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Neue „Berufsfachschule für Gesundheit/Soziales“ ab 2021 geplant – dritte Säule des Berufskollegs Brede Brakel

Kreisdirektor kritisiert Kannibalismus

Brakel/Höxter

Das Berufskolleg Brede will sein schulisches Angebot ausweiten. Neben dem bisherigen Schwerpunkt „Wirtschaft und Verwaltung“ mit dem Beruflichen Gymnasium und der Fachoberschule tritt zum neuen Schuljahr 2021/22 ein neuer Bildungsgang hinzu – die „Berufsfachschule für Gesundheit/Soziales“. Damit stelle sich die Schule noch breiter auf, erklärte die Brede-Leitung.

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Präsentieren die Brede-Pläne für eine neue „Berufsfachschule für Gesundheit/Soziales“: Dörte Jäger-Hillmann, Schulleiter Matthias Koch, die künftige Klassenlehrerin Anne Katrin Frischemeier, Abteilungsleiter Reinhard Dittrich sowie Christiane Seehase. Foto: Brede Brakel

Im Kreistag gab es am Dienstag scharfe Kritik an dem Vorhaben der Privatschule Brede. Man hätte sich über Gespräche im Vorfeld gefreut, so die Kreisspitze. Kreisdirektor Klaus Schumacher nahm kein Blatt vor den Mund: Die Brede solle in einen Dialog mit allen kommunalen Verantwortlichen treten. Der Ersatzschulträger setze auf „Kannibalismus“, spielte er darauf an, dass das Kreisberufskolleg Brakel genau dieses Angebot, was die Brede jetzt als neuen Bildungsgang verkaufe, seit vier Jahren erfolgreich anbiete. Die Befürchtung des Kreises: Es entsteht eine Konkurrenzsituation, die dem Kreisberufskolleg Schüler kostet.

Pläne der Brede

Was plant die Brede? „Schon immer haben die Verantwortlichen des Berufskollegs Brede und seiner Vorläufer den Arbeitsmarkt genau im Blick behalten sowie auf gesellschaftliche und technische Neuerungen rechtzeitig reagiert. Die Berufsfachschule für Gesundheit/Soziales wird deshalb ab dem Schuljahr 2021/22 die neue, zukunftsweisende dritte Säule des Berufskollegs Brede, wohingegen die Höhere Handelsschule ein Jahr später auslaufen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung der Brede. Weiter biete man im Berufsfeld Wirtschaft/Verwaltung das Berufliche Gymnasium und die Fachoberschule an.

„In Gesprächen mit Eltern und Schülern, mit dem Kollegium, mit Kooperationspartnern und Unternehmen, mit der Agentur für Arbeit und nicht zuletzt mit der Bezirksregierung Detmold und dem Schulträger wurde schon im vergangenen Schuljahr deutlich, dass neben dem bewährten Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung ein zweiter Schwerpunkt im Bereich Gesundheit/Soziales etabliert werden sollte“, erklärte Reinhard Dittrich, Abteilungsleiter des Berufskollegs Brede. Der neue Bildungsgang ergänze das katholische Profil der Schule. Gleichzeitig vergrößerten sich die Wahlmöglichkeiten.

Weiter heißt es: Die Entscheidung fiel auf den zweijährigen Vollzeitbildungsgang, in dem durch das Absolvieren von verpflichtenden und freiwilligen Praktika die Fachhochschulreife erreicht werden kann. Die Profilfächer mit erhöhter Stundenzahl sind dabei Gesundheitswissenschaften sowie Sozial- und Erziehungswissenschaften. Angesprochen werden sollen Schülerinnen und Schüler nach dem Erwerb der Fachoberschulreife (mittlerer Bildungsabschluss), die sich für Arbeitsfelder in der Krankenpflege, Sozialpflege, in der Sozial- und Heilpädagogik, im Rettungsdienst, in der Rehabilitation, aber auch für ein Studium im Gesundheitsbereich interessieren. Besonders interessant für zukünftige Schüler: „Bei uns werden die Schülerinnen und Schüler bei der Suche nach Praktikumsbetrieben und bei der Bewerbung um eine Ausbildung unterstützt“, sagt Annette Lücht, die für die Berufsorientierung verantwortlich ist.

Der neue und alle weiteren Bildungsgänge der Oberstufen der Brede werden am Freitag, 15. Januar 2021, während eines „Tages der offenen Tür“ vorgestellt, der wahrscheinlich digital angeboten wird.

Kritik im Kreistag

Im Kreistag sagte Kreisdirektor Klaus Schumacher, er habe in den Medien von den Brede-Plänen gelesen. Wenn die Brede mehr auf Gespräche setze statt auf solch einen „Kannibalismus“, wie er den Schülerklau bezeichnete, dann hätte man vom Angebot des Kreisberufskollegs erfahren. Landrat Michael Stickeln bewertete die Hinweise des Kreisdirektors als berechtigt. Er werde sich mit der Verwaltung bemühen, in einen Dialog mit der Brede zu treten. Frank Oppermann (SPD) sprach ebenfalls von „Kannibalismus“ und forderte die Brede auf, die kreisweite Schulentwicklungsplanung und die Schülerströme zu berücksichtigen.

Einen formalen Kreistagsbeschluss brauche man nicht, die Verwaltung sehe den Wunsch der Politik, in Sachen Pläne der Brede sofort tätig zu werden.

Das sagt Brede-Schulleiter Koch

Mit Verwunderung reagiert Brede-Chef Matthias Koch auf die Kritik aus dem Kreishaus. „Wir weisen diese deutlich zurück“. Den geplanten Bildungsgang gebe es am Kreisberufskolleg gar nicht. Von einer Konkurrenz könne also nicht die Rede sein. Durch das Auslaufen der Höheren Handelsschule gebe es keine Ausweitung der Schülerschaft, sondern nur einen Wechsel im Schwerpunkt. Auch das Kreisberufskolleg hat in der Vergangenheit häufiger einen Bildungsgang gewechselt oder einen neuen hinzugefügt. Darüber sei die Brede im Vorfeld nie informiert worden. „Ich kann von daher gar nicht nachvollziehen, dass der Kreisdirektor die Schulen der Brede so scharf für ein Verhalten kritisiert, das der Kreis in der Vergangenheit immer in der gleichen Weise gehandhabt hat“, so Koch. Selbstverständlich sei er an einem konstruktiven Austausch interessiert, gerne auch in den Kreistagsgremien.

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