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Iranischer und Deutscher Karate-Champion Reza Arash Robatipour trainiert im Keller in der Brenkhäuser Straße

Meister kämpft im Flüchtlingsheim

Höxter (WB)

Vier Autoreifen simulieren den sportlichen Kontrahenten: Der athletische Mann im weißen Kampfanzug mit dem schwarzen Gürtel bringt die Gummireifen in Bewegung. Reza Arash Robatipour ist in seinem Element. Im Keller der Flüchtlingsunterkunft in der Brenkhäuser Straße 39 in Höxter trainiert der iranische und deutsche Champion an diesem Vormittag.

Jürgen Drüke

Im Keller der Flüchtlingsunterkunft in der Brenkhäuser Straße hält sich Reza Arash Robatipour fit. Foto: Jürgen Drüke

„Am Nachmittag geht es zur Arbeit ins St. Ansgar Krankenhaus“, sagt der 30-Jährige. Im ehemaligen Offiziersheims der General-Weber Kaserne hat sich der mehrfache iranische Champion sowie Deutsche Meister von 2018 und 2019 seinen Trainingsraum eingerichtet. Vier Autoreifen hängen unter der Decke, Hanteln, Trimmgeräte, Werkzeuge sowie die iranische und deutsche Nationalfahne als Dekoration an den Wänden des Kellerraums – hier hält sich der Karte-Champion jeden Tag drei bis vier Stunden auf. Dabei fällt in dem etwa 20 Quadratmeter großen Raum ein Kreuz mit Jesus besonders ins Auge. „Im Iran wurde ich nicht mehr für das Nationalteam berücksichtigt, weil ich mich zum Christentum bekannt habe.“ Seit seinem siebten Lebensjahr übt Robatipour den Kampfsport aus. „Wir sind eine sportliche Familie“, sagt der Powermann. Mit seinen Eltern, zwei Schwestern und zwei Brüdern hat er in der Provinzstadt Ahvaz am Persichen Golf gelebt. „Während sich einer meiner Brüder für den Fußball entschieden hat und Fußballprofi geworden ist, stand bei mir Karate ganz oben auf der Liste.“ Zehn Jahre gehörte der junge Sportler dem iranischen Karate-Nationalteam an.

Arash Robatipour ist zweifacher Deutscher Meister. Foto: Jürgen Drüke

„Hier in Deutschland fristet Karate ein Schattendasein. Dabei würde ich gerne dazu beitragen, dass dieser tolle Sport aufgewertet wird.“ Für die internationale Karate-Organisation Kyokushinkaikan Deutschland, ein in Frankfurt am Main ansässiger Verein, hat der Weltklassesportler bereits Deutsche Meisterschaften 2018 und 2019 in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm eingefahren. „Raza Robatipour stellt einen unentbehrlichen Teil der deutschen Kämpferriege dar“, setzt sich der Vorsitzende des Frankfurter Vereins in einem Brief dafür ein, dass dem Iraner ein Reisepass ausgestellt wird. So könne er an internationalen Meisterschaften im Ausland teilnehmen. „Es ist mein großer Traum, meine Qualitäten in internationalen Vergleichen in die Waagschale zu werfen. Bisher kann ich nur bei nationalen Meisterschaften dabei sein“, sagt der Schwarzgurtträger (dritter Dan). Aktuell besitzt Reza Arash Robatipour laut eigener Aussage nur eine Duldung, die alle drei Monate verlängert werde.

Vor Treckerreifen macht der Weltklassesportler keinen Halt. Foto: Jürgen Drüke

Im Flur des Kellers liegt ein großer Treckerreifen. Den bewegt der Karate-Kämpfer regelmäßig. „Das sind etwa 45 Kilogramm, die Arash nach vorne und wieder zurück wirft“, stellt Sozialcoach Thorsten Süßmilch heraus, der den jungen Mann unterstützt und bei täglichen Dingen des Lebens hilft. „Arash ist ein Kämpfer in jeder Hinsicht. Er trainiert mit großer Leidenschaft und Hingabe. Er ist ein Super-Typ“, hält Dirk Lücke, Hausmeister in den beiden Flüchtlingsunterkünften an der Brenkhäuser Straße, große Stücke auf den Bewohner des Flüchtlingsheims. „Den hohen Schnee nutzt der Champion aktuell für Lauf- und Krafteinheiten. Sie seien eine ideale Ergänzung zum Kellertraining.

Dirk Lücke, Hausmeister der Flüchtlingsunterkunft, hält große Stücke auf den Neuen. Foto: Jürgen Drüke

„Die Arbeit im St.-Ansgar- Krankenhaus macht mir zudem großen Spaß.“ Dort kümmert sich Robatipour um die Bettwäsche. „Training und Arbeit. Das ist mein Tag“, betont Reza Robatipour, der hier Fuß fassen will. „In Höxter werde ich unterstützt. Dafür bin ich dankbar.“ Im Keller der Flüchtlingsunterkunft trainiert der Champion unterdessen weiter.

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