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Zirkus Charles Knie gibt an diesem Wochenende vier Vorstellungen in Holzminden

Nervenkitzel und pure Romantik

Holzminden (WB). Ohne zu zögern betritt Alexander Lacey (43) den großen Käfig, der auf dem Festplatz Steinbreite in Holzminden aufgestellt ist. Dann bittet er Cashmere aufzustehen, der es sich in einer Art großem Swimmingpool gemütlich gemacht hat. Cashmere ist ein Tiger und tritt an diesem Wochenende im Zirkus Charles Knie auf.

Angelina Zander

Das Diorio’s Team aus Brasilien überholt sich bei ihrem Auftritt waghalsig in einer Motorradkugel. Die Ballett-Tänzerinnen werden die Attraktionen mit ihren Darbietungen einleiten. Der Zirkus Charles Knie gastiert an diesem Wochenende auf dem Festplatz Steinbreite in Holzminden. Foto: Angelina Zander

Früher habe Cashmere mit seiner Tochter in einem Bett geschlafen, berichtet Lacey, der nur Englisch spricht. Der Tiger wurde mit der Hand aufgezogen, lebte, bis er sechs Monate alt war, bei der Familie. »Dann musste er gehen, er hat zu viele Schuhe angekaut.«

Ob die Arbeit mit den Tieren nicht gefährlich ist? »Sie sind nicht gefährlich, solange du weißt, was sie gerne tun. Manche sind faul, andere aktiv. Das Training ist leicht wenn man weiß, wo ihre Stärken liegen.« Sein gesamter Tag drehe sich um die Raubkatzen. In der Show seien sie dann nur zwölf Minuten zu sehen.

Neues Programm erstellt

Seine Familie trainiere die elfte Generation der Löwen, die neunte der Tiger. Die Tiere seien im Zirkus geboren, berichtet der Tierlehrer. Mit acht Monaten beginne das Training. »Vorher sind sie wie Kinder im Kindergarten.« Wenn sie drei Jahre alt sind, treten sie vor Publikum auf.

Im Gegensatz zu Zebra, Känguru und Co. gehören die Raubkatzen nicht dem Zirkus, sondern Lacey. Er ist mit ihnen auch in Amerika aufgetreten. Jetzt ist er Teil des neuen Programms, das Zirkusdirektor Sascha Melnjak präsentiert: »Neue Artisten, neue Regie, neues Licht.«

In der Nacht zu Freitag reiste das Team bestehend aus 96 Personen aus 13 Nationen an. »Wir haben Donnerstag bis ein Uhr nachts in Goslar abgebaut«, berichtet Melnjak. Am Freitag folgte der Aufbau in Holzminden und am Montag werde in Münster das Zelt aufgebaut.

100 Wildtiere werden transportiert

Das bedeutet auch: 100 Tiere müssen verladen, transportiert und abgeladen werden. Für die Tiere sei das kein Problem, so Melnjak. Sie seien damit groß geworden. Auch einen Stresstest habe der Zirkus einmal durchführen lassen. Das Ergebnis: »Weder vor, während, noch nach dem Transport sind die Tiere gestresst.« Ob Tiere in der heutigen Zeit noch zu einem Zirkus dazugehören? »Das wird von einem klassischen Zirkus erwartet. Clowns, Artisten, Tiere: Das sind die drei Säulen. Ich finde das ist nichts Verwerfliches.«

Deshalb sind viele Wildtiere im neuen Programm zu sehen. »Wir haben ein Programm der Kontraste«, so Melnjak. Das bedeute: Spektakuläres treffe auf Romantisches. Vereint wird dies im Auftritt des Duo Romance. Die Artisten hängen an Bändern unter der Zirkuskuppel. Für Nervenkitzel soll das Diorio’s Team sorgen, Motorradfahrer, die in einer Kugel ihr Können zeigen. Ein Orchester, eine Show-Ballett-Gruppe, das Todesrad und viele weitere Auftritte sollen das Publikum begeistern.

Vorstellungen in Holzminden

Vier Mal öffnet das Zirkuszelt auf dem Festplatz Steinbreite: Am Samstag um 16 und 19.30 Uhr sowie am Sonntag um 11 und 15 Uhr. Erwachsene zahlen 15 bis 36 Euro, Kinder 12 bis 31 Euro. Die Vorstellung am Sonntag um 11 Uhr ist eine Familienvorstellung: Hier zahlen alle Besucher zehn Euro (Loge 15 Euro). Tickets gibt es ab 10 Uhr an den Zirkuskassen.

Kritik von Peta

Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert den Zirkus Charles Knie dafür, dass er Wildtiere in seiner Show einsetzt. »Es ist unerhört, dass im Jahr 2019 noch Tiger und Löwen in engen Käfigen von Stadt zu Stadt transportiert und mit der Peitsche dressiert werden«, sagt Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta.

Die Tiere werden laut der Organisation einer »Stresstournee« ausgesetzt, indem sie häufig von Stadt zu Stadt transportiert werden. »Die Tierschutzorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen und Krankheiten«, heißt es in einer Mitteilung von Peta.

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