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Im Mai 2022 messen sich die besten Blasorchester mit böhmisch-mährischem Schwerpunkt

Lüchtringer holen EM an die Weser

Höxter-Lüchtringen (WB). Im Fußball, in der Leichtathletik im Handball – in fast jeder Sportart gibt es Europameisterschaften. Eine ganz besondere wird im Mai 2022 in Lüchtringen ausgetragen. Und die hat nichts mit Sport zu tun. Im Weserdorf messen sich die besten Blasorchester in der Disziplin böhmisch-mährische Blasmusik.

Marius Thöne

Christoph Missing (von links), Sven Schafer und Christoph Schafer gehören zu einem insgesamt elfköpfigen Komitee, das die EM vorbereitet. Selbst mitspielen wollen die Lüchtringer nicht, weil sie ihre Aufgabe in der Organisation sehen. Foto: Marius Thöne

»Die Blaskapelle Lüchtringen hat sich mit Erfolg um die Ausrichtung beworben«, berichtet Dirigent Sven Schafer. 15 bis 20 Kapellen aus ganz Europa werden dazu in Lüchtringen erwartet. »Insgesamt werden wohl so um die 400 Musiker kommen«, sagt Christoph Missing als Vorsitzender der Blaskapelle. Der Wettbewerb in vier Klassen (Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe und Höchststufe) soll in der Bürgerhalle stattfinden. Dort bewerten drei professionelle Juroren das Können der Blasmusiker.

Auch regionale Blasmusiker bekommen Bühne

Kommentar

Spätestens, wenn die Blaskapelle beim Schützenfest die berühmte Vogelwiese spielt, hält es keinen Gast mehr auf den Stühlen. Ja, böhmisch-mährische Blasmusik ist in. Sie verbindet Generationen. Viele Texte können Kinder und Senioren gleichermaßen mitsingen. Insofern setzt die Blaskapelle Lüchtringen mit der EM auf einen Trend. Die Ausrichtung eines solchen Ereignisses bedeutet aber vor allem viel Arbeit. Und dass die Lüchtringer diese schultern, ist ihnen hoch anzurechnen. Wenn alles glatt läuft, entsteht bis 2022 ein wirkliches Aushängeschild für die Region zwischen Diemel und Weser. Marius Thöne

Die Lüchtringer, die gerade einen Festausschuss für dieses in der Vereinsgeschichte ungewöhnliche und wichtige Ereignis gegründet haben, wollen aber auch, dass die EM und die böhmisch-mährische Blasmusik für ein breites Publikum sichtbar werden. So ist der Bau eines Zeltes auf dem Festplatz geplant.

Dort sollen zum einen die Wettbewerbsteilnehmer aufspielen, zum anderen aber auch Blasmusikformationen aus der Region, die sich in der Tradition von Ernst Mosch und seinen Egerländer Musikanten und damit auch in der Tradition der böhmischen Blasmusik sehen.

Das Gespräch suchen wollen die Lüchtringer zum Beispiel mit den »Eggeländern«. Die Formation setzt sich aus Musikern rund um Dringenberg zusammen. Ebenso angesprochen werden soll die Kapelle »Junger Schwung« aus dem Warburger Land. Um Kontakte zu knüpfen und für die Meisterschaft im Kreis Höxter zu werben, reist eine Abordnung aus Lüchtringen bereits an diesem Wochenende zum 100-jährigen Bestehen des Musikvereins Nörde.

Lüchtringen ist nördlichster Ausrichter

»Die Europameisterschaft hat überregionale Bedeutung für das Leben in der Region, weil die böhmisch-mährische Blasmusik auch bei jungen Leuten wieder ankommt«, sagt Missing. »Wir planen einen Großevent für Blasmusikfreunde in der Region«. Lüchtringen ist bislang nördlichster Ausrichter des Wettbewerbs. Seit 2000 gibt es die EM, die meist in Süddeutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien oder Südtirol ausgetragen wurde.

Die Oberaufsicht hat der Internationale Musikbund CISM (Confédération Internationale des Sociétés Musicales). Zu den Jurymitgliedern gehörten bisher in der Szene bekannte Namen wie Franz Watz. Watz, der im Banat geboren wurde, ist Komponist böhmischer Blasmusik und war bis 2013 Dirigent der Stadtkapelle Ehingen (Baden-Württemberg). Dort wurde 2014 die EM ausgetragen.

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