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Höxteraner beim Weltrekord des „Corona-Orchesters“ dabei

Online musizieren

Höxter (WB). Ein Saxophon, eine Bassklarinette, eine Trompete und ein Tenorhorn machen noch kein Orchester. Doch wenn sich die dazugehörenden Musiker wie Imke Wingrat, Kira Schafer, Stefan Balke und Sven Schafer mit 1316 anderen Musiker virtuell zusammenfinden, dann macht das mächtig Sound und stellt zudem einen Weltrekord dar. Denn die vier Musiker gehörten kürzlich für einen dreiminütigen Auftritt zum größten Online-Orchester der Welt.

Bettina Schulz

Stefan Balke hat beim Online-Orchester mitgemacht. Foto: privat

Initiiert hat dieses ungewöhnliche Vorhaben Musiklehrer und Dirigent Jens Illemann aus Schleswig Holstein. Der 32-Jährige hatte Mitte März über Facebook zu einem kleinen Projekt-Versuch aufgerufen: Wer Spaß daran hat, sollte ihm ein Video von sich selber schicken, wie man ein Stück Musik spielt. Illemann hatte vorher die Noten und ein Klangbeispiel zur Verfügung gestellt. Aus allen Einsendungen kreierte er dann

ein Gesamtvideo – eine Art Collage, in der jeder Musiker kurz zu sehen war. Aus anfänglich 40 teilnehmenden Musikern sind mit den Wochen über 500 geworden bis hin zum Weltrekord mit 1320 aus 44 Nationen.

Erste Schritt auf dem Musikparkett mit acht Jahren

Die vier Teilnehmer aus dem Kreis Höxter eint nicht nur die Teilnahme und der Titel.

Sie alle verbindet, trotz ihres noch jungen Alters, eine schon gut zwei Jahrzehnte dauernde Zugehörigkeit zur Musik, speziell zur Blasmusik: Kira Schafer (25) spielt die B-Klarinette in der Blaskapelle Herstelle, wo sie zudem Dirigentin ist. Mit acht Jahren machte sie die ersten Schritte auf dem musikalischen Parkett. Ihr Mann Sven ist mit seinen 28 Jahren ebenfalls schon gut 20 Jahre in der Blasmusik unterwegs. Neben Tenorhorn betätigt er Flügelhorn und Tuba in der Blaskapelle Lüchtringen, die er auch dirigiert. Stefan Balke (32) hat das Musik-Virus vor 25 in Bödexen erfasst. Neben seinem Einsatz im Sinfonischen Blasorchester Höxter ist er mit seiner Trompete

auch in den Bereichen Jazz und Pop unterwegs. Ebenfalls zwei Jahrzehnte Erfahrung kann Imke Wingrat vorweisen. Die 29-Jährige setzt ihr Saxophon seit elf Jahren in der Blaskapelle Brenkhausen ein.

Altersbedingte Affinität zum Internet hat die vier Musiker auf dieses Orchester-Projekt aufmerksam werden lassen – und natürlich die große, Corona bedingte, musikalische Leere dieses Sommers. „Jetzt ist eigentlich Saison“, sagt Kira Schafer beinahe schon verzweifelt. „Ich kenne das seit meinem achten Lebensjahr nicht anders. In diesen Monaten geht es mit der Kapelle von Schützenfest zu Schützenfest. Dies ist mein erster ruhiger Sommer.“ Das reicht einer Vollblutmusikerin natürlich nicht. „Wir machen regelmäßig vor Ort bei Musik am Fenster mit, aber das ist auch schon alles. Durch Corona gibt es keine gemeinsamen Proben, und das fehlt mir schon sehr.“

Idee hat sofort begeistert

Das bestätigen auch die anderen Musiker. Alle fühlten sich von der Idee des Online-Orchesters sofort angesprochen. Und sahen darin auch wieder einen Ansporn und ein Ziel, mit ihrem Instrument zu regelmäßig zu. Die technische Umsetzung vor Ort forderte den einen oder anderen. Stefan Balke hatte Erfahrung in diesen Dingen, weil er bereits eine CD eingespielt hat und sich außerhalb der Blasmusik auch im Big Band-Kontext und im Jazz- und Pop-Bereich bewegt. Ihm kam sowohl die musikalische Anforderung und die Video-Produktion entgegen. Kira und Sven Schafer bestätigen ebenso wie Imke Wingrat: „Es hat schon etliche Versuche gegeben, bis die Einspielung ‚im Kasten‘ war.“ „So allein zuhause in einem Zimmer, nur mit Stativ und Handy, mit Hintergrundmusik auf den Ohren ein Stück einspielen, das war schon eine Herausforderung“, bestätigt auch Imke Wingrat. Kira Schafer fügt hinzu: „Es ist sehr ungewohnt, sich selbst spielen zu sehen. Man ist sehr kritisch, wenn man sich und sein Spiel dann beurteilen soll.“ Eine falschen Ton konnten und wollten sich alle Teilnehmer selbstverständlich nicht leisten und haben perfekt abgeliefert. „Und das obwohl man im Gesamtvideo nur einen Sekundenbruchteil zu sehen ist“, so Sven Schafer.

Von „cool“ bis „nette Idee“ reicht die Beurteilung dieses Projektes „Corona-Orchester“. Ein gemeinschaftliches Musizieren wie in ihren regionalen Kapellen und Orchestern ersetzt so ein virtueller Zusammenschnitt nicht. Da sind sich alle einig. Kira Schafer und Imke Wingrat könnten sich vorstellen, auch bei einem nachfolgenden Projekt, mitzumachen, das dann nicht den Rock/Pop-Bereich sondern die Klassik in den Vordergrund stellt.

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