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Katastrophenschutz in Alarmbereitschaft  – Bundeswehr sagt Appell ab – Schule fällt aus

Orkan „Ylenia“: Kreis Höxter gründet Krisenstab

Kreis Höxter

Die Zeichen stehen auf Orkan. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt seit Mittwochmorgen vor einem gefährlichen Weststurm, der ab der Nacht zum Donnerstag über NRW und auch über den Kreis Höxter zieht. Erste Vorboten des Unwetters kündigten schon am Mittwoch an. Erste Konsequenzen gibt es: Der Kreis Höxter hat einen Krisenstab eingesetzt. Es gab erste Krisensitzungen der Rettungskräfte. Wegen des Orkantiefs wurde für Donnerstag in NRW landesweiter Unterrichtsausfall angeordnet.

Von Michael Robrecht

Mit einer gemeinsamen Besprechung in der Kreisleitstelle in Brakel haben Matthias Kämpfer (links), Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr des Kreises Höxter und Kreisbrandmeister Rudolf Lüke (vorne rechts) gemeinsam mit Vertretern von Feuerwehren, Städten, Polizei und Straßen NRW vor dem Hintergrund der drohende Sturmlage am Mittwochvormittag konkrete Maßnahmen zum Katastrophenschutz vorbereitet. Kreis Höxter Foto: Kreis Höxter

Das kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer im Düsseldorfer Landtag an. Familienminister Joachim Stamp appellierte an alle Eltern, ihre Kinder am Donnerstag zu Hause zu betreuen statt in die Kita zu schicken. Weil man es mit Sturmböen von bis Windstärke 12 zu tun habe, wollen die Verantwortlichen die Kinder nicht gefährden. Die Schulen wurden mit einer Mail über die Entscheidung informiert. Lehrkräfte müssten Not-Beaufsichtigung gewährleisten, so der Auftrag vom Land an alle Schulen auch im Kreis Höxter. Auch im Kreis Holzminden fällt die Schule aus.

Bernd Hoppe koordiniert mit den anderen Kollegen in der Kreisleitstelle die Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst. Foto: Frank Spiegel

In Höxter hat die Bundeswehr ihren für Donnerstag geplanten feierlichen Appell zur Verabschiedung der Soldaten der 4. Kompanie nach Strausberg bei Berlin im Klostergarten in Brenkhausen abgesagt. Am Abend sollten dort jene Truppenteile verabschiedet werden, die über Jahre für den Aufbau des neuen ABC-Abwehrregimentes 1 der Bundeswehr nach Brandenburg abgeordnet worden sind.

Dunkelrot schon Mittwochmorgen 8.12 Uhr: Unwetterwarnung auf der Internetseite der Feuerwehr Höxter (www.unwetterzentrale.de). Die heimischen Einsatzkräfte bereiten sich auf Sturmtage mit Orkanschäden vor. Foto: Screenshot Robrecht

Auf den Baustellen im Kreis Höxter haben Baufirmen und Handwerker am Mittwochmittag begonnen, Material und Gerüste zu sichern. Windgeschwindigkeiten von 120 km/h plus X sind für die Region angesagt, Baumaterial fliegt schnell umher. Die heimischen Forstämter hatten bereits am Dienstag vor dem Orkan gewarnt. Wie berichtet, sollen die Menschen die Wälder und die Straßen durch Waldgebiet ab sofort meiden. Für die Nebenflüsse der Weser und die Bäche wird wegen anhaltender Regengüsse mit Hochwasser gerechnet. Die Straßenmeistereien und Bauhöfe im Kreis befinden sich alle in „Alarmbereitschaft“.

