WB-Serie „Digitale Welt bei der Polizei“ (Teil 3): Smartphone-Lösung für alle Beamten im Streifendienst

Neues Diensthandy als Arbeitsgerät

Kreis Höxter

Die digitale Arbeitswelt hat die Polizei direkt vor Ort, am Einsatzgeschehen, erreicht. Was zunächst als Pilotprojekt mit drei Behörden in NRW begann, betrifft nun flächendeckend alle Beamten im Streifendienst. Jeder „operativ“ arbeitende Polizist, so das Ziel von Innenminister Herbert Reul, soll Zugang zu den neuen Smartphones haben – entweder als persönliche Ausstattung oder im Rahmen eines „Pool-Gerätes“.

Harald Iding

Das neue Diensthandy als Arbeitsgerät hat die 24-jährige Polizeikommissarin Nicole Pezena in der Weste immer dabei. Sie nutzt die Apps regelmäßig. Foto: Harald Iding

Die 24-jährige Polizeikommissarin Nicole Pezena, die aus dem Kreis Steinfurt stammt, nutzt täglich so ein „iPhone, Modell 8“ während ihres Wach- und Wechseldienstes im Streifenwagen. Sie kennt sich als geschulte „Multiplikatorin“ bei der Kreispolizeibehörde Höxter gut aus mit dem neuen Arbeitsmittel und den zur Verfügung stehenden Apps. Weitere Programme für das „Polizei-Handy“ seien bereits geplant.

Diese polizeispezifischen Anwendungsprogramme auf dem Handy bieten nicht nur Zeitersparnis, sondern erleichtern den Beamten auch die Erfassung von umfangreichen Daten. Das fängt schon beim Verkehrsunfall mit mehreren Beteiligten an. „Wir können die Personalausweise per Handy scannen und erhalten alle wichtigen Daten digital. Das ist hilfreich bei komplizierten Namen. Das funktioniert auch bei Kennzeichen“, beschreibt sie die Vorzüge.

„Wir scannen das Kennzeichen per Handy ab oder geben die Buchstaben- und Zahlenkombination ein – und erhalten digital alle Daten rund um Fahrzeughalter und eventuelle polizeilichen Einträge.“ Bislang liefen solche Abfragen ausschließlich über den Sprechfunk (Digitalfunk) – verbunden mit den Kollegen der Leitstelle der Polizeibehörde (sie ist im Höxteraner Hauptgebäude zu finden).

Vor der Einführung des Digitalfunks in 2014 beherrschte rund 80 Jahre lang die analoge Funktechnik als mobiler „UKW-Landfunkdienst“ die polizeiliche Kommunikation – mit allen Schattenseiten wie Funk­löchern. Mit dem Smartphone ist die dritte Ebene, also die „Kommunikation 3.0“, erreicht. Bei den Geräten handelt es sich um besonders geschützte Handys, weiß die Beamtin Pezena. Verschlüsselte Übertragungen und ein zertifiziertes Rechenzentrum der Polizei würden die Sicherheit der Daten garantieren. Insgesamt investiere das Land NRW rund 50 Millionen Euro in die mobile Kommunikation. „Damit werden wir im Bereich der mobilen Kommunikation die am besten ausgestattete Polizei Deutschlands sein“, verspricht Innenminister Reul.

Bereits mehrere Apps sind im Einsatz – und das mit Erfolg. Dazu Nicole Pezena, die zum Team der Bad Driburger Wache gehört: „Es gibt eine Auskunftsapp. Sie ermöglicht uns den Abgleich mit dem Datenbestand der Polizei. Auch verfügt das Handy über einen Dokumentenscanner zum Einlesen von Personalausweisen, Führerscheinen und Kennzeichen.“

Daneben gibt es einen speziellen Messenger – quasi eine „WhatsApp“ nur für Polizisten. Auch eine Notizbuch-App ist vorhanden. Die auf dem Smartphone gespeicherten Notizen könnten so direkt in das Bearbeitungsprogramm der Polizei für Vorgänge („ViVA“) übertragen werden. Komplexe Arbeitsvorgänge können auf diese Weise aus einer Hand bearbeitet werden. Bislang mussten die Beamten zu Block und Kugelschreiber greifen, um Sachverhalte und Notizen aufzunehmen.

Fahndungsanfragen lassen sich jetzt schneller lösen. Ebenso sieht es bei einer Vermisstensuche aus. „Vor Ort können wir mit dem Handy ein Foto der vermissten Person erstellen, das uns Angehörige zur Verfügung stellen – um es direkt an die Leitstelle und damit an alle anderen Streifenwagen weiterzuleiten“, nennt Nicole Pezena einen weiteren Vorteil. Polizeisprecher Jörg Niggemann: „Alle Kollegen im Wach- und Wechseldienst haben jetzt so ein Handy. Daneben gibt es noch zusätzliche Pool-Geräte.“

Startseite