ihren zwölf Kilogramm ist sie noch stark untergewichtig.

Trotz der Entwicklungsverzögerungen durch die extreme Frühgeburt führt die quirlige kleine Maus ein unbeschwertes Kinderleben. Ihre Mutter schaut aber auch nach vorne und hätte es gerne, wenn die Tochter ein Jahr länger im Kindergarten bleiben könnte und nicht schon 2021 eingeschult wird.

Vierjährige möchte einen Schneemann bauen

Aus diesen Gedanken holt Christina ihre Mama an diesem adventlichen Nachmittag schnell wieder heraus. Die Kleine möchte nämlich mit ihr Lieder singen. Das tut Christina für ihr Leben gern. Neben ihr und Bruder Alex sorgt derzeit dreimal in der Woche vormittags ein Tageskind für Leben im Haus. „Ich habe vor Alex’ Geburt einen Tagesmutter-Kursus absolviert.“ Mit einem vorherigen Tageskind geht Christina zusammen in den Kindergarten. Dass die beiden sich vorher schon kannten, erleichterte ihr den Start in den neuen Lebensabschnitt.

Ihrer Familie macht das starke kleine Mädchen viel Freude – besonders jetzt, zu Weihnachten, für das die quirlige Christina sich auch Schnee wünscht: damit sie endlich einen Schneemann bauen und ihm den kleinen Puppen-Kochtopf auf den Kopf setzen kann, den sie schon vor mehreren Tagen als Hut bereitgelegt hat.

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