In der Kreisleitstelle für Rettungsdienste und Feuerwehren bereiten sich die Mitarbeiter auf eine ereignisreiche Nacht und einen stürmischen Donnerstag vor. Am Mittwochmittag trafen sich alle Wehrführer der Feuerwehren aus dem Kreis zu einer Krisensitzung in Brakel in der Leitstelle. Auch die Polizei ist auf eine ereignisreiche Nacht vorbereitet, wie Sprecher Jörg Niggemann betonte: „Wir sind bereit, unserer Feuerwehr beispielsweise mit Straßensperrungen den Rücken frei zu halten. Wir haben das Personal in der Bereitschaft deutlich aufgestockt. Außerdem wird die Leitstelle mit mehr Mitarbeitern als gewöhnlich besetzt sein.“

Die Kreisverwaltung gab am Nachmittag eine erste Erklärung zum drohenden Unwetter ab. „Noch steht nicht mit Sicherheit fest, wie stark die drohenden Sturmtiefs die Region treffen werden. Um auf diesen Ernstfall vorbereitet zu sein, haben sich auf Einladung des Kreises Höxter und des Kreisbrandmeisters Rudolf Lüke Vertreter unter anderem von Feuerwehren, Städten, Polizei und Straßen NRW in der Brakeler Kreisleitstelle getroffen.“

Solche Sturmschäden gab es bei Kyrill und Friederike im Kreis Höxter. Foto: Michael Robrecht

Das Unwetter-Potenzial gilt als hoch: „ Auch für die nächsten Tage sind zum Teil schwere Stürme angekündigt. Für alle Einheiten des Katastrophenschutzes kann das viele Einsätze innerhalb kürzester Zeit bedeuten.Um sich auf eine eventuell hohe Zahl von Notrufen vorzubereiten, verdoppelt der Kreis Höxter deshalb die Zahl der eingesetzten Disponenten in der Leitstelle. Auch werden zusätzliche Warnbaken für eventuelle Straßensperrungen bereitgestellt“, so der Kreis. „Im Ernstfall wird zudem eine übergeordnete technische Einsatzleitung eingerichtet, die bei einer städteübergreifenden Schadenslage die Einsätze koordiniert“, sagt Kreisbrandmeister Rudolf Lüke. Diese und weitere Planungen wurden mit den Teilnehmenden der Besprechung abgestimmt.

Zudem wurde bereits ein kleiner Krisenstab gebildet, der die Entwicklung der Lage genau beobachtet. „Damit sind wir jederzeit handlungsfähig“, sagt Matthias Kämpfer, Leiter des Krisenstabes und des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr. Seine eindringliche Bitte an die Bevölkerung: „Alle nicht unbedingt notwendigen Wege im Straßenverkehr - insbesondere, wenn sie durch Waldgebiete führen – sollten in den kommenden Tagen unterlassen werden. Bleiben sie nach Möglichkeit zuhause. Versuchen sie, Verabredungen oder Termine zu verschieben und, falls es möglich ist, Home-Office-Regelungen in Anspruch zu nehmen. Und sichern sie alle beweglichen Gegenstände im Außenbereich gegen Sturmböen, beispielsweise Gartenmöbel oder auch Baugerüste.“

Aufgrund der Witterung der letzten Wochen ist die Gefahr umstürzender Bäume im Falle eines schweren Sturms derzeit besonders hoch. „Der Boden ist durch den anhaltenden Niederschlag aufgeweicht. Die Baumwurzeln haben verminderten Halt“, erklärt Heike Lockstedt-Macke, Leiterin der Abteilung Straßen des Kreises Höxter. Doch nicht nur auf Straßen in Waldgebieten sei die Gefahr groß, denn neben Bäumen und Ästen könnten auch andere Gegenstände plötzlich die Fahrbahn blockieren. „Unsere Bauhöfe sind deshalb ebenfalls in erhöhter Alarmbereitschaft. Aber wenn es wirklich zu einem schweren Sturm kommt, dann können weder wir noch die Feuerwehren überall gleichzeitig sein, um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen.“

Verfolgen Sie alle Entwicklungen in unserem Newsblog zum Sturmtief.

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