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Zirkus Knie mit Weltstar Alexander Lacey in Holzminden – Tierhaltung im Fokus

Mit Löwen und Tigern aufgewachsen

Holzminden (WB). Fast 100 Menschen sind daran beteiligt, wenn der Zirkus Knie in der Holzmindener Steinbreite seine Zelte aufschlägt. Das Programm ist bunt, lustig und wagemutig gestaltet. Auch Tiershows gehören bei dem Zirkus aus der Schweiz dazu. In diesem Jahr ist das Highlight die Show um die Löwen und Tiger des Engländers Alexander Lacey.

Sarah Schünemann

Der achtjährige »Massai« ist seit seiner Geburt bei dem Weltstar Alexander Lacey. Der Engländer kennt seine Tiere gut und weiß, wann er mit ihnen arbeiten kann und wann er sie besser in Ruhe lässt. Das habe wenig mit Mut zu tun, meint er. Foto: Sarah Schünemann

Kampf mit der Bürokratie

»Wenn früher der Zirkus in der Stadt war, ging die Familie spontan dort hin und kaufte sich Karten«, weiß Zirkusdirektor Sascha Melnjak, der den Zirkus 2007 von der Schweizer Familie Knie übernahm. Heute sei alles geplant und weniger spontan. Das zeigt sich, wie in vielen Branchen, auch im Bürokratieaufwand. »Diese Zeit würden wir alle lieber anderweitig nutzen«, führte der gelernte Kaufmann fort.

Der Zirkus sei ohne staatliche Unterstützung, wie sie beispielsweise Theater erfahren, auf sich alleine gestellt – »Und das obwohl der Zirkus auch deutsches Kulturgut ist«, sagte Melnjak. Es gibt viele Auflagen und Genehmigungen, um die sich die Mitarbeiter des Zirkus’ mittlerweile kümmern müssen. Regelmäßig werden dabei auch die Tiere durch das Veterinäramt kontrolliert. Kritik an der Haltung von Wildtieren gab es in der Vergangenheit vor allem von Tierrechtsorganisationen.

»Wir wollen den Tieren nichts Böses«

Ein Thema, mit dem sich auch Direktor Melnjak auseinandersetzen musste. »Es ist einfach, Vorwürfe zu machen. Wir sind in der Situation, dass wir diese Aussagen widerlegen müssen. Und das haben wir: Es gibt wissenschaftliche Beweise, die zeigen, dass der Transport bei den Tieren keinen Stress auslöst«, erklärte er. Wer sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetze, sehe auch, dass die Tiere zufrieden seien. »Wenn ich ehrlich bin, tut es auch weh, dass einem solche Vorwürfe gemacht werden. Wir lieben die Tiere und wollen ihnen nichts Böses, ganz im Gegenteil«, sagte er weiter und stellte mit Alexander Lacey einen erfahrenen Dompteur und Tierliebhaber vor, der diese Aussage stützte.

Jeden Tag unter Löwen und Tigern

Der Engländer arbeitete in den letzten sechs Jahren im »Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus«, dem größten Zirkus der Welt aus den Vereinigten Staaten. Die Familie des 42-Jährigen arbeitet seit 50 Jahren mit eigenen Löwen und Tigern zusammen. Die Tiere bleiben über Generationen bei ihnen. Zum ersten Mal stand Lacey mit zwölf Jahren ohne schützenden Zaun mit den Raubtieren in der Arena. »Unsere Löwen und Tiger werden in den Zirkus hineingeboren und langsam an die Showwelt herangeführt. Ich verbringe jeden Tag mit ihnen und kenne sie sehr gut«, so Lacey. Alle Tiere seien mental sehr stabil. Sowohl Löwen als auch Tiger seien geistig durch die verschiedenen Trainings mit natürlichen Bewegungsabläufen immer gefordert. Das halte sie fit.

Zwischen Angst und Disziplin

»Unsere Tiere werden bis zu 25 Jahre alt, in freier Wildbahn werden Männchen meist nur zwölf. Und: Im Gegensatz zu Zoo-Tieren ohne mentale Herausforderungen sind sie dann noch gesund und agil«, sagte der Weltstar. Seine mittlerweile 13 Tiere kennte er alle seit der Geburt. Es gebe einen großen Unterschied zwischen Angst und Disziplin. Ängstliche Tiere, weiß der erfahrene Dompteur, verstecken sich und gehen nicht von sich aus auf Menschen zu. »Das zeigt auch, dass es den Tieren gut geht«, erklärte Lacey und begleitete den Löwen Massai zurück zu seinem Abschnitt in dem 500 Quadratmeter großen Außengehege.

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