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Dr. Moussa aus Brenkhausen bei Auslandseinsätzen im Kongo und in Ramallah

OPs unter schwierigen Bedingungen

Höxter/Brenkhausen(WB/rob). Das ist praktische und oft lebensrettende Hilfe. Der Mund- und Kiefer- sowie plastische Chirurg Dr. Ibrahim Moussa aus Brenkhausen ist erneut ehrenamtlich im Hilfseinsatz für Kinder in Krisengebieten gewesen.

Der Mund- und Kiefer- sowie plastische Chirurg Dr. Ibrahim Moussa wird bei seinen Einsätzen in unterentwickelten Ländern für seine ärztliche Kunst sehr geschätzt. Im Kongo hat er jetzt wieder vielen Kindern geholfen. Foto: Hammer Forum

Nachdem Chirurg Moussa, der in Brenkhausen wohnt, in Lemgo eine kieferorthopädische Praxis betreibt und auch in Höxters Krankenhaus und Arztpraxen ein vielkonsultierter Mediziner ist, Ende Oktober von einem Hilfseinsatz in Ramallah (Westjordanland) zurückgekehrt war, operierte er nun im November ehrenamtlich in seinem Urlaub in der Demokratischen Republik Kongo.

Ops erfordern Improvisation

Unter schwierigen OP-Bedingungen, die oftmals Improvisationen erforderten, konnte er 26 Kindern in nur vier Tagen das Leben im Kongo verbessern. Aufgrund der zahlreichen Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten ist bei den Hilfseinsätzen im Kongo, die zweimal im Jahr von der Hilfsorganisation Hammer Forum durchgeführt werden, möglichst stets ein Mund-Kiefer-Gesichtschirurg dabei. Moussa führte es dabei nun schon zum zweiten Mal in den Kongo. Die lange Anreise über Kinshasa nach Kikwit nimmt er dabei gerne hin. Denn 550 Kilometer von der Hauptstadt entfernt ist medizinische Hilfe für Kinder am notwendigsten. Deshalb reisen die Ärzteteams dorthin, wo Hilfe am nötigsten gebraucht wird: nach Kikwit.

Ärzte bringen chirurgisches Material selbst mit

»Der Kongo ist genau das richtige Projektland für das Hammer Forum«, erklärt Dr. Moussa wiederholt. In dem Universitätskrankenhaus in Kikwit gibt es zwar drei Operationssäle, jedoch sind alle drei sehr gering ausgestattet: Es gibt einen alten OP-Tisch, eine kleine Lampe, die an die nicht-funktionierende OP-Lampe angeschlossen wurde und etwas chirurgisches Material. Vieles bringen die Ärzte selbst mit, auch Kosten während der Reise spendete Dr. Moussa der Hilfsorganisation, für die er sich seit vielen Jahren ehrenamtlich einsetzt. Zur OP-Kleidung gehört hier auch, stets eine Stirnlampe dabei zu haben. Die Verbesserung der medizinischen Infrastruktur vor Ort wird derzeit vom Hammer Forum geplant und organisiert.

Kinder aus dem Kongo in Höxter oprieren

In der Zwischenzeit operiert Dr. Moussa weiter – wenn es sein muss auch im Dunkeln nur im Licht der Stirnlampe. Dann sammeln sich die zuschauenden Studenten enger um den Chirurgen – bis zu zehn Studenten schauten bei den Operationen zu, stellten Fragen, durften assistieren und wurden angeleitet. Einige von ihnen kamen den weiten Weg aus der Hauptstadt Kinshasa.

Auch Eltern legten weite Wege zurück, um ihre Kinder untersuchen und operieren zu lassen. So füllte sich die Wartereihe vor der Kinderambulanz des Vereins. Selbst zwischen den Operationen wurden Moussa noch weitere Kinder für eine Operation vorgestellt. Für einige konnte er es am Tag vor der Abreise noch einrichten – andere mussten für den nächsten Hilfseinsatz vermerkt werden. Plötzlich wurde er noch zu einem Notfall aus dem benachbarten Operationssaal gerufen. Ein Junge kam per Kaiserschnitt zur Welt, doch das Neugeborene begann nicht zu atmen. Während die einheimischen Kollegen sich um die Mutter kümmerten, übernahm das Team um Dr. Moussa die Reanimation des Kindes – mit Erfolg. Das Neugeborene und 26 weitere Kinder sind gesund und wohlauf. Für zwei Kinder mit komplizierten Diagnosen – Tumoren im Unterkiefer und in der Wange – wägt das Hammer Forum gerade Möglichkeiten ab, diese nach Deutschland zu holen, um ihnen eine Behandlung in deutschen Krankenhäusern zu ermöglichen. Dr. Moussa hofft, dass er im Frühjahr drei Kinder aus dem Kongo im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter behandeln kann, sagte er am Mittwoch auf Anfrage.

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