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Mutter beschwert sich über rücksichtslosen Schulbusverkehr in Höxter

„Nicht auf dem Rücken der Kinder“

Brenkhausen (WB). „14 Verletzte bei Schulbusunfall“. Diese Meldung (am 18. August im WESTFALEN-BLATT) ist die Horrorvorstellung der zahlreichen Eltern, die ihre Kinder morgens mit dem Bus in die Schule schicken. Zu ihnen gehört seit Jahren auch Tina Benincasa aus Brenkhausen.

Ralf Brakemeier

Tina Benincasa und ihr Sohn Marlo Mats an der Bushaltestelle „Denkmal“ in Brenkhausen. Seit einigen Tagen besucht der Sechsjährige die Petrischule in Höxter und hat bereits viele schlechte Erfahrungen im Bus gemacht. Foto: Ralf Brakemeier

Ihr Sohn Marlo Mats besucht seit vergangener Woche die Petrischule in Höxter. Und während ihre älteren Kinder (13 und 15 Jahre), sie fahren täglich zur Hoffmann von Fallersleben-Realschule nach Höxter, wenig klagen können, hat die vierfache Mutter in den vergangenen Tagen „enorme Schwierigkeiten“ bei der Beförderung der Grundschulkinder festgestellt. „Die Busbeförderung ist eine mittlere Katastrophe“, schimpft die Brenkhäuserin. Nach ihrer Auffassung müssten mehr Busse eingesetzt werden. Die Fahrzeuge seien zu voll, vor allem die I-Dötze mit der Situation komplett überfordert. „15 Kinder stehen mit Ranzen, Sportbeutel und Mundschutz im Gang, können sich nicht richtig festhalten und wissen nicht, wo sie aussteigen sollen“, hat Tina Benincasa selbst beobachtet. Sie sieht auch und vor allem die Busfahrer in der Pflicht.

Bus kommt voll an

Schon wenn der Bus die zentralen Haltestellen in Brenkhausen anfahre, sei er oft bereits mit Schülern aus Bosseborn, Ovenhausen und Lütmarsen voll besetzt. Die besorgte Mutter, die sich seit Jahren ehrenamtlich für die ordnungsgemäße Beförderung der Schulkinder in Höxter einsetzt: „Außerdem muss der Grundsatz gelten, dass zuerst die ersten, dann die zweiten Klassen einsteigen und so weiter. An den Zielpunkten müsste eindeutig gesagt werden, welche Schüler hier aussteigen müssen.“ Ältere Schüler, die zum Beispiel Sitze mit ihren Taschen blockieren oder jüngere Schüler drangsalierten, müssten zur Ordnung gerufen werden. Hierfür seien die Busfahrer verantwortlich. Auch werde nach ihrer Beobachtung, sie hat ihren Sohn bei den ersten Fahrten zur Grundschule im Bus begleitet, viel zu schnell gefahren. Benincasa: „Ob es an der zu engen Taktung liegt und die Busfahrer sich so beeilen müssen, weiß ich nicht.“ Das Gesetz schreibt vor, dass Busse auch auf Landstraßen nicht schneller als 60 km/h fahren dürfen, wenn es nicht für alle Fahrgäste einen Sitzplatz gibt. Die besorgte Mutter habe aber beobachtet, wie der Bus teilweise mit 90 km/h und stehenden Kindern gefahren sei. Beim ruckartigen Anfahren seien darüber hinaus etliche Schulanfänger „durch den Bus gepurzelt“, berichtet Tina Benincasa.

Probleme auch in Bosseborn

Auch aus anderen Ortschaften habe es Beschwerden gegeben, sagt die Brenkhäuserin. In Bosseborn hätten Eltern die Kinder am Freitag selbst zur Schule bringen müssen, da der Bus nicht gekommen sei, zudem seien auf der Rückfahrt Bosseborner Kinder bis Lütmarsen im Bus gewesen, da sie durch das volle Gedränge im Bus nicht rechtzeitig aussteigen konnten. Vor allem für die Schulanfänger, die in Sachen Schulbusverkehr noch unerfahren seien, ein Unding, findet Tina Benincasa. Nach der vierten Stunde, berichtet sie, fahre der Bus erst nach Bosseborn, dann über Ovenhausen und Lütmarsen nach Brenkhausen. „Da sind die Kinder in der Hitze und mit Masken eine Stunde unterwegs. Mit dem Auto wären es fünf Minuten.“ Benincasa fordert, dass ein gesonderter Bus für die Kinder aus Lütmarsen und Brenkhausen eingesetzt wird, wie es früher gewesen sei.

Anschnallpflicht

Darüber hinaus regt die engagierte Mutter an, grundsätzlich neue Regeln für den Schülerbusverkehr anzudenken. Benincasa: „Wenn wir eine Anschnallpflicht für alle Kinder hätten, wäre das Problem gelöst.“ Vor einigen Jahren hätten Eltern und Schulkinder die Busfahrer noch mit Namen gekannt. Tina Benincasa ermutigt alle Eltern, die Fahrer ruhig anzusprechen und sie auf ihre Pflichten hinzuweisen. Für Eltern, die ebenfalls Probleme mit dem Schulbusverkehr haben, möchte die Brenkhäuserin Ansprechpartnerin sein (E-Mail: tinabenincasa79@gmail.com). Sie beschäftige sich schon seit gut vier Jahren mit der Problematik und werde Beschwerden an die zuständige Stelle weiter leiten.

Schnell handeln

Gemeinsam mit anderen Eltern möchte sich die Mutter aus Brenkhausen mit den Schulen, dem nph und der Stadt Höxter an einen Tisch sitzen. Tina Benincasa: „Es kann nicht sein, dass diese Schwierigkeiten auf den Rücken der Kinder ausgetragen werden. Hier muss in ihrem Sinne schnellstens gehandelt werden.“

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