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Weniger Trauungen, mehr Todesfälle und ein Geburtenrekord im Corona-Jahr – Standesamt zieht Bilanz

Paare lassen es 2021 richtig krachen

Höxter

Lediglich 118 Paare sind im vergangenen Jahr in Höxter vor die Standesbeamten getreten und haben sich trauen lassen. 2019 sind das noch 145 gewesen. „Ganz klar eine Folge der Corona-Pandemie“, sagt Lydia Drüke.

Ralf Brakemeier

118 Paare gaben sich 2020 in Höxter das „Ja-Wort“. Wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Foto: dpa

Sie ist Standesbeamtin in Höxter und hat im vergangenen Jahr viele Absagen von geplanten Hochzeiten erlebt. Wie bereits im Frühjahr werden auch jetzt im Lockdown Trauungen in der Kreisstadt durchgeführt. Im Trauzimmer sind Eheleute und Standesbeamtin allerdings unter sich, nicht einmal Trauzeugen und Eltern dürfen dabei sein.

„Im Sommer konnten wir unter Einhaltung der Hygieneregeln noch zehn Personen zulassen, im Historischen Rathaus oder im Kaisersaal Corvey auch noch mehr“, berichtet Lydia Drüke. Sie bedauert den Rückgang der Eheschließungen um 18 Prozent, hat aber auch Verständnis: „Zur Zeit können wir nicht einmal einen Sektempfang im Rathaus gestatten. Viele Paare gehen deshalb mit ihren wenigen Gästen nach Hause, und stoßen im Garten kurz an.“ Eine große Hochzeitsfeier ist, wie auch schon im vergangenen Jahr, heute nicht möglich. Manche frisch Vermählte berichten, dass sie den Tag anschließend ganz für sich allein verbringen. „Viele wollen die Feier aber in diesem Jahr nachholen und es dann ‚so richtig krachen lassen‘“, hat sich die Höxteraner Standesbeamtin erzählen lassen.

Ganz verzichten wollten viele Paare auf ihren besonderen Tag dann aber doch nicht. Zum Teil lagen auch „zwingende Gründe“ für eine Eheschließung 2020 vor. Manchmal sei ein Kind unterwegs, das nicht auf die Welt kommen soll, ehe die Eltern verheiratet sind. Bundeswehrsoldaten hätten sich trauen lassen, bevor sie zu einem gefährlichen Auslandseinsatz, zum Beispiel nach Afghanistan, aufbrechen mussten, um die Ehefrau abzusichern. Und dann führten Paare auch immer wieder steuerliche Gründe an, weshalb die Eheschließung nicht um ein Jahr verschoben werden sollte. Liebe sei aber sicher nicht nur das eine oder andere Mal auch mit im Spiel.

„Die „Trauungen unter Extrembedingungen“ seien auch für die vier Standesbeamtinnen (wenn es ums Heiraten geht zählt in Höxter echte Frauenpower) eine Herausforderung gewesen. Lydia Drüke: „Wir haben ja noch viele andere Aufgaben wie Beurkundungen, Vaterschaftsanerkennungen, Namensrechtliche Erklärungen oder Auslandsrecht. Für mich ist so eine Trauung immer die Sahne auf der Torte.“ Schade sei es deshalb, wenn die Zeremonie unter Ausschluss der Öffentlichkeit und – um die Aerosolbildung zu verhindern – auch kürzer durchgeführt werden müsse. In Höxter versuchen die Standesbeamtinnen die Eheschließung möglichst festlich und individuell zu gestalten. „Da gibt es ein paar persönliche Worte, Musik und vielleicht ein passendes Gedicht“, sagt Lydia Drüke, die sich auf diesen Teil ihres Dienstes immer besonders gewissenhaft vorbereitet.

Dafür erhält sie meist sehr positive Resonanz, viele Gäste kennen das Prozedere vor allem aus Großstädten eben auch anders. Ein bisschen Erfahrung, Menschkenntnis und Einfühlungsvermögen gehöre nun einmal dazu, findet Lydia Drüke. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen musste sie eine Zusatzqualifikation erwerben und sich auch regelmäßig fortbilden lassen. „Ein schöner Beruf“, findet Lydia Drüke auch wenn so manche Aktenarbeit eher Pflicht und eine feierliche Trauung dann die Kür sei.

Weniger erfreulich: Lydia Drüke und ihre Kolleginnen haben natürlich auch mit Sterbefällen zu tun. Da gibt es einen traurigen Rekord zu vermelden: Mit 601 Sterbefällen sei in Höxter eine Steigerung um zwölf Prozent zu verzeichnen – es starben etwa 50 Menschen mehr als im Mittel der vergangenen Jahre. „Ob das auch im Zusammenhang mit Corona steht, kann man nur vermuten“, sagt Lydia Drüke.

Erfreulich sei wiederum, dass die Standesbeamtinnen 2020 insgesamt 1129 Geburten beurkunden konnten. Lydia Drüke: „Besonders schön ist, dass wir hier einen Anstieg von neun Prozent zu verzeichnen haben – und das gegen den Bundestrend.“ Nur 17 Prozent der werdenden Mütter kommen dabei aus Höxter. Als einzige Geburtsklinik im Kreis genieße das St.-Ansgar- Krankenhaus auch über die Landesgrenze hinweg einen guten Ruf. „Wir verzeichnen hier Geburten nicht nur aus dem ganzen Kreisgebiet, sondern auch aus Lemgo, Lügde, Holzminden, Stadtoldendorf oder Uslar“, verweist Drüke auf die Statistik. Dazu trage sicher auch die gut ausgestattete Frühchenabteilung bei.

Von den Höxteraner Babys 2020 hören 16 auf den Namen Emilia. Er führt die Liste der beliebtesten Vornamen an, 2019 hatte Lia auf dem Spitzenplatz gelegen. In der aktuellen Liste folgen Mia und Ella auf den Plätzen zwei und drei. Platz vier teilen sich Ida, Leni und Lina. Es folgen, ebenfalls gleichauf, Amelie, Lea, Marie und Tilda.

Bei den Jungen machte im vergangenen Jahr Noah das Rennen (2019 war es Ben). Es folgen Lukas auf Rang zwei sowie Ben und Paul auf drei. Platz vier teilen sich Jonas, Mateo und Theo, die Top-Fünf komplettieren Kopf an Kopf Elias, Fynn, Leo, Liam und Leonard.

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