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In Kamp-Lintfort endet das Großereignis – Geschäftsführer zieht im WB-Gespräch Bilanz und blickt auf Höxter 2023

Landesgartenschau beflügelt Region

Kamp-Lintfort/Höxter (WB). An diesem Sonntag, 25. Oktober, steuern die Höxteraner das Landesgartenschaugelände in Kamp-Lintfort am Niederrhein an, um einen besonderen Schatz in die Weserstadt zu bringen. Der symbolische „Spaten“ der Landesgartenschau 2020 wird offiziell im Beisein der NRW-Ministerinnen Ursula Heinen­Esser und Ina Scharrenbach an die Vertreter der Stadt Höxter und der „Landesgartenschau Höxter 2023 gGmbH“ feierlich übergeben.

Harald Iding

Die Landesgartenschau 2020 in Kamp-Lintfort schließt an diesem Wochenende ihre Türen. Die nächste LGS ist in Höxter 2023 geplant. An diesem Wochenende erfolgt die feierliche Spatenübergabe mit Vertretern der Landesregierung. Foto: dpa

Mit dem „Laga 2020“-Geschäftsführer Heinrich Sperling in Kamp-Lintfort sprach das WESTFALEN-BLATT im Vorfeld des Festaktes über die Höhepunkte und Herausforderungen der Schau, die Besucherzahlen, die positiven Erlebnisse und Sperlings Wünsche für Höxter.

Der Startschuss zu der Sonderschau in der niederrheinischen Stadt (am westlichen Rand des Ruhrgebiets) verlief zunächst alles andere als erwartet – die Corona-Pandemie machte dem geplanten Beginn im April einen Strich durch die Rechnung.

Heinrich Sperling: „Nach der langen Zeit der Vorbereitung wollten wir endlich eröffnen – und durften es nicht.“ Aber sie hätten darum gekämpft und schließlich nachweisen können, dass bei entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln in dem weitläufigen Gelände ein Besuch zu vertreten ist und die Menschen auch darauf warten würden.

Am 5. Mai war es schließlich soweit – und für Sperling der bislang schönste Moment. „Als wir die Türen öffneten und die ersten Besucher begrüßen konnten – das war einfach wunderbar!“ Immerhin hatten sie seit der Bewerbung vor sechs Jahren schon lange auf diesen Augenblick hingefiebert.

Ehrenamt als wichtige Säule

Sperling ist in der Rückschau davon überzeugt, dass man genau richtig gehandelt hat und das vorgelegte Hygienekonzept (beispielsweise ausreichend Abstand halten und bei Unterschreitung oder in Räumen wie den Themenpavillons Schutzmaske tragen) während der rund 160 Veranstaltungstage voll aufgegangen ist.

„Wenn wir nun den aktuellen Anstieg der Infektionen deutschlandweit sehen, dann hatten wir genau das richtige Zeitfenster von Mai bis in den Oktober.“

Und mit etwas Glück könnten sie das Ziel bis zum Wochenende noch schaffen, den 450.000.Besucher willkommen zu heißen. Das hätten viele am Anfang der Pandemie mit dem drastischen Lockdown in NRW (ab März) nicht erwartet. Was allerdings ausgeblieben sei, war die große Zahl an Reisebussen. „Die ausgewiesenen Parkplätze haben wir dann sehr schnell für die Autos der Besucher zur Verfügung gestellt.“

Heinrich Sperling, Geschäftsführer der Landesgartenschau, steht an der Blumenhalle. Die Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 ist die 18. des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa

Es steuerte in den vergangenen Monaten nämlich so gut wie kein Bus das Gelände an – sicherlich bedingt durch Corona. Bislang hätte man schon mehr als 430.000 Gäste am Eingang der Landesgartenschau gezählt. Insgesamt gibt es 14.000 Dauerkartenbesitzer.

