Vor 25 Jahren: Höxteraner Werner Puschmann rettet mit Knochenmarkspende seinen „genetischen Zwilling“

Neues Leben für Donna in Amerika

Höxter/New London

Für den selbstständigen Fahrlehrer Werner Puschmann aus Höxter ist es damals nur ein kleiner Schritt gewesen – aber für Donna Ruel öffnete sich vor genau 25 Jahren die Tür zu einem neuen Leben.

Harald Iding

Zwei Jahre nach der erfolgreichen Knochenmarkspende über die DKMS liegen sich 1998 in Amerika Spender Werner Puschmann und Empfängerin Donna Ruel (beide sind damals 48 Jahre alt) in den Armen. Foto: Privat Foto:

Die Amerikanerin aus New London bei Boston (Bundesstaat Connecticut) hat vor einem Vierteljahrhundert eine Knochenmarkspende von Werner Puschmann aus Höxter erhalten. Die Freude über das neue Lebensglück der an Leukämie erkrankten Erzieher hat bis heute nichts an Tiefe verloren. Im Gegenteil, sie fühlen sich als „genetische Zwillinge“, die trotz der enormen Distanz zueinander gefunden haben.

An ihrem Ehrentag (Sonntag) haben die beiden miteinander über das Internet gechattet und die vielen schönen Erinnerungen ausgetauscht. Dem WESTFALEN-BLATT verriet Puschmann, dass er seinen Schritt damals nie bereut hätte. Im Gegenteil, es habe sein Leben geprägt. Noch heute würde der 71-Jährige, wenn er jünger wäre, eine Knochenmarkspende über die DKMS leisten. An den Beginn dieser großen Freundschaft zu einem bis dahin völlig fremden Menschen kann sich Puschmann, der in seiner Freizeit unter dem Künstlernamen „Wernando Putschino“ schon seit 40 Jahren als Magier mit viel Humor den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, noch sehr gut erinnern.

„Es war das Jahr 1990. Damals wurde im WESTFALEN-BLATT zu einer Typisierungsaktion im Kreishaus Höxter aufgerufen. Zu dieser Zeit war ich Fahrlehrer in Höxter. Beim Fahrerwechsel in der Mittagszeit bin ich schnell in die Kreisverwaltung gelaufen, dort hat man mir Blut abgenommen, Daten aufgenommen und dann ging die Fahrausbildung auch schon weiter.“ Puschmann erhielt daraufhin Post von der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei), dass er in der Datei registriert sei. „Sechs Jahre lang hörte ich dann nichts, bis schließlich dieses Schreiben vom Januar 1996 bei mir eintraf“.

Ein dicker Aktenordner steht bei den Puschmanns im Regal. Seine Ehefrau Evelyn (68) hat ihm bei allen Entscheidungen zur Seite gestanden und war auch am Sonntag wieder bei dem Internet-Austausch mit Donna Ruel dabei.„Plötzlich lag vor 25 Jahren Post der DKMS im Briefkasten, ich wäre als Spender ausgesucht worden. Ich sollte mich telefonisch melden, ob ich überhaupt noch spenden möchte. Ich habe sofort zurückgerufen und die Frage mit einem klaren ‚Ja‘ beantwortet. Dann machte die DKMS einen Termin bei meinem Hausarzt aus, an dem Blut von mir abgenommen wurde.“ Es vergingen einige Wochen des Schweigens, so Puschmann.

„Im April 1996 kam dann die Bestätigung, dass ich der richtige Spender sei. Nun konnte ich mir eine Uni-Klinik aussuchen, an der die Knochenmarkentnahme stattfinden sollte. Als Kind des Ruhrpotts (Mühlheim an der Ruhr) habe ich mir die Klinik in Essen ausgesucht. Am 24. April 1996 bin ich mit dem Zug dorthin gefahren und am nächsten Tag fand unter einer Vollnarkose der Eingriff statt. Zwei Tage später durfte ich die Klinik bereits wieder verlassen.“

Vor der OP konnte er den Pfleger noch fragen, wohin denn die Spende gehen würde. Die Antwort fiel knapp aus, denn eigentlich bleiben die Daten in dieser Phase streng geheim. „Der Empfänger lebt in Amerika und wiegt 45 Kilogramm.“ Mehr hätte der Pfleger nicht gewusst. Wie Puschmann später erfahren hat, ging der Transport der Knochenmarkspende sehr schnell. „Zwei Spezialisten aus Boston warteten schon vor dem OP. Mit dem Taxi ging es zum Flughafen und dann direkt in den Bundesstaat Connecticut. Per Hubschrauber wurden sie dort zur Klinik geflogen, wo Donna Ruel mit Herzklopfen auf ihre Rettung wartete.“ Ihr ging es damals sehr schlecht, sie war immer müde und abgeschlagen. Es war an ihrem Geburtstag als sie erfuhr, dass es einen passenden Spender gibt.

Werner Puschmann (71) und Ehefrau Evelyn (68) aus Höxter haben mit „Donna und Bob“ aus den USA (hier als Erinnerung auf einer Fan-Tasche) zwei Freunde fürs Leben gefunden. Foto: Harald Iding

Auf der Station im Krankenhaus von Boston lagen mit ihr zehn Personen, die transplantiert wurden. „Sechs Personen sind gestorben, das war sehr hart für mich“, erinnert sich Donna Ruel. Ein Jahr später flatterte wieder ein Brief der DKMS in den Postkasten von Werner Puschmann. „Es war die Nachricht, dass ich mich mit dem Empfänger austauschen könnte. Dazu gab es den Namen, die Adresse und die Telefonnummer. Ich habe natürlich gleich in Amerika bei Donna angerufen. Das 15-minütige Übersee-Gespräch kostete 15 Mark, die habe ich aber gerne bezahlt. Meine Frau Evelyn, dessen Vater aus London stammt, half mir bei der Übersetzung.“

1998 haben sich die Höxteraner dann über den großen Teich gewagt und Donna und ihre Familie (mit Ehemann Bob) besucht. „Dort war Großer Bahnhof für uns angesagt, auch Fernsehstationen interviewten uns“, so Puschmann. Immer wieder sei er von den Reportern gefragt worden: „Why?“ – also warum er gespendet habe. Seine Antwort überraschte sie: „Für mich ist das doch nur ein kleiner Schritt, aber Donna rettet es ihr Leben!“

Dieser „genetische Zwilling“ sei wohl seltener als mancher Lottogewinn – und Donna Ruel ist bis heute dankbar. Sie wünsche sich eine ebenso große Spendenbereitschaft in Amerika wie in Deutschland. Und was waren ihre schönsten Erlebnisse in den letzten 25 Jahren? Dazu Donna Ruel: „Ich durfte erleben, wie meine sieben Enkelkinder geboren wurden und ich mit Bob längere Reisen in den USA unternehmen konnte.“ Zwei Mal war sie schon zu Gast in Deutschland – aber im Herzen, da ist die fröhliche Amerikanerin täglich bei den Puschmanns zu Gast, die stolz zum „Donna‘s Support-Team“ gehören.

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