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Edertalsperre stoppt am Wochenende Wasserzufuhr komplett - letzte Schifffahrten in Höxter, Corvey und Beverungen am Sonntag

Niedrigwasser: "Flotte Weser" beendet Saison 2022 und baut Anleger sofort ab

Höxter/Beverungen

Wer ab Anfang nächster Woche zur Weser zwischen Beverungen, Höxter und Corvey kommt, der erlebt ein Déjà-vu. Schon wieder Niedrigwasser! Weil die Edertalsperre ab dem kommenden Wochenende ganz konsequent kein Wasser mehr in die Fulda und damit in die Weser ablässt, muss der Linienverkehr der „Flotte Weser“ am Montag eingestellt werden.

Von Michael Robrecht

Das Personenfahrgastschiff "Höxter"  im Juli 2022  auf der noch einigermaßen gut gefüllten Weser bei Höxter am Godelheimer See: Hier begegnet sie dem Raddampfer "Kaiser Wilhelm".  Foto: Michael Robrecht

Reeder Jörg Menzel kündigte heute Morgen gegenüber dem WESTFALEN-BLATT an, dass ab Montag, 8. August, keines seiner Schiffe mehr auf der Oberweser unterwegs sein werde. „Am Sonntag, 7. August, können Gäste die letzten Fahrten wie bei Höxter machen. Das schaffen wir noch“, kündigte der Eigentümer der Weserflotte mit Fahrgastschiffen wie der „Höxter“ an.

Da zu befürchten sei, dass das fehlende Wasser aus dem leer laufenden Edersee den Weserpegel zwischen Bad Karlshafen, Höxter und Holzminden sofort bis zu 40 Zentimeter sinken lassen werde, beendet die „Flotte Weser“ die Schifffahrtssaison 2022 unfreiwillig vorzeitig und viel früher als in den Vorjahren. „Wir ziehen die Schiffe ab und  bauen alle Anleger zeitnah ab. Das wird nichts mehr an der Oberweser mit den Schiffstouren 2022“, bedauerte Reeder Jörg Menzel. Da helfe nur noch ein riesiges Gewitter oder „Unwetter mit viel Regen“, meinte er.  

In fünf Jahren sei das vorzeitige Saisonende nun schon zum vierten Mal als Unternehmen abzufangen. „Wenn wir nicht die anderen Standbeine an der Mittelweser oder Ratzeburg hätten, dann wäre das für eine Reederei wie unsere existenzbedrohend“, so der Hamelner Schiffseigner Menzel zum WB. Was mache man mit den Mitarbeitern, denen die Arbeit fehle? Auf jeden Fall laufe die Saison mit den Ausflugsschiffen im Raum Hameln und flussabwärts weiter, weil hier die Pegelstände in Ordnung seien, erklärte Menzel.

In Höxter und Beverungen kommt das neue Niedrigwasser viel früher als in anderen Jahren, wo man manchmal bis Ende August oder Anfang September noch auf der Weser fahren konnte. Reeder Menzel rechnet  vor, dass wenn der Pegel Höxter am Mittwoch 1,13 Meter anzeige, man zehn Zentimeter Sicherheitsabstand auf 1,03 Meter abziehe und durch das fehlende Wasser aus der Edertalsperre gut 40 Zentimeter Flusswasser in der Fahrrinne fehle, dann liege man schnell bei 60 Zentimeter Fahrrinnentiefe, und das reiche für seine Schiffe nicht aus. Die brauchten mindestens 80 Zentimeter Wasser in der Rinne.

Rekordtiefstwerte wurden im Jahrhundertsommer 2018 mit unter 60 Zentimeter bei Höxter gemessen. Auch 2019 und 2020 wurde die Saison auch schon vorzeitig abgebrochen.

ann Fähre Holli weiterfahren?  Foto: Michael Robrecht

Es sei schade, dass bei dem guten Sommerwetter die Schiffe abgezogen werden müssten. Aber der Todesstoß komme zum nächsten Wochenende, wo ab Samstag/Sonntag das Ederseewasser - wie vom Wasser- und Schifffahrtsamt Weser nun auch offiziell angekündigt -  ausbleiben werde.

Reeder Jörg Menzel sagte zu, dass die „Flotte Weser“ im April 2023 mit frischen Elan in die neue Saison starten werde. Man wolle die dann startende NRW-Landesgartenschau in Höxter-Corvey unterstützen und hoffe auf viele Fahrgäste in diesem besonderen Jahr. „Da legen wir viel Herzblut rein. Das haben wir den Höxteranern versprochen“, sagte der Reeder aus Hameln.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat eine aktuelle Erklärung veröffentlicht. Man beende die Wasserunterstützung der Weser jetzt: „Das Füllvolumen der Edertalsperre wird voraussichtlich am kommenden Wochenende die Grenze von 40 Millionen Kubikmeter unterschreiten. Damit endet dann die Stützung des Wasserstands der Oberweser, die Abgaben werden auf die Mindestabgabe  - statt 28 nur sechs Kubikmeter pro Sekunde an der Edertalsperre, ein Kubikmeter an der Diemeltalsperre - reduziert. Nach Ende der Stützung werden die Wasserstände auf der Oberweser deutlich abfallen. Der Effekt erreicht Höxter nach zwei Tagen zu Wochenbeginn.“ Der Edersee ist zurzeit zu 25 Prozent gefüllt und der Pegel fällt weiter stark ab. Im April war der Stausee noch randvoll.

Wie schon in den Sommern 2018 und 2019 und 2020: Die Weser - hier an der Corveyer Eisenbahnbrücke - könnte sich nächste Woche halbieren.  Überall liegen die Ufersteine frei. In dieser Nähe dieser Stelle am Kloster Corvey lag übrigens die mittelalterliche Weserbrücke, über die der Hellweg in den Solling führte. An der Weser gab es im 12. und 13. Jahrhundert nur die Brücken Höxter und Corvey – und noch keine weitere bis zur Nordsee. Foto: Michael Robrecht

Wie lange die Weserfähren in Herstelle, Wehrden und auch die neue „Flotte Holli“ betrieben werden können, das wird der Niedrigwasser-Pegel und die Anlegemöglichkeiten nächste Woche dann konkret zeigen. Alle wollen so lange es geht weiter Passagiere befördern, zumal in Höxter die Brücke gesperrt ist und das Freibad, die Freizeit- und Sportanlagen sowie der Campingplatz sofort unter dem fehlenden Fährverkehr zu leiden hätten.

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