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Flugzeugabsturz vor zwei Jahren: Verfahren gegen Piloten vor Amtsgericht Höxter vertagt

Opfer müssen auf Urteil warten

Höxter (WB). Vor mehr als zwei Jahren ist auf dem Flugplatz Höxter-Holzminden ein Flugzeug beim Startvorgang verunglückt. Sechs Insassen sind zum Teil schwer verletzt worden. Der damalige Pilot ist wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Gestern sollte endlich der Strafprozess stattfinden, auf den die Opfer nun schon so lange warten. Doch es kam anders.

Ingo Schmitz

Am 21. Oktober 2012 ist beim Starten zu einem Rundflug diese Maschine am Flugplatz Höxter-Holzminden mit sechs Insassen abgestürzt. Gestern sollte sich der Pilot vor Gericht verantworten Foto: Harald Iding

15 Zeugen sind über den Vormittag verteilt geladen. Darunter sind Insassen der Maschine, Vertreter der Schützengilde Höxter (die die Rundflüge verlost hat), maßgebliche Mitglieder des damaligen Betreibervereins des Flugplatzes, Augenzeugen sowie Helfer, die als erstes am Unglücksort waren.

Auch ein Sachverständiger ist im Gerichtssaal. Er hat das Flugunglück im Auftrag der Staatsanwaltschaft untersucht und die Ursache erforscht. Drei Rechtsanwälte – zum Teil weit angereist – sind da, sowie zwei Opfer, die als Nebenkläger in diesem Verfahren zugelassen sind. Auch der Angeklagte nimmt Platz. Doch die Verhandlung hat nicht einmal begonnen, da ist sie auch schon vorbei. »Vertagt!«, lautet die Entscheidung von Christina Brüning, Richterin am Amtsgericht Höxter.

Zuvor hatte sich folgendes ereignet: Zum Auftakt des Prozesstages betritt der Direktor des Amtsgerichts, Dr. Ulrich Thewes, den Saal. Es liege ein Befangenheitsantrag vor, erklärt er. Wie später deutlich wird, richtet sich der Antrag wohl gegen die Richterin – gestellt von Rechtsanwalt Rainer Frank aus Hamburg, der den Piloten verteidigt. Der Hamburger Jurist ist nach eigenen Worten Spezialist für Luftrecht und Flugunfälle. Er vertritt die Ansicht, dass das Programm, das die Richterin für den Verhandlungstag festgelegt hat, nicht zu schaffen ist. »Allein die Vorbereitung für das Plädoyer wird einige Zeit brauchen«, erläutert der Anwalt wenig später seine Bedenken.

Richterin Brüning hält ihm entgegen, dass manche Zeugenvernehmungen wohl nicht lange dauern werden. Die Beteiligung des Schützenvereins und des Luftsportvereins an diesem Unglück seien für sie Randerscheinungen, erklärt die Richterin. Sie weist den Befangenheitsantrag ab.

Als sie gerade mit der Verhandlung beginnen will, lässt der Hamburger Verteidiger die nächste Bombe platzen: Er habe keine Akteneinsicht erhalten, beklagt er. Richterin Brüning überprüft dies. Laut den Unterlagen des Gerichts sei die Akte dem Anwalt zugesandt worden. Ob sie ihn allerdings tatsächlich erreicht hat, gehe aus den Aufzeichnungen nicht hervor, stellt Christina Brüning fest. »Das ist sehr misslich. Warum haben Sie das Gericht nicht eher darauf aufmerksam gemacht?«, fragt die Richterin sichtlich verärgert. Es hilft aber nichts: Da sich die Tatsache nicht ändert, wird die Verhandlung ausgesetzt. Im Januar soll es weiter gehen – und die Zeugen schütteln verständnislos mit dem Kopf.

Während all dieser Vorgänge im Gerichtssaal würdigt der Pilot die Opfer nicht eines Blickes. Scheinbar teilnahmslos sitzt er neben seinem Verteidiger. Ein Wort der Entschuldigung habe er bis heute nicht von sich gegeben, sagen die Opfer. Ihnen sind die Ereignisse – auch wenn sie zwei Jahre her sind – noch sehr präsent: Es sollte ein vergnüglicher Ausflug werden, der am 21. Oktober 2012 in einem schrecklichen Unglück endete.

Die Insassen der Maschine hatten den Rundflug gewonnen. Zu den Opfern gehören Sascha Reick und sein Sohn Lukas. Während der junge Vater schwerste Verletzungen erlittt, blieb der Schüler nahezu unverletzt. Auch Wolfgang Demmert hat es ganz schwer erwischt. Neben den Schmerzen und den immensen beruflichen Einschränkungen sitzen sie nach wie vor auf sämtlichen Kosten, weil die Versicherung bis heute nicht gezahlt habe. Die Nebenkläger sind enttäuscht, dass das Warten nun weiter geht.

Und der Pilot? Der lehnt jede Frage ab. »Kein Kommentar!«, sagt er zum WESTFALEN-BLATT. Sein Anwalt kündigt hingegeben an, dass das Verfahren wohl durch die Sachverständigen entschieden werde. Er werde zum nächsten Termin einen eigenen Gutachter mitbringen.

Für den gerichtlich bestellten Flugunfallexperten ist die Sache übrigens eindeutig: Der sieht die Verantwortung beim Piloten. Demnach wurde das Abfluggewicht um 43 Kilo überschritten und den Fluggästen seien die Plätze nicht je nach Gewicht zugeordnet worden. Daraus resultierend sei es zu einer »kritischen Schwerpunktlage« gekommen, so dass das Flugzeug nicht stabil starten konnte. Der nächste Verhandlungstag verspricht also Spannung

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