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Leidenschaftliche Restauration: Höxteraner Axel Winklbauer siegt in England

Maschine von 1931 wird zur »Königin«

Höxter (WB). Axel Winklbauer aus Höxter hat sie aus einem dunklen englischen Kohlenkeller ans Tageslicht gebracht und aus der Maschine von 1931 eine wahre Königin unter den »Royal Enfields« geschaffen. In England gewann er mit seinem Motorrad direkt den Siegerpokal.

Harald Iding

Da steht sie in voller Pracht: die originalgetreu restaurierte Royal Enfield, Modell KS 31 (S wie Spezial), Baujahr 1931. Sie hat den begehrten V-Motor mit 976 ccm Hubraum und einer Leistung von rund 23 PS, eine große Acht-Zoll-Lampe, einen Amal-Spezial-Lenker sowie eine seltene analoge Uhr. Foto: Harald Iding

Der Meister der Zweiradmechanik aus Höxter ist ein begnadeter und jetzt auch preisgekrönter Oldtimer-Enthusiast. Seit vier Jahrzehnten ist der gebürtiger Höxteraner bereits Mitglied im englischen »Royal Enfield Owners Club« und gilt dort längst als Spezialist für Vorkriegsmotorräder mit »V-Motor«.

»Classic British Bike Club«

Als Royal Enfield-Spezialist (das erste Motorrad wurde vom Werk 1901 gebaut) wird Winklbauer auch im deutschen »Classic British Bike Club« geschätzt. Zu der großen Jubelfeier im elf Autostunden entfernten Dorchester in Südwesten Englands (40 Jahre Royal Enfield Owners Club) hatte der leidenschaftliche »Handwerksmeister mit akademischen Hintergrund« im Bulli jetzt einen ganz besonderen »Schatz« mitgebracht: Eben seine »KS 31«, die er in zehn Jahren in mühevoller Kleinstarbeit und mit größter Hingabe wie »Phönix aus der Asche« zu einem neuen alten, glänzenden Star der Oldtimer-Szene gemacht hat.

Älteste Motorradmarke der Welt

Und weil die Jury bei der Wertung der schönsten Motorräder feuchte Augen vor Freude bekam, erzielte das ­Bike des deutschen Schraubers und Royal Enfield-Anhängers (sie gilt als älteste Motorradmarke der Welt) den Sieg bei der britischen Großveranstaltung als »Best in Show«-Motorrad. Das war wie eine Inthronisierung einer »Königin auf zwei Rädern«.

Dabei war in den 90-er-Jahren der erste Blick auf seine neue Liebe alles andere als viel versprechend. »Die Maschine befand sich in einem Kohlenkeller, war gammelig, aber irgendwie schön«, erzählt Axel Winklbauer im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT von seinen Eindrücken.

Die Enfield war dort von einem Sammler neben anderen Motorrädern seit 1968 eingelagert. »Ich habe per Inserat in Fachpublikationen Jahre lang nach genau diesem Spezialmodell KS 31 mit V-Motor gesucht. Dann meldete sich der Besitzer und es dauerte noch einmal sechs Jahre, bis er sich schließlich endgültig von dem Oldtimer trennen konnte. Fotos gab es nicht und wir brauchten allein drei Stunden, um das Bike aus dem Keller zu holen. Der Tank und das Schutzblech waren verbeult, die Gabelfeder gebrochen. Sie hatte einen Motorschaden, die Kurbelwelle war defekt und es war schon der vierte und damit letzte Kolbensatz verbaut.«

Zehn Jahre lang am Bike geschraubt

Aber Axel Winklbauer ist ein Kämpfer und hat alle fehlenden Teile besorgt beziehungsweise originalgetreu angefertigt. Seit fast zehn Jahren führt er erfolgreich eine Motorradwerkstatt im Gewerbegebiet »Zur Lüre« und hatte so lange auch die »KS 31« nach Fertigstellung eingelagert. Seine Meisterprüfung hat der Umschüler (»Mit 39 Jahren begann ich eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker«) übrigens mit der Bestnote »Eins« (Theorie) bestanden. Die Praxis, die liegt ihm sowieso.

In der Werkstatt »thront« nun neben Rollern und Motorrädern verschiedener Marken die englische »Dame«. Auch der gläserne Pokal hat einen Ehrenplatz.

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