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Traditionsreiche Party-Nacht lockt vor den Bildschirm statt in die Schützenhalle

Kölsch für zuhause

Höxter (WB). Dreieinhalb Stunden kölsche Unterhaltung sind am Samstagabend live aus dem Café Heimisch ausgestrahlt worden, etwa 5000 Euro Spendengelder für die Aktion Lichtblicke kamen zusammen. Auf den Stream zugegriffen wurde von über 2500 Geräten in ganz NRW, aber auch in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Schweden. „Das kann man wohl getrost mal drei oder vier rechnen, um auf die Zuschauerzahl zu kommen“, vermuten die Organisatoren.

Greta Wiedemeier

Ein Blick hinter die Kulissen: Das Café Heimisch haben Marcus & Markus sich für ihren Live-Stream ausgesucht und gemeinsam mit ihrem Team pünktlich ihren Platz eingenommen. Zugeschaut haben tausende Menschen. Foto: Greta Wiedemeier

Als groben Richtwert machte diese Resonanz das DJ-Duo Marcus Stiera und Markus Finger mehr als zufrieden: „Wir haben im Vorhinein schon gemerkt, dass das Interesse da ist. Aber dass es so ein Erfolg wird, hat uns doch nochmal positiv überrascht. Das WESTFALEN-BLATT durfte am Samstag einen exklusiven Blick hinter die Kulissen bei der Kölsche Nacht werfen.

„Wir wollen was Großes“

Das Filmset stand, die Moderationskarten lagen bereit. „Wir haben uns sehr gut vorbereitet“, waren Marcus und Markus sich sicher. Bloß das fehlende Feedback würde ungewohnt werden. „Noch 30 Minuten“, tönte es vom Technik-Team. Prompt stieg die Spannung im Raum merklich an. In welche der drei Kameras musste man den Blick noch gleich richten? Waren die Mikros richtig angebracht? Und wo lagen die Kopfhörer? Ein Live-Stream ist selbst für die erfahrenen DJs nicht alltäglich. Sie organisieren bereits seit elf Jahren regelmäßig Kölsche Nächte in und um Höxter, zu denen bis zu 1000 Besucher erscheinen. In der vergangenen Woche sollte es wieder soweit sein: Die Veranstaltung in Bredenborn war ausverkauft, das Programm stand. Doch dann mussten Marcus und Markus umplanen. Schnell war klar: „Nur Musik streamen reicht uns nicht. Wir wollen was Großes.“ Mit Verlosungen, Video- und Telefongrüßen aus den Bürgerstuben und von den Höhnern, einem Studiogast und natürlich Musik sollte das kölsche Lebensgefühl in die Wohnzimmer übertragen werden.

Im Intro durch den Kreis Höxter

Wenige Minuten vor Beginn wurde es dann ruhiger im Raum. Marcus kämmte noch einmal seinen Bart durch, Markus warf zum wiederholten Mal einen Blick auf seine Moderationskarten und übte den ein oder anderen Satz Richtung Kamera. Dann folgte der Countdown und im Café Heimisch hätte man eine Stecknadel fallen hören können. „Wir wollten den Krieg – jetzt müssen wir ihn auch bestreiten“, stellte Marcus Stiera noch schnell fest und war kurz darauf voll in seinem Element. Das vorproduzierte Intro, in dem eine Fahrt durch den gesamten Kreis Höxter simuliert wurde, funktionierte reibungslos, die Begrüßung ebenfalls und als der Videoplayer sich aufhängte, improvisierte man einfach und gab Insiderwissen zu den Kölner Bands an die Zuschauer weiter. Der Plan B der Technik hieß an diesem Abend „Giga Cube“: Falls das Internet doch einmal ausfallen sollte, wäre laut Madeline Sprock von „madeye films“ dieses technische Gerät eingesprungen. Doch das war nicht nötig und nach wenigen Minuten klappten auch die Übergänge zwischen Film- und den Live-Sequenzen.

Viele Spenden

Doch die beiden Familienväter hatten nicht nur die Unterhaltung, sondern auch den guten Zweck im Blick: In der Woche vor dem Live-Stream konnten in Verbindung mit einer Spende Songwünsche abgegeben werden, so dass bereits im Vorhinein etwa 3000 Euro zusammenkamen. Weil Menschen Hoffnung brauchen – der Slogan der Aktion Lichtblicke passte an diesem Abend wohl so gut wie nie.

Die Menschen vor den Bildschirmen waren froh über die Ablenkung, versammelten sich in kleinen Gruppen und feierten das kölsche Lebensgefühl, wie René Buttgereit von der gleichnamigen Werbeagentur aus den Nachrichten der Zuschauer erfuhr. Er hatte während des Streams alle Hände voll zu tun: Eine Live-Spende nach der anderen von Einzelpersonen, Vereinen und Unternehmen trudelte über Whatsapp ein, wurde auf Zettelchen geschrieben, an die Moderatoren weitergegeben und kam in die Losbox. Denn die zahlreichen kölschen Bands hatten nicht nur Grüße geschickt, sie hatten auch Fanartikel zur Verfügung gestellt. Im Laufe des Abends stieg der Spendenbetrag noch einmal um rund 2000 Euro an.

„Su lang mer noch am Lääve sin“

Als der Stream kurz vor Ende abrupt abbrach, hatten sich weder das DJ-Duo noch das Technik-Team etwas vorzuwerfen: Youtube selbst hatte sie kurzerhand rausgeworfen. Doch auch das war kein Problem: Zu den passenden Klängen von „Su lang mer noch am Lääve sin“ war man kurze Zeit später wieder auf Sendung.

Übrigens: Nach der Kölschen Nacht in Bredenborn im kommenden Jahr, sollen 2022 die „Räuber“ nach Ottbergen kommen. „Wir hoffen natürlich alle, dass ein Live-Stream dann nicht mehr von Nöten ist“, so Markus Finger.

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