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Ursula Bremer findet alte Karte im Kochbuch

Post aus der Vergangenheit

Höxter (WB). „Ich habe das Heftchen mit der Karte beim Aufräumen in einem alten Kochbuch gefunden. Ich war ganz erstaunt, als ich las, dass die Karte aus dem Jahr 1933 stammt“, sagt Ursula Bremer, als sie das altersfleckige Papier betrachtet. Es handelt sich dabei um einen Band der Serie „Altes und Neues aus Mengeringhausen“ aus dem Jahr 1931 und eine Begleitschrift des Pfarrers August Koch.

Iris Spieker-Siebrecht

In einem alten Kochbuch steckte das Heftchen „Altes und Neues aus Mengeringhausen“ mit dem Begleitschreiben von Pfarrer Koch. Ursula Bremer konnte die Sütterlin-Schrift entziffern und würde jetzt gerne mehr über die Hintergründe erfahren. Foto: Iris Spieker-Siebrecht

Sütterlin schwer zu lesen

„Herrn Tierarzt Dr. Böhme zur freundlichen Erinnerung an den Pfingstbesuch zu Mengeringhausen am 19. Juni 1933 von A. Koch“ steht am Kopf der Begleitkarte. Des Weiteren wird dem Empfänger oben genannter Band „verehrt“. „Ich habe drei Stunden gebraucht, um die Karte zu lesen, denn sie ist in Sütterlin verfasst (Anm. der Redaktion: zwischen 1915 und 1941 gelehrte, alte deutsche Schreibschrift), das habe ich schon ewig nicht mehr gelesen und musste mich erst wieder einfinden“, sagt Ursula Bremer.

Weitere Details interessant

Wie der Band und seine Begleitkarte ihren Weg in das Kochbuch fanden, woher sie das Kochbuch hat und wie lange es schon in ihrem Regal steht, dass weiß sie nicht mehr. „Ich habe versucht, den Tierarzt Dr. Böhme oder seine Nachkommen ausfindig zu machen, aber da hatte ich leider kein Glück“, erzählt sie von ihren Bemühungen. „Es gibt eine alte Telefonnummer eines Tierarztes Dr. Böhme in Beverungen, aber die ist nicht mehr vergeben. Es würde mich sehr interessieren, weitere Details zu der Karte und ihrer Geschichte zu erfahren, nachdem sie so plötzlich nach so vielen Jahren bei mit wieder ans Tageslicht gekommen ist“, sagt die Seniorin. Sie hofft, dass Leser des WESTFALEN-BLATTES ihr da vielleicht weiterhelfen können.

Jährlicher Rhythmus

Der Band selbst ist Teil einer Serie, die im jährlichen Rhythmus über eine lange Zeit verlegt wurde. Sie behandelt sowohl alte als auch jeweils aktuelle Themen der Geschichte der Stadt Mengeringhausen. Diese Kleinstadt im Landkreis Waldeck gehört heute zu Bad Arolsen und hat rund 3200 Einwohner. Über die Grenzen Waldecks hinaus bekannt ist Mengeringhausen auch mit dem Volksfest „Freischießen“, das alle sieben Jahre mit historischen Kostümen, Umzügen und Schauspiel gefeiert wird.

Stadtarchivar

Christian Meuser, der Stadtarchivar aus Bad Arolsen, sagt im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT zu dem Fundstück: „Es sind mehr als hundert Bände verlegt worden. Die Reihe ist hier im Stadtarchiv komplett hinterlegt“. Das Archiv der Stadt sei eines der umfangreichsten und ältesten in ganz Deutschland, berichtet der Archivar. Die älteste Schrift stammt dabei aus dem 14. Jahrhundert. Das Büchlein des Jahres 1931, das Ursula Bremer fand, erläutert unter anderem die Inschriften am Geburtshaus des Verfassers vieler bekannter Kirchenlieder, Philipp Nicolai, der am 10. August 1556 in Mengeringhausen geboren wurde und am 26. Oktober 1608 in Hamburg starb. Zwei seiner bekanntesten Werke sind „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“.

Bekannte Persönlichkeit

Und auch der Verfasser des Büchleins, Pfarrer August Koch, ist im Kreis Waldeck eine bekannte Persönlichkeit. So veröffentlichte Pfarrer August Koch im Jahr 1890 das Lied „Mein Waldeck“, das bis heute als „das Lied“ und die Nationalhymne aller Waldeckerinnen und Waldecker gilt. Pfarrer Koch wurde 1857 in Wrexen, direkt an der Grenze zum heutigen Kreis Höxter, geboren, besondere Verbindungen zu Mengeringhausen pflegte er auch, da seine Frau Emma hier geboren wurde. Ab 1925 verlebte er hier seinen Ruhestand, bis er 1934 starb.

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