Inklusive der Teilzeitkräfte gehörten zum Team rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Sehr stark arbeiteten wir vor Ort mit dem Ehrenamt zusammen. So haben wir für die Informationen im Eingangsbereich eine ehrenamtliche Besetzung, ebenso für die Steuerung des Besucheraufkommens.“

Heinrich Sperling betont: „Ohne diese ehrenamtliche Unterstützung wäre die Ausrichtung der Landesgartenschau 2020, wie wir es praktiziert haben, nicht möglich gewesen!“ Die Bevölkerung habe sich laut Sperling im starken Maße bei der Landesgartenschau eingebracht, dazu gehörte neben der Besucherbetreuung zum Beispiel die Spielplatz-Kontrolle.

Die Bauzeit in Kamp-Lintfort für die Landesgartenschau sei relativ kurz gewesen, nachdem im September 2018 im Beisein des NRW-Ministerpräsidenten ein Baum in einer Baustelle (quasi als „erster Spatenstich“) gepflanzt wurde und auch die ersten Arbeiten nach außen hin sichtbar waren.

Übersicht auf das Gelände von Bergwerk West (Luftaufnahme mit Drohne). Foto: dpa

„Dann sind wir aber mit einer gewissen Vehemenz ans Werk gegangen“, sagt Sperling. „Mit voller Kanne haben wir erst im Jahr 2019 anfangen können.“ Im baulichen Bereich konnten sie dabei auf ehrenamtliche Unterstützung setzen, zum Teil als Initiative von Schulen und von Einzelpersonen, „die einfach mithelfen wollten“.

So seien zum Beispiel die Pflanzgefäße für die Sommerblumen, die im Gelände zu bewundern sind, von Schülern aus Holz gebaut worden. Auch in einigen Gärten – wie dem „Garten Eden“ (mit Vertretern der Kirchengemeinden und Religionsgemeinschaften) – sei das Ehrenamt bei der „Laga 2020“ stark vertreten gewesen. Und die temporären Ausstellungsgärten wie der „wir4-Pavillon“ (Verbund der Städte Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg) oder der „Landschaftsgärtnertreff“ (Berufsverband) seien ebenfalls gut angenommen worden.

Von dieser Landesgartenschau als Plattform hätten die Menschen in der Region direkt profitieren können, Mehrere hunderttausend Menschen seien über das Großereignis erreicht worden – auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Positives Image

Nach München in 1983 (damals noch als Mitarbeiter gärtnerisches Ausstellungswesen) wird Höxter in drei Jahren die 14. Landesgartenschau sein, an der Heinrich Sperling (seit 1995 immer als Geschäftsführer) mitwirken wird. Er gehört neben Claudia Koch (Stadt) zur Geschäftsführung der Durchführungsgesellschaft (Landesgartenschau Höxter 2023 gGmbH).

In diesem Jahr seien verstärkt die alten, traditionellen Werte einer Landesgartenschau zum Tragen gekommen. „Pflanzen, Blumen und Garten sind in den Fokus gerückt.“ Mit Abstand und Muße hätten die Gäste diese grüne Welt erlebt und genossen. Wegen der Pandemie konnten dagegen nur sehr kleine Veranstaltungen ausgerichtet werden.

Neues Wohnquartier

„Diese Gartenschau hatte im Gegensatz zu allen Veranstaltungen vorher etwas Besonderes – das war Corona und die Auflagen“, so Sperling. In Kamp-Lintfort soll auf dem Areal unter anderem ein neues, relativ großes Wohnquartier entstehen. „Der Park wird weiterhin Bestand haben – als öffentlich zugänglicher Stadtpark“, blickt Sperling positiv nach vor.

Es sei ein gelungenes Beispiel von einem Übergang einer ehemaligen Zeche zu einem Wohngebiet. Aus der Industriebrache entwickelt sich neues Leben, das würde die ganze Region beflügeln. „Die Schau schafft durch ihre Kommunikationsleistung eine sehr gute Möglichkeit, das Image nachhaltig wie positiv zu verändern!“ So eine Entwicklung wünsche er sich auch für Höxter. Als Geschäftsführer freue er sich auf den Austausch mit den Bürgern.

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